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1. Begriff
Dem Begriff Heilsgestalten ist der Vorzug gegeben worden gegenüber dem
Begriff der Heiligen, weil der zweite Begriff inzwischen
religions-geschichtlich vielfach inflationär gebraucht wird, die
zugrundeliegende Bedeutung aber dann oft unklar bleibt. Demgegenüber sagt
Heilsgestalt einen deutlichen Bezug zum Heil, somit zur Vollendung und
Erfüllung des Menschen und der Welt aus und, insofern als das Heil in
theistischen Religionen ab-künftig an Gott gebunden bzw. mit ihm identisch
ist, eine Grundbeziehung zum Heiligen schlechthin. Je nach den in
verschiedenen Religionen gegebenen Antworten auf die Fragen nach dem Wesen
des Heils und den Wegen der Heilserlangung sind Heilsgestalten mehr die
leuchtend Verkörperungen erlangten Heilsgestalten oder aber Menschen, die
bei der Vermittlung von Heil eine massgebliche oder doch hilfreiche
Mittlerrolle spielen. Insofern als Heilsgestalten sich in der Verwirklichung
von Heil von der heilssuchenden Menschheit unterscheiden und sich in
gewissem Sinne von dieser entfernen, werden sie zu Objekten der Verehrung,
die man da nicht selten um Hilfe auf dem eigenen Weg der Heilserlangung
anruft. Die Bitte um Hilfe oder auch, wenn das Heil letztendlich von Gott
erwartet wird, Fürbitte kann sowohl an noch Lebende wie an Tote gerichtet
werden. Insofern sie Wegweiser und Vermittler des Heils sind laden sie aber
auch zur Nachfolge ein. Häufig treten Verehrung und Nachfolge im Verbund
auf. Ein eigenes Problem bildet in Religionen mit institutionalisierten
Autoritätsstrukturen die Tatsache, dass jemand in der Vermittlung von Heil
(verbal und sakramental) tätig sein kann, dessen Leben eine deutliche
Diskrepanz zwischen der verkündigten Heilsbotschaft und dem konkreten
Lebenswandel aufweist, so dass ihm Heiligkeit im moralischen Sinn
abzusprechen und er nicht Heiliger im Sinne eines im Heil Stehenden
angesprochen werden kann, obwohl er typologisch die Bedingungen einer
Heilsgestalt erfüllt.
2.Typen
Bei der Erstellung einer Typologie von Heilsgestalten sind die verschiedenen
zuvor genannten Rücksichten - erlangtes bzw. verwirklichtes Heil und
persönliche Heiligkeit, Heilsvermittlung kraft selbsterlangten Heils oder
Heilsverkündigung auf dem Wege zum Heil, u.U. in Unterscheidung von einem
heilsgemässen Leben - mitzubedenken. Der grundlegen Typus der Heilsgestalt
ist der in seiner Heiligkeit von den verschiedenen Religionen
unterschiedlich begründete Heilige. In bzw. und/oder nach seinem Leben kann er
als Heilsgestalt in Erscheinung treten durch seinen ausgezeichneten vorbildhaft-wegweisenden religiösen Lebenswandel und das darin sich
ankündigende Heil, aber auch durch Mächtigkeit seines heilsrelevanten
Einsatzes für andere. Zu den Heilgestalten zählen in Religionsgeschichte
sodann all jene, als Priester eine Funktion ausübende oder doch
priesterähnliche Aufgaben wahrnehmende „Kultfunktionäre", „ekstatisch
Inspirierte und Ritualtechniker", Zauberer, Medizinmänner,
Schamanen und Herrscher, diejenigen, die das Heil verkünden oder in es
einweisen wie die Propheten, Seher, Lehrer, Prediger und Mystagogen, aber
auch Charismatiker wie Thaumaturgen, Ekstatiker, solche, die als Mystiker
mit dem Heil und dem Heiligen in Berührung gekommen sind. „Wir finden
Menschen der originellen und schöpferischen Leistung und solche des
Nachvollzuges, der technischen Manipulation, der Routine und des
Anempfindens". Ob und wieweit religiöse Stiftergestalten
unter die Heilsgestalten einzureihen sind, wird diskutiert.
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