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Religionen
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Heiliges

Bei der Rede vom Heiligen fasziniere „das religiöse Motiv, das ... diejenigen anspricht, die nicht mehr gläubige Christen sind, aber doch religiös sein möchten". Das mag mitunter gelten; doch geht es bei dem religiös-phänomenologischen Grundwort nicht zuerst um vage Religiosität, sondern - in der Abwehr von verfremdenden Religionsdeutungen - um jenen Eigen-Gehalt religiöser Erfahrung, den der ethische Blick noch nicht erfasst, der andererseits ebensowenig als irrational oder „magisch" bestimmt werden darf.

1.Sakral – profan
Sei unter „Heiligkeit" der Welt ihre Tiefendimension verstanden, das Unbedingtheitsmoment an ihr, das etwa im Kunstwerk aufscheint (W. Weischedel), vor allem aber im erfahrenen Anspruch zu Ehrfurcht (J. W. v. Goethe) und Achtung (I. Kant), dann wird diese wesenhafte Transzendenz von allem jeweils in besonderen Widerfahrnissen als solche thematisch. Und darauf bezieht sich der Mensch, vor weiterer Reflexion, im Handeln des Kults und in mythischer Kunde.
Ort und Zeit, der Anhalt solchen Geschehens (Baum, Stein, Berg ...), werden zu „etwas Besonderem”, in jenem weder ethischen noch ästhetischen, sondern ganz eigenen Sinn, den das Wort „sakral" meint. So gilt Kult dem Sakralen - und bestimmt von ihm her sich selbst, seine Räume und Zeiten, die Handlungen und Handelnden, Geräte, Texte ... als (sekundäre) Sakralität. - Erst dieser (doppelten) Sakralität gegenüber gibt es dann das Profane; an und für sich ist es nur, was es ist: „irdische Wirklichkeit".
„Sakral" wie „profan" stellen also Relationsbegriffe dar. Um vom Sakralen, als dem Bestimmenden, auszugehen:

1. macht es, einfach durch sich selbst, das übrige zum Nicht-Sakralen, ohne Abwertung, doch unmissverständlich;

2. bezieht es sich zugleich darauf (und dies auf sich), weil es jene Heiligkeit enthüllt, die allem eignet;

3. vereinnahmt dieser Bezug nicht, sondern grenzt, in „Stellvertretung", aus. Am Beispiel der Mose-Vision: der „brennende Dornbusch" profanisiert alle anderen Büsche, zugleich macht er auch deren Gott-Gehören neu bewusst und belässt sie gleichwohl (für das Hirtenfeuer) verfügbar.
Genauerhin tut dies nicht das Sakrale selber, sondern das in ihm Erscheinende bzw. der Erfahrende. So zeichnet menschliches Fehlverhalten stets auch den Sakralbezug: von Versuchen zur Überfremdung des Irdischen durch Sekundär- und Tertiär-Sakralität (a nachträgliche Theoretisierung: Theologie) über fixierende Tabuisierungen bis hin, z. T. in Reaktion darauf, zum Bemühen um Entmachtung des Sakralen, mit dem Ziel gar der Beseitigung jedes „magischen Restes". Zugrunde liegt eine Verwechslung bzw. Vermischung von Symbol und Symbolisiertem: von 1. Sakralität und „Heiligkeit", von 2. diesen beiden und dem Heiligen.

2. Das Heilige
Doch die Erfahrung selbst verlangt, von der Erscheinung (dem Sakralen) das erscheinende Heilige zu unterscheiden. Dessen Eigenqualität lässt sich freilich sowenig beschreiben wie Qualität überhaupt. Schon R. Otto sah nur den Ausweg in fremdsprachige Termini oder die oft monierten „numinosen Gänsefüsschen". Zuerst wäre wohl auf die Erfahrung von Heil, d. h. erfüllender Beseligung, zu verweisen (M. Scheler) - trotz, ja gerade im Erleben äusserster Distanzierung und „Vernichtigung" (im tologischen Schock [P. Tillich]). Da zeigen sich hier durchaus Grade, biblisch: vom Sinai-Gewitter bis zum Windhauch am Horeb. - Dem Verdacht auf elitäre Immunisierung und kritikscheuen Irrationalismus sei erwidert, dass kein anderes Wort so eindeutig die absolute Hoheit und Göttlichkeit jener Sinn-Macht bene die in der Tradition immer wieder Metapher des Lichts (und Überlichts) geführt hat.
Das Heilige ist „es selbst" (B. Weite), sich und durch sich selbst (statt von unseren Gnaden), nicht aus Stärke, sondern aus Recht, und dies nicht bloss für Fühlen, sondern gerade für ein ihm e sprechendes Denken (K. Hemmerle. Solche Selbsthaftigkeit meint der unv kürzte Begriff von Person. Doch wer die sächliche Rede die Unvergleichli keit und Unnahbarkeit dieses „Ganz-deren". - Wiederholt hat man als Grundkategorie das Heil benannt - Unrecht ; geht es hierbei doch dem Menschen noch um sich. Die Rede vom Heiligen aber spricht jenen Selbstübersti seiner an, den M. Scheler im Opfer der „Moral der Religion und der Religion der Moral" erblickt: hin auf das „hei offenbare Geheimnis" (J. W. v. Goeth - Als ein solches bleibt es einzig in der Anbetung gewahrt: im „Dank" an die Gottheit - nicht für ihre Menschenfreundlikeit (also ob unseres Heils), sonden ihretwegen: „wegen deiner Herrlichkeit“.
 


 

 

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