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Heilige Schrift(en) im Visnuismus |
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Die heiligen Schriften
der Visnuiten lassen sich in drei Gruppen gliedern: Grundtexte der
Krsna-Verehrung, Grundtexte der Rama-Verehrung und Offenbarungs-Schriften,
in denen Visnu-Narayana im Zentrum steht. Die älteren krsnaitischen Texte
stammen aus der Schule der Bhagavatas. Am bekanntesten sind die Bhagavadgita
(meist ca. 200 v.Chr. geschätzt, Datierung aber ungewiss), der Harivanda
(ca. 100 n. Chr.), das Vinzu-Puratia (ca. 2. Jh. n.Chr.) und vor allem das
Bhagavata-Puratta (ca. 8.-9. Jh). Während die Bhagavadgita die
Selbstoffenbarung Krsnas (Krishna) als höchste Gottheit enthält und seine
Lehre verkündet, berichten die drei anderen Texte detailliert von der
Kindheit, der Jugend und den Wundertaten Krsnas, geben Auskunft über seine
Abstammung und stellen diesen wichtigsten Avatara (Herabkunft, Inkarnation)
Visnus in den Gesamtbezug von Weltschöpfung, Weltalterlehre und Erlösung.
Das Bhagavata Purana ist die bei weitem populärste heilige Schrift dieser
Gruppe. Alle Texte zur Rama-Verehrung basieren auf dem Epos Ramayana des
Valmiki (2. Jh. v. Chr. - 2. Jh. n. Chr.), in dessen spätesten Teilen (Buch
I und VIII, ca. 2. Jh. n.Chr.) der Held Rama zum Gott Rama, zum Avatara
Visnus geworden ist. In Nordindien ist jedoch noch wichtiger das
Ramcaritmanas (See der Taten Ramas), eine Neufassung des Ramayana in Hindi
von Tulsi Das (1532-1623), die von der Haltung der Gottesliebe (Shakti)
zutiefst durchdrungen ist. Dieser Text, der Hindi zur Literatur-Sprache
erhob, hat für die Verehrung Visnus in Gestalt des Rama eine Bedeutung, die
derjenigen des Bhagavata-Puraria für die Verehrung Visnus in Gestalt des
Krsna entspricht. Die Offenbarungs-Schriften zu Visriu-Narayana selbst
bestehen aus 108 als Paticaratra Samhitiis bezeichneten Werken göttlichen
Ursprungs (die Zahl der Werke, die den Anspruch erheben, zu diesen 108
Texten zu gehören, ist etwas grösser), die von der Schule der Paticaratrins
tradiert worden sind, und aus den Agamas der Vaikhanasa-Schule. Die Werke
dieser beiden Textgruppen enthalten umfangreiche Abschnitte über Kosmologie,
Anthropologie, Metaphysik und Gotteslehre, über die rituelle Praxis
einschliesslich Vorschriften für den Tempelbau und die Herstellung und
Einweihung von Götterbildnissen und über den rechten Lebenswandel, der
religiöse und soziale Pflichten ebenso umfasst wie ethische Normen,
individuelle Reinheit und Läuterung und das Verhalten gegenüber Lehrern (acarya)
und Bildnissen Gottes. Die Göttin Sri-Laksmi, Gemahlin Visnus, spielt in
diesen Texten eine gewichtige Rolle, ebenso die Attribute Visnus,
insbesondere sein Diskus Sudarsana, der die Weltordnung stabilisiert. |
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