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Heilige Schrift(en) im Islam

Die heilige Schrift der Muslime ist der Koran, arab. al kur'an. Das Wort ist wahrscheinlich abgeleitet von dem Verbum kara'a und bedeutet „Rezitation, Vortrag". Er enthält die Worte Muhammads, die er in mekkanischer und medinischer Zeit zu Offenbarungen Gottes erklärte. Gott aber sprach nicht unmittelbar zu Muhammad - dazu war seine Vorstellung von der Unendlichkeit und Macht Gottes viel zu gross -, sondern durch die Vermittlung des Geistes oder Engels, der in der Sure 2,97 mit Gabriel identifiziert wird. In Sure 26,193 f. heisst es: „Der zuverlässige Geist hat ihn (den Koran) herabgebracht, dir ins Herz, damit du ein Warner seiest." Damit wird von Muhammad gesagt, dass er der Mittler und Künder der Offenbarungen Gottes an die Menschen ist. Jedes Wort des Koran ist Gottes Wort, und deshalb wird im Islam grosse Sorgfalt auf die Überlieferung dieser Worte verwendet. Schon früh liess Muhammad seine an ihn ergangenen Offenbarungen schriftlich festhalten. Da dienten ihm in Medina Sekretäre wie z.B. Zaid ben Thabit. Nach dem Tod Muhammads veranlasste der erste Khalif Abu Bakr (reg. 632-634) eine Sammlung der Textdokumente. Da sie in ihren Lesarten voneinander differierten, liess der  dritte KhalIf Uthrnan (reg. 644-6 durch ein Redaktionskomitee eine heute gültige, offizielle Koran-Ausgabe erstellen, und alle übrigen Koran-Ausgaben vernichten. Damit war die Kanonbildung abgeschlossen. Der Koran wurde in 114 Suren eingeteilt, die ab der 2. Sure der Länge nach geordnet sind. Jede Sure trägt einen Namen, der entweder auf das Kernthema hinweist oder aus einem hervortretenden Wort der betreffenden Sure gewonnen ist. Diese „Überschriften" gehören nicht zum geoffenbarten Text, s dem sind spätere Hinzufügungen. Der beginnt mit der Sure der „Eröffn (arab. fati(Ia), die als einzige Form eines Gebetes abgefasst ist. Beim Rezitieren fügt man das Wort „Amen" (arab. am hinzu, was bei den anderen Suren nicht geschieht. Bis auf die 9. Sure beginnen alle anderen Suren mit der Eingangsformel „Im Namen des barmherzigen gnädigen Gottes" (basmala).
Für die Muslime ist der Koran eine Teilwiedergabe des im Himmel gedachten Ur-Korans (umm al-kitab, wörtl. „Mutter des Buches"), der ewig und unerschaffen ist und nicht mit irgendeiner menschlichen Schrift verglichen werden kann. Durch seine Herabkunft auf die Erde im Monat Ramadan erhält er seine einzigartige Würde. Die Sprache des Koran ist hocharabisch, und nach orthodoxer Lehre darf er nicht in eine andere Sprache übersetzt werden, da man jede mit einer Übersetzung verbundene Änderung des Inhaltes vermeiden möchte. Eine historisch-kritische Erforschung des Korans wird ebenfalls abgelehnt. Da aber der Koran von sich aus nicht immer verständlich ist, bedurfte es schon früh einer Exegese. Zu diesem Zweck sammelte man die nicht schriftlich niedergelegten Aussprüche Mubammads, die die z. T. nicht leicht verständlichen Offenbarungen erklärten. Diese Spruchsammlung wird ‚Wade', d. h. Rede, Überlieferung, genannt. Zu den einschneidendsten Gedanken Muhammads gehört, dass nicht nur seine Offenbarung, sondern auch die Offenbarungen der früheren Propheten Abraham (III), Mose und Jesus (III) auf der himmlischen Ur-Schrift beruhen (4, 163 ff.; 26,196 f.). Judentum, Christentum und Islam entstammen demnach alle dem einen „Buch"; deshalb nennt der Koran Juden und Christen ahl al-kitab, die Leute der (Ur-)Schrift. Neben dieser Gemeinsamkeit bleibt zwischen Christentum und Islam das Unterscheidende, das Trennende: Im Islam ist Gott der absolut Transzendente, der aus sich seinen Willen im Koran offenbart. Im Christentum entäussert sich der absolute Gott der Transzendenz und offenbart sich den Menschen in Jesus dem Christus; das Wissen um diese Offenbarung sagen uns die Evangelien. Ist also die Offenbarung im Christentum eine Person, ist es im Islam ein Buch. Die Mitschriftbesitzer Juden und Christen besitzen und verkünden nach islamischer Lehre einen Teil der Offenbarungswahrheit, die Fülle der Wahrheit finde sich jedoch ausschliesslich im Koran
 


 

 

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