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Heil/Heilsweg in den chinesischen Religionen

Die chinesische Idee des Heils und des Heils-Weges ist mit der Konzeption des Menschen wie auch mit den Vorstellungen der Zukunft, des Jenseits verbunden. Das Fehlen einer eindeutig religiösen Heils-Vorstellung im Konfuzianismus führte zu der Annahme, in China gäbe es keine Heils-Idee, vor allem aber keine universale Heils-Vorstellung. Das chinesische Denken ist zwar diesseitsbezogen, doch diese Diesseitigkeit schliesst das Göttliche (Transzendente) und das Heil nicht aus. Der eigenartige religiöse Sinn der Chinesen lässt aber das Heil, die Vollkommenheit, hier auf der Erde, in der Gesellschaft und in sich selbst suchen. Die höchste Form des einheimischen Heils-Angebotes scheint im traditionellen China die Idee der Unsterblichkeit gewesen zu sein. Erst im Buddhismus (2. Jh.) fanden die Chinesen ein gänzlich neues Heils-Angebot. Das Heil und der Heils-Weg ist in China mit der jeweiligen Religion verknüpft (Taoismus, Buddhismus, Islam, Christentum, Volksreligion, „Staatskultwesen"). Die Heils-Konzeptionen dieser Religionen sind entweder sehr kompliziert (Buddhismus, Taoismus) bzw. utopisch und einfach (Heils-Vorstellungen der Sekten und Geheimgesellschaften) oder nicht religiös (Konfuzianismus), oder aber nur für bestimmte Schichten der Gesellschaft reserviert („Staatskultwesen"). Im traditionellen China war das Ziel des Menschen die Vollkommenheit, d. h., man erlangte „Heil", indem man ein moralisch (ethisch) vollkommener Mensch zu werden versuchte; das war gleich der Weg, dem Himmel (T'ien) zu dienen. Im Neo-Konfuzianismus hiess es, die eigene Natur sei wahr und wirklich, man brauche also nicht ausserhalb seiner selbst zu suchen; man könne seine eigene Natur zur höchsten Entfaltung bringen. Dem Menschen blieb nur der Weg, die Welt in ihrer Realität anzuerkennen. Der Weg, den die heiligen Könige des Altertums gefunden hatten, stellte den einzig wirklichen Weg zur Vollendung des Heils des Individuums wie auch der Gesellschaft dar. Der konfuzianische „Heilsweg" ist also einfach eine Rückkehr zu den Anfängen der Geschichte (Zivilisation), um Modelle für die Gegenwart zu finden. Die Heiligen (sheng-jen) verkörperten die höchste Stufe der Menschheit, die Edlen das erreichbare Ideal des Menschseins. Das Ziel war immer die Menschlichkeit (jen). Der konfuzianische Weg ist aber nicht jenseitig, sondern ständig gegenwärtig. Man erwartete Gesundheit (als Lohn für die Tugend), gesundes Leben, Wohlstand und guten Nachruf nach dem Tod. Individuelle Mystik ein Asketismus um des Heils willen war der klassischen (bürokratischen) Tradition fremd. So ist der Konfuzianismus mit einem Weg zu vergleichen, den jeder gehen kann, wohin er will, und den jeder so weit geht, wie seine Natur es zulässt. Das Ziel, das auf diesem Weg erreicht wird, ist einfach Erlangung des vollen Menschtums, urspr. Güte (der menschlichen Natur). Als Voraussetzung genügt das ehrliche Streben. Mittel zur Erlangung des volen Menschtums im Konfuzianismus sind: Wissen um das, was recht ist, und Übung des Geistes (Selbst-Kultivierung). Die Unterdrückung der Begierden dient in der konfuzianischen Selbst-Kultivierung nicht der Loslösung von der Welt, sondern der Integration in die Gesellschaft und die Welt, voll affirmiert werden.
Das reine Warten auf die Wiederkehr des Heils hat es im traditionellen China wenig häufig gegeben, noch seltener das Warten auf die Erlösung durch die plötzliche Verwandlung der Welt in ein neues • dies. Lediglich Mencius (um 372v. Chr.) begründete (bzw. übernahm) die Tradition von der periodischen Wiederkehr eines Welterlösers. Im Neo-Konfuzianismus den aber alle Hoffnungen auf eine von aussen kommende Erlösung ausgelöst. Das Heil ist, wenn überhaupt, nur auf den zu finden. So hat der Konfuzianismus an sich keine Heils(Erlösungs-)Doktrin im religiösen Sinne entwickelt. Das einzige, was des Heils Selbst-Kultivierung,Erziehung) durfte, war das Fremde, das „Barbarische".
Auch im Taoismus gewann die Verwirklichung der menschlichen Natur als Heils-Ziel grosse Bedeutung, denn das T „wohnt" im Menschen. Der Taoismus die einzige einheimische chin. Religion, die sich auf das Heil im religiösen Sinne konzentriert. Das Denken (Doktrin und Meditation) und die Aktion (das Ritual) sind in ihm immer auf die Erlösung (= Vereinigung mit dem Tao) hin ausgerichtet. Indem man das Leben in Harmonie mit der Natur lebt, kann man die wahre menschliche Natur verwirklichen und die Vereinigung mit dem Tao (= das H.) erlangen. Das soteriologische Postulat der Rückkehr zum Tao (= Chaos, hun-tun) bedeutet zunächst Rückkehr zu sich selbst in einer enstatischen Meditation. Nach der taoistischen Lehre hat die Gesellschaft den Menschen beständig von der urspr. Natürlichkeit (tzu-jan) entfernt, die es ihm möglich gemacht hatte, in Harmonie mit der Natur zu leben. Deshalb ist es nötig, dass der Mensch sich allen bewussten Strebens enthält (wu-wei), um auf einem intuitiven (meditativen) und zugleich rituellen Weg das Tao zu erreichen. Wenn er dann schliesslich die Vereinigung mit dem Tao erlangt hat, hat er für sich oder auch andere (Verstorbene) das Ziel erreicht.
Für den chinesischen Buddhismus ist der Gedanke der Verwirklichung der menschlichen Natur gleichfalls grundlegend. In China vollzog sich der Wandel der buddhistischen Vorstellung vom individuellen zum universalen Heil, das nur möglich ist, wenn alle Lebewesen der Buddha-Natur innewerden. In China ist der Mahayana-Buddhismus („Grosses Fahrzeug") entwickelt worden, der eine universale Erlösung lehrt und im chinesischen Raum die Heils-Religion par excellence ist.
Das Heil wird also in chinesischen Religionen im eigenen Selbst gefunden durch eigene Anstrengungen (Selbst-Kultivierung, Meditation, Ritual). Das Heil wird da erreicht, wo man ist, in dem wirklichen Körper (7 Mikrokosmos; Mensch). Die Selbsterlösung ist möglich, weil im Menschen das Prinzip li (K.), die Buddha-Natur (Buddhismus), bzw. die reine menschliche Natur (Taoismus) vorhanden sind.
 

 


 

 

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