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Heil/Heilsweg im Buddhismus

Der Buddhismus ist prmär weder abstrakte Philosophie noch kultische Religion, sondern ein Heilspfad. Der Einsicht in die Leidhaftigkeit des Daseins steht die Erfahrung des Buddha zur Seite, dass es einen Weg aus dem Leiden gibt. Diesen Heils-Weg zu lehren, ist sein Anliegen, darüber hinausgehende Spekulation über Gott, Anfang und Ende der Welt usw. (die später im Hinayana wie im Mahayana allerdings Einzug gehalten hat) lehnt er ab: Wer von einem vergifteten Pfeil getroffen ist, fragt auch nicht zuerst, wer der Täter war, welcher Kaste er angehört usw., sondern er unternimmt alles, den Pfeil herauszuziehen und die Wunde zu heilen. Dieser Heilungs-Weg ist ein Pfad der Erkenntnis, die sowohl rationale als auch transrationale Aspekte hat. Die Ursachen des Leidens sind rational einsehbar. Sie liegen in dem Durst nach oder Anhaften an den Dingen bzw. der ichhaften Attraktion (Gier) oder Aversion (Zorn), die der Mensch aufgrund der Ich-Einbildung auf Dinge und Vorgänge aufprojiziert. Das Ich muss sich, da es als letztgültige Wirklichkeit gar nicht existiert, um seiner Identitätsgewinnung willen sich ständig durch diese Projektion behaupten. Hass und Gier sind Leidverursacher, weil sie die karmischen Dispositionen beständig verschlechtern, indem sie sich ins Bewusstseinskontinuum einprägen, Spuren hinterlassen ünd so den Ich-Wahn noch verstärken. Die Erkenntnis des Nicht-Ich (anatta, anatman) im psychologisch-anthropologischen wie ethischen Sinn ist also der Angelpunkt des Heils-Weges. Nur ein Bewusstsein, das projektionsfrei und ruhig konzentriert sich selbst analysiert, kann diese Erkenntnis vollziehen. Meditation als Übung des Bewusstseins, seine eigene Tiefe auszuloten, ist deshalb Voraussetzung für die rechte Erkenntnis. Letztlich führt aber dieses Bewusstseinstraining (für das ein der buddh. entsprechender Lebenswandel unbedingte Voraussetzung ist) in eine transrationale Erfahrung, in der die Subjekt-Objekt-Dualität aufgehoben wird und die Wirklichkeit in ihrer Soheit (tathata) erscheint, was im Mahayana-Buddhismus im Zentrum steht. Bevor der Übende diese Erfahrung kennt und damit die Lehre des Buddha selbst verifiziert hat, ist Vertrauen (sraddha) in den Lehrer und Glaube an die Wahrhaftigkeit des Buddha für den Heils-Weg unerlässlich. Der Zustand des völligen Ich-Verlöschens wird Nirvana genannt. Es ist das Ende der karmischen Verkettung und damit des Leidens. Das nirvana kann nicht beschrieben werden, weil sonst wieder ich-projizierte Wünsche den Inhalt, der nur durch Erfahrung zugänglich bzw. das Ende jeder spezifischen (begrenzten) Erfahrung ist, trüben würden. Wer die rational-transrationale Erfahrung gemacht hat, hat absolute Gewissheit. Für ihn ist nirvana nichts Negatives, sondern höchstes Gut, Glückseligkeit, die Erfahrung des Klaren Lichtes bzw. der Realisierung der Buddhanatur, wie es nicht nur in Tibet und Ostasien angedeutet, sondern bereits im frühen Buddhismus („Hafen des Friedens" usw.) bezeugt ist. Jeder Mensch ist somit für sich selbst und für sein Heil verantwortlich. Dabei stehen ihm aber im Mahayana die Bodhisattvas, die gelobt haben, nicht ins nirvana einzugehen, bis alle lebenden Wesen befreit sind, bei. Sie können als direkte irdische Lehrer erscheinen oder aber als Wesen im subtilen Bereich in Gebet und Meditation den Übenden stärken und schützen. Besonders in der Schule des Reinen Landes ruft der Buddha Amitabha alle zu sich, die gläubig auf ihn vertrauen. Sie werden im Reinen Land (sukhavati) wiedergeboren, in dem es ideale Voraussetzungen zur Erlangung des nirvana gibt. In Japan steht dem Heils-Weg durch eigene Kraft (jiriki, vor allem in den Zen-Schulen) der Weg durch das Vertrauen in die andere Kraft (tariki, vor allem in den Jodo-Schulen) gegenüber. In der Volksfrömmigkeit wendet sich der Gläubige immer vertrauend an den Buddha und die Bodhisattvas, und auch in den Meditationsschulen (im Theravada, im tibetischen Buddhismus wie im Zen) weiss man, dass die tiefere Meditation, die zur Erfahrung der Nicht-Dualität führt, nur dann möglich ist, wenn sich der Mensch völlig losgelassen und allen Eigenwillen aufgegeben hat. Die Meditationspraxis als Zentrum des buddhistischen Heils-Weges macht die theoretische Unterscheidung von Fremd- und Selbsterlösung unter dem Grundsatz der Nicht-Dualität obsolet.
 


 

 

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