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Heidentum

Das Wort „Heiden" geht theologisch auf das Alte Testament zurück. Es ist ein Beziehungswort und wird zur Abgrenzung vom Volk der Verheissung für die Menschen ausserhalb des Heilsvolkes gebraucht. Parallel dazu wären nach neutestamentlicher Theologie unter „Heiden" diejenigen zu verstehen, die ausserhalb der (sichtbaren) Gemeinschaft der an Christus Glaubenden, der Kirche, stehen. Sprachgeschichtlich geht das Wort Heidentum auf das lat. pagani (Landbevölkerung) zurück. Da diese kulturell niedriger standen, verband sich mit der Bezeichnung der Makel der kulturellen Rückständigkeit und zugleich sittlicher Minderwertigkeit. In neuerer Zeit wurde Heiden zum Synonym von „Wilden", was verständlich macht, dass es heute, in der nachkonziliaren Ära und der Zeit der „jungen Völker", kaum noch gebraucht wird.
Paulus sieht im Heidentum den Herrschaftsanspruch der Mächte, die gegen die Herrschaft Gottes ankämpfen und die Menschen zur Sünde und zum Abfall von Gott verführen, am Werk. Andererseits weiss er, dass die Heiden Gott erkennen können und dass ihnen Gottes Gesetz ins Gewissen geschrieben ist. Wenn sich Gottes Zorn „wider alle Gottlosigkeit und Ungerechtigkeit" entlädt, so gilt das für die Heiden (Röm 1,18), aber auch, ja noch mehr, für die Juden (vgl. Röm 2,27). Die paulinische Theologie kennt heilige Heiden (Abel, Henoch, Noach; vgl. Hebr 11,4-7) und vertritt den allgemeinen Heilswillen Gottes (1 Tim 2,4).
Wenn nur Einer Mittler ist, der Mensch Jesus Christus, und die Kirche, sein Leib, das „allumfassende Sakrament des Heils", entsteht die Frage, wie die Menschen vor Christus und ausserhalb des Christentums Heil in Christus erlangen können. Die Theologie verweist auf Gründe, die Hoffnung geben. Letzter Grund der Hoffnung ist Gott, der seinen Sohn in diese Welt sandte, um die Sünde zu tilgen und Frieden zu stiften durch sein Blut: für die ganze Welt, die ganze Schöpfung unter dem Himmel, für jeden Menschen. So mag man weiter, abstrakt, von „Heidentum" sprechen, der konkrete Mensch, ob Hindu, Buddhist, Muslim usw., steht immer unter dem Anruf Gottes und dem Wirken der Gnade Christi.
 


 

 

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