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Gottesreich im Judentum

Grundlegend für die jüdische Reich-Gottes-Auffassung ist die rabbinische Sicht. Ursprünglich als Gegensatz zur fremden „Herrschaft" (= Rom) gesehen, wird es dann mit dem Bösen überhaupt kontrastiert, das erst beseitigt werden muss, bevor das Königtum Gottes in Erscheinung tritt. Zum Teil wird das Reich Gottes mit der messianischen Königsherrschaft über Israel parallelisiert bzw. identifiziert. Dennoch behält das Königreich der Himmel universalen Charakter. Ort seiner Errichtung ist die (eschatologisch neue) Erde, nicht der Himmel. Deutlicher als die Apokalyptik und das Neue Testament bemühen sich die Rabbinen darum, die eschatologische Herrschaft Gottes als (blossen) Spezialfall seiner bereits gegenwärtigen bzw. immerwährenden Herrschaft darzustellen. Sie sprechen daher nicht vom „Kommen", sondern vom „Errichten" oder „Erscheinen" des Reiches Gottes (Kaddisch). Im übrigen geht es den Rabbinen mehr um die Praxis (ethische Relevanz) als um eine theoretische Theologie des Reiches Gottes. Entscheidend ist daher, dass der Mensch die Herrschaft Gottes anerkennt. Dies geschieht u. a. im Sprechen des malkujot (Königreich-)Gebets (urspr. am Neujahrsfest, dann am Ende jedes Gottesdienstes) oder im Bekenntnis zum Monotheismus. „Das Joch des Königreichs der Himmel auf sich nehmen" kann geradezu mit der Rezitation des Schema (Dtn 6,4) identifiziert werden. Die mittelalterlichen Gelehrten schreiben im wesentlichen die rabbinische Auffassung fort. Von Mose ben Maimon u. a. wird der metaphorische Charakter königlicher Prädikationen Gottes herausgestellt. Berühmt geworden ist die „Königskrone" des Salomo ibn Gabirol, ein Gedicht, das in Gebetsform das Königtum Gottes in der Schöpfung besingt. Ihm wurde fälschlicherweise auch der (bis heute gebräuchliche) Lobgesang des 'Adon' olam („Herr der Welt”) zugeschrieben, in dem das Königtum Gottes in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gepriesen wird.
Nach kabbalistischer Auffassung ist die „Herrschaft" (malkut) die unterste der zehn göttlichen Kräfte (Sefirot) und als weibliches Korrelat dem männlichen Prinzip der „Herrlichkeit", welches auch als „Himmel" (Herz des Himmels) verstanden wird, zugeordnet. Da nach kabbalistischer Lehre das Tun der Menschen die Harmonie der Sefirot beeinflusst, ist das Reich Gottes erreicht, wenn durch gute Taten „Herrschaft" und „Himmel" geeint sind. In der chas(s)idischen Bewegung steht der Gegenwartsaspekt der Gottesherrschaft und deren Anspruch an den einzelnen im Vordergrund. Teilweise gilt als Ziel des Menschen die Aufgabe der eigenen Identität zugunsten einer mystischen Vereinigung mit Gott, so dass am Ende nur mehr die königliche Majestät Gottes existiert.
 


 

 

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