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Gottebenbildlichkeit - jüdisch

Grundlage aller Überlegungen zur sogenannten Gottebenbildlichkeit ist die im Kontext der Menschenerschaffung in Gen 1, 26 f. zu findende Aussage: „Und Gott sprach: Lasst uns Menschen machen als unser Bild wie unsere Ähnlichkeit, damit sie herrschen über die Fische des Meeres ... Und dann schuf Gott den Menschen als sein Bild, als Bild Gottes schuf er ihn, männlich und weiblich schuf er sie." Diese späte priesterschriftliche Aussage bereitete den Exegeten aller Jahrhunderte Schwierigkeiten, wobei Fragen nach dem Plural in Vers 26, nach den Bildtermini und schliesslich nach dem Wesensinhalt der Gottebenbildlichkeit im Vordergrund stehen. Die Priesterschrift greift hier eine aus der altorientalischen Herrscherideologie bekannte Metapher (Bild Gottes) auf, demokratisiert sie aber und bringt sie in Verbindung mit der eigenen Tradition. Das Bilderverbot hatte gerade in exilischer Zeit eine besondere Bedeutung erlangt, so dass es nötig war, die Aussage vom Menschen als Bild Gottes in Verbindung mit dem Theologumenon vom bildlosen Gott zu interpretieren. Dies geschieht nicht dadurch, dass der Mensch als das einzig legitime Bild Gottes angesehen wird, sondern dadurch, dass die Gottebenbildlichkeits-Aussage bes. präzise formuliert wird, um Anthropologie (Gottebenbildlichkeit des Menschen) und Theologie (Bilderverbot) als deutlich unterschiedene, aber vermittelbare Grössen darzustellen. Dies gelingt in Gen 1,26 vor allem durch die Wahl des Plurals in der Gottesrede, denn dadurch wird eine erste Distanz in dem Sinne geschaffen, dass eben nicht der eine und einzige Gott ins Bild gefasst wird, sondern aus der göttlichen Grösse (Plural!) wird etwas „abgebildet". Unterstrichen wird dies dann vor allem durch die Wahl der Begriffe: mit entsprechenden Präpositionen geben sie ganz exakt Funktion (Ysalmenü als unsere Statue) und Qualität (kidmatena wie wir beschaffen) an. Auf diese Art und Weise kann die Priesterschrift vom Menschen als Bild Gottes sprechen, ohne Gefahr zu laufen, das Bilderverbot zu überschreiten. Die in Gen 1, 26 f. zu findende Anthropologie ist als theol. im ureigensten und weitesten Sinne des Wortes zu charakterisieren, denn sie vermittelt die durch das Bilder-verbot im Laufe der Geschichte Israels gesicherte Transzendenz Gottes in eine neue Immanenz. Der Mensch als Stellvertreter und Repräsentant Gottes in der Schöpfung weist auf seinen Schöpfer zurück, der selbst - unsichtbar und bildlos - auf sein Geschöpf, den Menschen, hinweist.
In den unterschiedlichen Auslegungen und Rezeptionen von Gen 1,26f. innerhalb des Judentums spiegeln sich die textlichen und theologischen Probleme dieser komplizierten Aussage wider. Zwei Positionen lassen sich konturieren. Der einen liegen anthropomorphe Gottesvorstellungen zugrunde, wie sie sich auch teilweise im Alten Testament selbst finden. Mit innerer Notwendigkeit treten die Vorstellungen in Konkurrenz zum dekalogischen Bilderverbot. Demgegenüber geht die andere Position von der auch biblisch belegten Transzendenz Gottes aus - mit der Schwierigkeit, die Gottebenbildlichkeit des Menschen als metaphorische Bestimmung seines Seins fassen zu müssen. Aus diesen beiden Grundpositionen lassen sich die verschiedenen Entwicklungen im Judentum verstehen, zum einen die Distanz gegenüber der Gottebenbildlichkeit als Aussage überhaupt, zum anderen die in den Bereich philosophischer Begriffsbildung hineinreichende Auswertung und Anwendung, deren spezifisch theologischer Aussageinhalt auf ein Minimum begrenzt bleibt. Häufig bleiben aber die jüdischen Diskussionen und Aussagen zur Gottebenbildlichkeit des Menschen im Bereich der vom Alten Testament selbst her umrissenen theologischen Anthropologie.
 


 

 

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