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Gott - ugaritisch

Die seit 1929 in der kanaanäischen Stadt Ugarit (ca. 10 km nördlich der syrischen Hafenstadt Ladakije) von Franzosen durchgeführten Grabungen brachten zahlreiche Schriftdokumente ans Licht, unter denen sich Tontafeln in einer dem älteren nordwestsemitischen Lautstand nahestehenden, bis dahin unbekannten Alphabet-Keilschrift befanden, welche zum Gebrauch der ugaritischen Sprache geschaffen worden war. Die Tafeln mit der etwa zwischen 1400 und 1200 benutzten Schrift enthalten zu einem grossen Teil Texte mythisch-epischen Inhalts, durch die unsere Kenntnisse über die frühe kanaanäische Götterwelt in aussergewöhnlicher Weise erweitert wurden. Auffallend ist der Umstand, dass die dem Wetter- und Vegetations-Gott Baal/Hadad zuzuordnenden Mythen die Mehrzahl bilden. Er erklärt sich jedoch daraus, dass Baal der Haupt-Gott von Ugarit war und die Tafeln in der seinem Tempel zugehörigen Bibliothek gefunden wurden. Neben den eigentlichen Göttermythen sind 2 eher episch zu nennende literarische Werke, die Keret- und die Danel- bzw. Aqhaterzählung, zu erwähnen. Es könnte sich hierbei um Dichtungen über das Leben zweier legendärer Könige von Ugarit handeln.
Das Oberhaupt des Pantheons von Ugarit war der Götterkönig El. Er ist charakterisiert durch eine abgeklärte, scheinbar passive Ruhe, die sich aber aus seiner Distanz gegenüber den jüngeren Göttern, als deren Vater er galt, erklären lässt. Seine Gattin war die Göttermutter Atirat, Söhne des El waren Jamm, der Gott des Meeres und der Flüsse, und Mot, der Gott des Todes; zu seinen Töchtern zählte Anat, als Göttin der Liebe von jungfräulicher Schönheit, aber auch gewalttätige Gottheit des Krieges. Ähnliche Aspekte zeigte Attart (Astarte), Göttin des Abendsterns. Anat und Attart sind deshalb in nach-ugaritischer Zeit miteinander verschmolzen worden. Zu den bedeutenderen Gottheiten zählten auch der Mond-Gott Jahri und seine Gattin Nikkal sowie die in Ugarit weibliche Sonnengottheit Saps. Nach Ausweis von Götter- und Opferlisten umfasste das Pantheon von Ugarit 20-30 Götter, von denen uns aber nicht alle in ihrer Wesenheit klar erkennbar sind. Die Hauptgottheiten wurden menschengestaltig angesehen. – Die Baals-Mythen sind vordergründig als Gleichnisse des jährlichen Vegetationswechsels zu verstehen, wobei Baal die Zeit der Winterregen und der Aussaat des Getreides, das Grünen und Blühen des Frühlings und das Emporwachsen des Korns verkörpert, Mot die Zeit der Sommerhitze und des Absterbens der Vegetation, aber auch die des reifenden Getreides und der Ernte. Beide Gottheiten ergänzen sich also. - Daneben zeigt Baal jedoch die Züge eines aufkommenden jungen Gottes. Er wird häufig als Sohn des Dagan, des älteren Vegetations-Gottes, über den er sich emporgeschwungen hat, bezeichnet. Er besiegt Jamm als den Vertreter des Chaoselements Wasser, setzt es durch, dass ihm von dem Handwerker-Gott Kotar ein Palast (Tempel) auf seinem Götterberg Sapon (1770 m, ca. 40 nördl. von Ugarit) erbaut wird, gerät zwar in die Gewalt des Mot, der jedoch durch die hitzköpfige Schwester des Baal, Anat überwunden wird, und kehrt mit den Winterregen und der wiederkehrenden Vegetation in die Oberwelt zurück. In nach-ugaritischer Zeit setzte sich die Stärkung der Position des Baal fort, bis dies schliesslich die Funktion des El als des höchsten Gottes übernahm.
 


 

 

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