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Gott ist „Gegenstand"
verschiedener Bemühungen seitens des Menschen. Auf ihn können sich Religion
und Kult, Dichtung und Musik, Kunst und Reflexion richten. Christlicher
Glaube hat Gott immer auch als eine Herausforderung des Denkens empfunden.
Das Nachdenken über Gott ist sowohl im Glauben an ihn enthalten, sofern der
Glaube auf Verstehen drängt, als auch von der Kommunikation innerhalb wie
ausserhalb der Gemeinschaft des Glaubens gefordert. In expliziter Form
geschieht dieses Denken über Gott in Gestalt der Theologie. Diese versteht
sich als Nachdenken des Glaubens über das ihr in der Offenbarung vorgegebene
und im Glauben empfangene Wort Gottes. Betrachtet man Gott selber als Inhalt
dieses Wortes, dann wird Theologie zu dem, was ihr Name und Programm im
strengen Sinn besagen: Wort von Gott. Im Ringen um ein angemessenes
Verständnis Gottes haben sich zwei systematische Schwerpunkte gebildet: Die
Denkanstrengungen des Glaubens kreisen einmal um den Zugang zur Wirklichkeit
Gottes, zum anderen versuchen sie systematisch zu entfalten, was sich
inhaltlich hinter der Bezeichnung Gott verbirgt. Die Theologie hat dabei -
wenn auch unter Anleihen bei der Philosophie - ihre eigenen Methoden und
Wege entwickelt.
I. Der Zugang zur Wirklichkeit Gottes
Die einschlägigen Überlegungen, die sich unter dem Oberbegriff
„Gottes-Erkenntnis" zusammenfassen lassen, haben heute fundamentaler
anzusetzen bei
a) der Situation des Gottes-Glaubens: Diese wird als Infragestellung Gottes
gekennzeichnet, wie sie sich theologischerseits in der
Gott.-ist-tot-Theologie oder ausserhalb davon in den
Gegenwartsinterpretationen als „Fehl Gottes" (M. Heidegger), „Abwesenheit
Gottes", „Gottes-Finsternis" (M. Buber) bis hin zum bewussten Atheismus in
seinen Varianten äussert. Diese Entwicklungen verlangen eine stärkere
Sensibilität für die Frage nach Gott, wie sie sich z. B. im verweisenden
Schweigen des Positivismus, in der Sinnfrage und Sinnerfahrung spürbar
meldet.
b) Katholische Theologie ist grundsätzlich von der Erkennbarkeit Gottes
überzeugt. Das I. Vatikanum lehrt in deutlicher Abgrenzung gegenüber den
Positionen des Fideismus und Rationalismus die natürliche Erkennbarkeit
Gottes: „Gott, aller Dinge Grund und Ziel, kann mit dem natürlichen Licht
der menschlichen Vernunft aus den geschaffenen Dingen mit Sicherheit erkannt
werden. ,Denn sein unsichtbares Wesen lässt sich seit der Erschaffung der
Welt durch das, was gemacht ist, deutlich erkennen' (Röm 1, 20)“. Diese Art
der Gottes-Kenntnis wird auch als natürliche Offenbarung bezeichnet, wodurch
sie aus einer rationalistischen Verengung befreit, inhaltlich aufgewertet
und auf die Initiative Gottes zurückgeführt wird.
Als mögliche Variationen und Ausschnitte von ihr gelten:
c) die Gottes-Beweise: Diese nehmen bei der seinsmässigen Zufälligkeit des
Seienden ihren Ausgang. Letztere spiegelt sich in der Ordnungs- und
Zweckstruktur, der räumlichen oder zeitlichen Begrenztheit, der Stufenfolge
des Seins, der Veränderlichkeit oder Bewegtheit der erfahrenen Welt. Mit
Hilfe des Kausalitätsprinzips wird daraus die Existenz Gottes erschlossen.
Allen ablehnenden oder skeptischen Stimmen zum Trotz bleiben die
Gottes-Beweise wichtig, sofern sie die „Logik" und sprachliche Bedeutung des
Gottes-Begriffs zeigen, seine Kompatibilität mit menschlicher Welterfahrung
belegen, seine integrierende Wirkung hinsichtlich des sittlichen Verhaltens
unterstreichen und die Weite religiöser Erfahrung dokumentieren.
d) die Gottes-Erfahrung: Ihre Betonung stellt zum Teil eine Reaktion auf die
Krise des Glaubens und des Gottes-Begriffs dar. Das vorhandene Vakuum soll
durch den Appell an Erfahrung gefüllt werden. Das Anliegen des durchaus
nicht eindeutig geklärten Begriffs Gottes-Erfahrung ist es, auf den
Wirklichkeitscharakter Gottes und eine grundlegendere Weise der Begegnung
mit Gott abzuheben, als dies in den traditionellen Formen der
Gottes-Erkenntnis der Fall ist. Eine typisierende Einteilung spricht von
kosmologischer, anthropologischer und geschichtlicher Gottes-Erfahrung. Es
versteht sich selbst, dass es sich hier weniger um gegensätzliche
Möglichkeiten als um bestimmte Modelle handelt, die auf das Wirken der
Gottes-Erfahrung verweisen. Die Fähigkeit des Zugangs zu Gott appelliert an
den ganzen Menschen und seine unverkürzte Wirklichkeit.
2. Die Wirklichkeit Gottes
Theologisch als Rede von Gott hat heute demnach den Grenzen, Bedingungen und
Möglichkeiten solcher Rede erhöhte Aufmerksamkeit zu schenken. Aus den
geistes-geschichtlichen und gesellschaftlichen Wandlungen ergibt sich die
Notwendigkeit, unverzichtbare Bedeutung Gottes im Kontext menschlicher
Freiheitsgeschichte aufzuweisen. Das Verlangen nach Freiheit und
Emanzipation, die Sinnsuche nach Sinn, das vermehrte Interesse an Religion
und die Skepsis in Wahrheitsfrage, Wissenschaftsgläubigkeit und
Katastrophenangst verwandelt alles Reden von Gott in ein radikales Fragen
nach ihm. Dieses zielt auf das Verständnis der Absolutheit und Transzendenz
des metaphysisch bestimmten Begriffs, das Problem des Gottes-Gedankens, der
natürlichen Theologie, des Sprechens von Gott, der Sprache des Glaubens. Von
der Tradition her ist der Theologie als Lehre von Gott das Geheimnis Einheit
und Dreifaltigkeit Gottes aufgegeben. Innerhalb dieses Spektrums gewinnen
heute das Programm einer negativen Theologie in materialer wie formaler
Hinsicht, der Rekurs auf den Geheimnischarakter und die Diskussion der
Leidensfähigkeit Gottes an Relevanz. Immer wichtiger wird die Besinnung auf
den Schöpfer-Gott. Sowohl Bibel wie Glaubensbekenntnis denken von ihm aus.
Die Verordnung des Glaubens an den Erlöser und des Glauben an den Schöpfer
entwertet und gefährdet das Bild Gottes und der Schöpfung. In diesem Sinn
fordert auch eine am trinitarischen Gott Mass nehmende und differenzierende
Sicht der Schöpfung. - Die Frage nach dem Personsein Gottes wird mehr und
mehr zu einer Crux der Theologie, da unser Verständnis von Person als
Selbstand in seiner Anwendung auf die Trinität fraglich wird, der ein
relationaler Personbegriff zugrunde liegt.
- Nicht ohne Einfluss ideologiekritischer und sozialpsychologischer
Überlegungen sowie von emanzipatorischen Tendenzen kommt es zur
Infragestellung des Vater-Gottes als Inbegriff eines patriarchalischen
Gottes-Verständnisses und zur Nachfrage nach der „Mütterlichkeit" Gottes als
Korrektur eines einseitigen Gottes-Bildes.
- Die Unterscheidung zwischen ökonomischer und immanenter Trinität ist für
das katholische Glaubensverständnis unerlässlich. Es handelt sich dabei um
ein Folgeverhältnis, wonach die ökonomische der Wesenstrinität entspricht
und ihrer zur Begründung bedarf. Zur Erklärung der immanenten Trinität
bedient man sich des in der Tradition bereits vorgegebenen Modells der
Liebe, in dem man vor allem den Prozesscharakter und die soziale Komponente
der Liebe hervorhebt. Auf diese Weise könnte das Trinitätsdogma von seiner
Isolierung befreit und in seiner zentralen Stellung innerhalb des Glaubens
und der Verkündigung verdeutlicht werden.
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