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Gott - römisch

Wie die Griechische Religion so war auch die Römische Religion polytheistisch. Ihre Götterwelt entstammt einem gemeinsamen indoeuropäischen Pantheon und weist Übereinstimmungen mit dem keltischen, germanischen, griechischen und indischen Pantheon auf. Darüber hinaus war jedoch der etruskische Einfluss stark.
Die römischen Götter sind vor allem durch ihre Funktion definiert. Sie leben in der Tätigkeit und im Daseinsbereich, der ihnen zugeschrieben ist. Darüber hinaus ist ihre Existenz kaum besonders konturiert. Die Mythologie ist schon früh stark zurückgetreten; bildliche Darstellungen nehmen erst unter griechischem Einfluss zu. Zentrum göttlichen Wesens ist die Wirkung, welche nur im zugeschriebenen Bereiche erfahren wird: die Wirkung des Kriegs-Gottes im Kriege, des Ackerbau-Gottes im Ackerbau, des Grenz-Gottes an der Grenze usw. Hier tendiert der römische Geistes-Begriff zur Differenzierung: Venus z. B. kann als Schutzherrin der Ehe „Venus Pronuba" heissen, als Schutzherrin der Fortpflanzung „Venus Genetrix". Umgekehrt können neue Lebenserfahrungen der Gemeinschaft neue Götter hervorbringen: der Sieg die „Victoria", die (Sehnsucht nach) Eintracht die „Concordia", schliesslich entsteht gar aus der Staatsidee selbst die „Dea Roma". Von Anfang an scheint der römische Gottes-Begriff in nächster Nähe zur Allegorie konkreter Daseinserfahrungen gestanden zu haben.
Eine Theologie kannte die römische Religion in ihrer Frühzeit nicht, lediglich Gesetze über den Kult. Als Versuche einer Theologisierung der römischen Götterwelt können die „Antiquitates rerum divinarum" des M. T. Varro und die „Metamorphosen" Ovids gelten, beide aus der Zeit der augusteischen Reformation. Varro ordnete die Götter in drei Gruppen, um ein durchgängiges, logisch nachvollziehbares System zu gewinnen, während Ovid auf dem Prinzip der Wandlung eine enzyklopädische Übersicht der Mythologie aufbaute.
In der Spätantike nimmt unter dem Einfluss der griechischen Philosophie die Tendenz zum Monotheismus zu. Der römische Staat bemüht sich, integrative Kulte zu entwickeln, den Herrscherkult, den Kult des „Sol Invictus". In der Spätzeit der römischen Religion gelten die Götter nur noch als Manifestationen eines einzigen göttlichen Prinzips, etwa als Planeten. Baulich dokumentiert das römische Pantheon diese Idee: die ursprünglich stoische Idee der Weltharmonie wird zur de facto monotheistischen römischen Gottes-Idee, die jedoch wegen ihres hohen Abstraktionsgrades nur selten die gelebte Wirklichkeit des homo religiosus Romanus war.

B) Die Götterwelt der Römer
An erster Stelle ist der „Gott des Himmelslichts", die höchste Gottheit des römischen Staatskultes, Jupiter, zu nennen, der schon früh in einer kultischen Gemeinschaft mit dem für den Bereich des Krieges zuständigen Mars und Quirinus zusammengestellt wird und später mit Juno und Minerva die capitolinische Trias bildet. Als Gemahlin steht dem Jupiter die Ehe- und Familiengöttin Juno zur Seite.
Andere wichtige Götter sind:
Vesta, die Göttin des Herdfeuers, deren Priesterinnen, die Vestalinnen, das heilige Herdfeuer niemals ausgehen lassen durften. Die Vestalinnen genossen bei der Staatsführung und im Volk hohes Ansehen. In Zusammenhang mit Vesta steht
Janus, der Gott der Tür und der Zeit, da durch die Tür Unheil ins Haus dringen kann. Der Januskopf, als Doppelgesicht in die Zukunft und in die Vergangenheit schauend, ist noch heute in Redewendungen bekannt.
Saturnus, den Gott der Aussaat, in der Mythologie mit Kronos zusammengestellt, geht auf das karnevalistisch gestaltete Fest der Satunialia, urspr. ein Wintersonnenwendfest, zurück. Von Bedeutung sind:
Faunus und Silvanus, die Götter der animalischen Fruchtbarkeit und der Wälder;
Ceres, die Göttin der pflanzlichen Fruchtbarkeit;
Flora, die Blumengöttin;
Vulcanus, der Gott des Feuers, und
Neptunus, der Meeres-Gott

Bei dieser Aufzählung zeigt sich die enge Verflechtung und Adaptation des griechischen Religionsgutes. „Einen Höhepunkt bildeten 217 v. Chr. die Einführung der aus 6 Paaren bestehenden griechischen Zwölf-Götter-Gruppe in Rom, die nun die entsprechenden Namensträger aus dem römischen Göttersystem aufnahm: Jupiter - Zeus und Juno - Hera, Neptunus - Poseidon und Minerva - Athena, Mars - Ares und Venus - Aphrodite, Apollo - Apollon (Helios) und Diana - Artemis, Vulcanus - Hephaistos und Vestia - Hestia, Mercurius - Hermes und Ceres - Demeter. Neben den Staatsgöttern kennt die römische Religion eine grosse Zahl von Gottheiten für Sonderbereiche, die durch die Personifikation abstrakter Begriffe gekennzeichnet sind, wie z. B. Concordia (Eintracht), Fortuna (Glück), Pax (Friede), Providentia (Vorsehung), Salus (Heil) oder gar Febris (Fieber). Durch die Ausweitung des römischen Imperiums wurden weitere, vor allem orientalische Gottheiten der Mysterienkulte in den römischen Staatskult aufgenommen, so dass man von einem Triumphzug der Mysterien-Religionen sprechen kann. Diese Orientalisierung war aber auch der Anfang vom Ende auf dem religiösen Gebiet und trug entscheidend zum Untergang des römischen Imperiums bei. Die von Kaiser Augustus (63 v. Chr. bis 14. n. Ch.) vorgenommene Reform, vom Staatskult der Götter hin zum Herrscherkult mit der Konzentration auf eine Gottheit, den So! Invictus, der unbesiegbaren Sonne, konnte den Untergang nicht mehr aufhalten, da inzwischen im Inneren und Äusseren der Siegeszug des Christentums begonnen hatte.
 


 

 

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