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Die Griechische Religion ist eine polytheistische Religion, die viele Götter
kennt. Diese sind vor den Menschen durch Unsterblichkeit und ewige Jugend
ausgezeichnet. Sie sind anthropomorph, können lieben, leiden, Schmerz
empfinden, kämpfen, sich durch Zeugung vermehren. Sie können sich
verwandeln, behalten aber eine anthropomorphe Grundform. Ihr Wille kann von
Menschen im Orakel ergründet werden, mit bevorzugten Menschen (Heroen)
können die Götter Umgang pflegen, sie gar in ihre Runde aufnehmen. Götter
und Menschen können gemeinsam sterbliche Halbgötter zeugen. Das Tun und
Wollen der Götter ist wechselhaft und launisch, der Mensch kann mit Gebet
und Opfer ihre Gunst und ihr Mitleid erflehen. Die Götter lohnen Frömmigkeit
in der Regel, müssen es jedoch nicht. Sie können, obwohl selbst unendlich
glücklich, schnell auf menschliches Glück eifersüchtig werden und strafen
Überheblichkeit (Hybris) streng.
In der Philosophie tauchte schon früh neben den Göttern die Idee des einen
Gottes auf. Heraklits Idee des Allfeuers, Parmenides' einziges und
unteilbares Seiende, der Weltschöpfer in Platos „Timaios" bezeichnen Stufen
einer gedanklichen Annäherung an den Monotheismus. Der Hellenismus schafft
eine monistisch-polytheistische Synthese der Vielheit verschiedenster,
griechischer, nichtgriechischer und gemischter Götter in einer mehr und mehr
systematisierten Einheit, die entweder als die Einheit des Seins oder aber
die Einheit des Kosmos empfunden wurde. Einzelgötter symbolisierten
Einzelkräfte, dahinter verbarg sich abstrakt, anonym und ruhend das All-Eine.
Bes. die stoische und neuplatonische Philosophie gelangte zu einer quasi
rein monotheistischen Gottes-Idee, die das Dasein hierarchisch bis in die
Vielfalt der konkreten Welt gliederte.
Die Tendenzen schon der vorhellenischen griechischen Philosophie, sich dem
biblischen Monotheismus anzunähern, bewogen spätantike Denker, die
Möglichkeit eines israelitischen Einflusses auf Althellas anzunehmen (Plato
als „Attischer Moses" bei Eusebius) oder aber einen gemeinsamen ägyptischen
Ursprung aller monotheistischen Gottes-Lehre anzunehmen („Hermes
Trismegistos"). Die Renaissance belebte diese Gedanken neu (Marsilio Ficino,
Pico della Mirandola). Vor historisch-kritischer Forschung hielten sie nicht
stand.
Die Götterwelt der Griechen
Die wichtigsten Göttergestalten der Griechen lassen sich auf verschiedene
ethnische Herkunft, die indogermanische, die altmittelländische und die
östliche, zurückführen, wobei eine Mischung der Elemente anzutreffen ist.
Als Wohnung dient den griech. Göttern der Berg Olymp, mit 2918 m der höchste
Berg Griechenlands. Das Pantheon der Götter auf dem Olymp, in der Struktur
vergleichbar der ritterlichen Gesellschaft im MA, steht unter der nicht
unumstrittenen Herrschaft des Himmelsvaters Zeus, der bildlich als Adler
oder Stier dargestellt wird (als Stier verwandelt entführt er die Europa von
Tyros nach Kreta und zeugt mit ihr den Minos). Der Göttervater Zeus ist
indogermanischer Herkunft wie auch die Herdgöttin Hestia, die Göttin der
Morgenröte Eos und seine rossegestaltigen Söhne, die Dioskuren, Kastor und
Polydeukes (röm. Castor und Pollux), die in den christlichen Heilsgestalten
Kosmas und Damian fortleben.
Zweifelhaft hingegen ist die indogermanische Herkunft der nachfolgenden
Gottheiten:
Hera, die Zeusgattin, Beschützerin der Ehe und des ganzen Lebens der Frau;
Athena (Pallas) - urspr. wohl eine kretisch-mykenische Schlangengöttin, die
als Stadtgöttin Athens im Tempel auf der Akropolis verehrt wurde und nach
alter Sage als Tochter des Zeus in voller Rüstung seinem Haupt entsprungen
ist. Sie ist die Göttin der Weisheit und Beschützerin der Wissenschaften;
der Ölbaum ist ihr heilig;
Artemis, die Zwillingsschwester des Apollos, Göttin der Jagd und
Fruchtbarkeit wie der Jungfräulichkeit;
Demeter, die Erd- und Korngöttin;
Poseidon, der Gott des Meeres, mit dem Dreizack in der Hand dargestellt;
Hephaistos, der Gott des Feuers, der Schmiede und der Handwerker;
Hermes, der flügelbeschuhte Bote der Götter, speziell des Zeus, als Weg-Gott
Führer der Seelen in der Unterwelt und Gott der Hirten, Händler und Diebe;
Hades, der Hescher der Unterwelt;
Ares, Sohn des Zeus und der Hera, der Gott des Krieges und des Kampfes.
Sicher nicht arischer Herkunft sind
Apollon, der Sonnen-, Heil- und Sühne-Gott, der als Orakel-Gott von Delphi
im Volk grosse Verehrung genoss;
Aphrodite, Göttin der sinnlichen Leidenschaft, Schönheit und die Mutter des
Eros
Dionysos, der Gott des Weines und der Fruchtbarkeit.
Unklar und unbestimmt bleibt die ethische Herkunft und damit Zuordnung der
vorolympischen Götter:
die Titanen mit dem zum Vater des Zeus gemachten Kronos und
das Urgötterpaar Uranos und Gaia (Himmel und Erde).
Neben den „Hochgöttern" des Pantheons gab es eine Vielzahl koboldartiger
Überwesen, Dämonen und niederer Gott-Wesen, Baum-, Quell-, Flussgötter aller
Art, z. B.. den halbtiergestaltigen Pan und den ihm zusammengehenden Satyrn.
Oft genossen die Überwesen an einzelnen PIätzen eine weit höhere Verehrung
als Götter der öffentlichen Kulte. Namentlich seit der hellenistischen Zeit
empfand man geradezu als Bedürfnis, sich den grossen Göttern des Staatskults
zu entziehen und sich den menschennahen, sogenannten gnädigen, helfenden und
heilenden Göttern zuzuwenden. Damals begann der Siegeszug des Asklepios, des
hl. Heros der an vielen Orten, so in Epidauros, vor allem aber auf der
Ärzteinsel Kos, bedeutende Verehrungsstätten besass. Einen entscheidenden
Anteil hatten die Gottheiten der Griechen bei der Ausformung der römischen
Gottheiten.
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