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Religionen
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Gott Im Christentum

1. Klärung der Position
Die Positionen des Menschen in der Gottes-Frage lassen sich auf drei Typen zurückführen, die mit den Begriffen Polytheismus, Monotheismus und Atheismus belegt werden. Der Polytheismus scheint überholt zu sein, da keine der grossen Religionen sich polytheistisch versteht; dennoch sollte man ihn nicht vorschnell als naiv abtun. Seine Differenz zum Monotheismus liegt nicht darin, dass er statt eines Gottes eine Vielzahl von Göttern lehrt, sondern das Absolute als unpersönlich und unerreichbar fasst. Womit bekommt es der Mensch im Polytheismus zu tun? Es geht nicht bloss um eine Fehlanzeige der Götter. Das Alte Testament setzt schlicht ihre Existenz voraus, bestreitet jedoch ihre Anbetungswürdigkeit. Ähnlich spricht das Neue Testament von Gewalten, die über den Menschen mächtig werden, wenn er sich ihnen ausliefert, Macht über sich und Göttlichkeit verleiht. Die Wahrheit der Götter gründet in der Doppelgestalt, wie der Mensch Gott erfährt. Durch den Kosmos erfährt er die Mächtigkeit des Absoluten, durch die Tiefe des Ich im Vollzug seines Seins erfährt er die Nähe zum absoluten Du. Daraus resultiert die Zweiheit von kosmischer und soteriologischer Gottes-Erfahrung. In ersterer lebt die Wahrheit der Götter weiter. Die Tatsache, dass die Strasse der Religion vom Polytheismus wegführt, bestätigt, dass die monotheistische Entscheidung Israels sich als eine, wenn nicht die einzige religiös lebensfähige erwiesen hat, in deren Bann heute die gesamte Menschheit steht. In ihm verbleibt selbst die Welt des Atheismus, gleichgültig, ob er sich als Hoffnung auf Überwindung oder als Ergebnis des erledigten Monotheismus versteht.
Die zentrale Frage des Monotheismus ist nicht das Bekenntnis eines einzigen Gottes gegenüber vielen Göttern. Der Monotheismus ist in seiner Wurzel weder eine apologetisch-polemische Bewegung noch eine metaphysisch-ontologische Aussage über Gott, er stellt vielmehr eine Frage der Erkenntnis und Erfahrung Gottes dar. Die monotheistische Grunderfahrung schliesst das Verständnis des Absoluten als einer von der erscheinenden Welt verschiedenen, handelnden Person ein. Die Welt ist als Gegenüber von Gott geschaffen. Gott wird als wesenhaft transzendent erfahren, der trotz und in seiner Transzendenz auf den Menschen zugeht. Das Anliegen des Monotheismus zielt darauf ab, dass man Gott in den verschiedenen Erscheinungsweisen, die nicht identisch sein müssen, und in den unterschiedlichen Situationen des Lebens und der Geschichte als denselben wiedererkennt. Was sich im Bekenntnis des Monotheismus niederschlägt, ist die Überzeugung von einer Identität, die sich in aller Verschiedenheit und Veränderung durchhält. Der Monotheismus ist bestrebt, dass man in den verschiedensten Phasen den einen Herrn, die eine Stimme, den einen Grund wiedererkennt und anerkennt. Er hat seinen Sitz im Leben nicht in der Theorie oder Spekulation, sondern im gelebten Leben, in der Welt der lebendigen Ich-Du-Beziehung. Darum ist der klass. Ausdruck des Monotheismus der Ruf: Er ist es (wieder), und das in einer so intensiven Weise, dass dieser Ausruf zum alttestamentlichen Gottes-Namen wird. Von hier aus stellt sich das dem Monotheismus gemässe religiöse Verhältnis des Menschen als Vertrauen, Treue, Glaube, Gehorsam, Hören, Hoffen oder Harren dar, eine Haltung, die sich nach einem Punkt hin orientiert.

2. Jahweglaube
Wo liegt sein Ursprung? Das klassische Griechisch kennt von dem Wort Gott keinen Kasus des An- und Ausrufs. Gott ist für den Griechen Prädikatsbegriff. Im Gegensatz dazu kennen Juden wie Christen Gott von der Dimension des Namens her. Für sie ist Gott in erster Linie Subjekt und klares Gegenüber. Abgesehen von der historischen Rückfrage nach den Ursprüngen des Glaubens im einzelnen bezeugt das Alte Testament die Identität des einen Gott im Wandel der Namen und Zeiten. Wer und wie dieser Gott ist, erweist sich vor allem in der Geschichte. Hier tritt er uns als „Gott meines/deines Vaters" entgegen. Im Glauben bestimmter Vätergruppen und in den religiösen Traditionen von Heiligtümern und Orten begegnet er uns als Gott El, der den auf ihn Vertrauenden Führung und Heil verheisst. Mit dem Gott der Väter ist Jahwe identisch, der mit der Gestalt des Mose, der Befreiung aus Ägypten, aber auch mit der Gründung des Sinaibundes und der Übergabe des Gesetzes untrennbar verbunden ist. Das Verhältnis, das zwischen Jahwe und Israel besteht, ist ein streng exklusives. Einheit und Einzigkeit Jahwes bilden das grundlegende Glaubensbekenntnis Israels; dem entspricht die ungeteilte Zuwendung des Menschen zu Gott. In Einklang damit stehen das Bilderverbot und seine Auswirkungen. Das Verständnis Gottes als Schöpfer und der Welt als Schöpfung übersteigt den vorgegebenen Glaubensrahmen und lehrt den Welt- und Daseinsraum wie das Leben selber als Gabe Gottes begreifen. Jahwe wird sinngemäss zum Herrn und König aller Völker und aller Welt. Für ihn sind neben seiner eifernden Heiligkeit und Lebendigkeit seine Huld und Gerechtigkeit kennzeichnend. Durch die Botschaft von Gericht und Heil erweisen sich die Propheten als die wahren Anwälte des Jahweglaubens in der Geschichte Israels. In den Erfahrungen der alttestamentlichen Weisheit und der Psalme reift der Jahweglaube zu letzter Verinnerlichung und Vertiefung des „Ich bin Jahwe, dein Gott" (Ex 20,2).

3. Trinitarischer Glaube
Jesu von Nazaret steht einerseits ganz im Rahmen des Jahweglaubens, andererseits sprengt und erweitert er ihn. Die „Sache", um die es Jesus ging, heisst Gottes-Herrschaft. Das Gott- und Herr-Sein Jahwes bildet das Grundmotiv der Botschaft und das Geheimnis der Person Jesu. Durch seine Gleichnisse, Heilungstaten und Lebenspraxis legt er die Konturen der Gottes-Herrschaft frei. In ihm kommt Gott so dicht wie sonst nirgendwo zur Sprache. Das zeigt sich in der Abba-Anrede Jesu und der ihr zugrundeliegenden Gottes-Erfahrung, in Jesu Glaubensforderung und -haltung, in Jesu Gebetspraxis und neuem Ethos. Diese Phänomene enthalten ausser einer streng theozentrische Ausrichtung auf den Abba Jesu und einer unersetzlichen Rollenbindung an ihn zugleich ein charismatisch-atmosphärisches Element, das für Jesu „Geist" charakteristisch ist. Kreuz und Auferstehung besagen die höchste Herausforderung und Bestätigung des Gottes-Verhältnisses und der Gottes-Verkündigung Jesu. Hier wird der Abba Jesu definitiv als „der Gott", Jesus selber als „der Sohn", der Geist, der in ihm wirksam war und nach Ostern sich im Leben der Gemeinde äussert, als „der Hl. Geist" offenbar. Paulus und Johannes verfolgen diese Erfahrungen weiter, reflektieren und formulieren sie in trinitarischen Gebets- und Glaubensformeln. Jesus Christus steht demnach in einem trinitarischen Grundriss, er enthält und entfaltet das Geheimnis Gottes. Das christologische Kerygma führt in die unmittelbare Nähe des Trinitätsgeheimnisses. Was Jesus Christus ist, lebt, wirkt, verkündet und tut, steht in einem trinitarischen Kontext.
 


 

 

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