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Die Frage nach Gott im
Buddhismus stellt sich in doppelter Hinsicht
1. Historisch: Wie stand der Buddha zur Gottes-Frage?
2. Aktuell: Was bietet Anlass, den Buddhismus zu den Religionen zu zählen,
wenn sich die Frage nach Gott in ihm als unerheblich erweist?
1. Historisch
Unbestritten ist, dass der historische Buddha in polytheistischer,
jedenfalls non-theistischer Umwelt aufgewachsen ist und sich in der
Verfolgung seines Weges deutlich von jeder Bevormundung durch das
kultorientierte Brahmanentum abgesetzt hat. Bei allen Unsicherheiten
hinsichtlich der Buddhabiographien gibt es in ihnen aber keinen Hinweis
darauf, dass er die Götter in einer Weise geleugnet hätte, die die in
Neuzeit verbreitete Rede vom Buddhismus als einer „atheistischen Religion“
rechtfertigen würde. Umgekehrt ist sicher, dass der Buddha sich der Frage
Kontingenz in so radikaler Weise gestellt hat, dass der Fragehorizont
religionsphilosophisch „religiös“ zu nennen ist und sich so mit jener Frage
berührt, die in anderen Kontexten „Gottes-Frage" heisst. Sprachlich führt
die an der Buddhagestalt ablesbare existentielle „Lösung" der Frage - die
Erleuchtung - in den Bereich, der in theistischen Religionen von der
theologia negativa besetzt ist, und das so radikal, schon der geringste
Anflug von positiver Sprachgestalt im Verdacht des Verlustes bzw. des
Missverständnisses der Grunderfahrung steht. Die radikal-negative
Sprachgestalt, die sich allen Variationen immer wieder in
Buddhismusgeschichte durchzusetzen sucht, signalisiert zugleich, dass Buddha
niemals mit dem Anspruch aufgetreten ist, (ein) Gott habe sich ihm – auf was
immer für eine Weise - geoffenbart. Die Ansprechbarkeit bzw. Personalität
Gottes wird damit zu einem Problem, das vorrangig in der unpersönlichen
Sprache buddhistischer Meditation seine Lösung sucht.
2. Aktuell
Trotz der im Buddhismus fehlenden Gottes-Gestalt wird dieser in jüngster
Zeit nicht mehr einfach hin unter die Philosophien eingereiht, sondern als
Religion angesprochen. So heisst es in Nostra Aetate 2: „In den
verschiedenen Formen des Buddhismus wird das radikale Ungenügen der
veränderlichen Welt anerkannt und ein Weg gelehrt, auf dem die Menschen mit
frommem und vertrauendem Sinn entweder den Zustand vollkommener Befreiung zu
erreichen oder - sei es durch eigene Bemühung, sei es vermittels höherer
Hilfe - zur höchsten Erleuchtung zu gelangen vermögen." Tatsächlich hat die
im Blick auf den Ausfall der Gottes-Rede gewählte Bezeichnung „Philosophie"
lange Zeit den wahren Charakter des Buddhismus, nämlich eine auf dem Weg der
Einsicht („gnostisch", Gnosis/Gnostizismus) zu verwirklichende Soteriologie
zu sein, verstellt. Wo der Buddhismus aber inzwischen als „Religion"
angesprochen wird, ist zwar die Kompatibilität dieser nontheistischen
Religion mit dem Anspruch der theistischen Religionen, zumal des
Christentums, nicht ohne weiteres gegeben, jedoch zumindest ein neuer Ansatz
für eine gegenseitige dialogische Annäherung gewonnen. Eine solche kann
einmal vom buddhistischen Ansatz einer radikalen Selbstentäusserung und
Leere her auf die Kenose Gottes in der Inkarnation und im Tod Jesus Christi
(Phil 2) hin erfolgen. Sie kann vom Vergleich des Offenbarungsanspruchs des
Christentums und dem Fehlen eines solchen Anspruchs im Buddhismus ausgehen
und die damit gegebenen Implikationen für ein personales Gottes-Verhältnis
bzw. die Negierung eines solchen Verhältnisses tiefer zu verstehen suchen.
Schliesslich ist im Vergleich von Buddhismus und Christentum auch die Frage
nach dem weltschaffenden, -tragenden und -gestaltenden Grund, nach
Kosmologie und Eschatologie zu stellen, aus deren Beantwortung sich der von
allen Weltbewohnern gemeinsam geforderte verantwortliche Umgang mit der Welt
und miteinander ergibt. Einen wichtigen Beitrag zu diesen Fragen haben die
Vertreter der von dem japanischen Philosophen K. Nishida (1870-1945)
initiierten Kyoto-Schule geleistet.
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