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Als semitische Akkader
während des 3. gegen Anfang des 2. Jahrtausends allmählich in den von Sumerern
bewohnten südlichen Teil des Zweistromlandes eindrangen und im Ergebnis eine sumerisch-akkadische Mischkultur akkadischer Sprache entstand, wurde eine
grössere Anzahl sumerischer Gottheiten in die sich bildende neue Kultur
übernommen, teils unter ihrem alten sumerischen Namen, teils unter dem ihrem
Wesen mehr oder minder entsprechenden Namen einer akkadischen Gottheit.
Diese synkretistische Tendenz ist Merkmal der babyl.-assyr. Götterwelt
geblieben. Der sumerische Reichs-Gott Enlil z. B. Herr der irdischen Welt -
wurde eben wie sein kriegerischer Sohn Ninurta unter seinem sumerischen
Namen in das akkadische Pantheon übernommen. Der sumerische Gott des
Süsswasserozeans (Grundwasserhorizonts), Enki, erhielt ohne Änderung seiner
Wesenseigentümlichkeiten akkadisch den Namen Ea. Der Sonnen-Gott, sumerisch
Utu, wurde akkadisch Samas genannt und erfuhr gleichzeitig eine Aufwertung
seines Ranges, da er als Wahrer des Rechtes hoch verehrt wurde. Die Zahl der
akkadischen Götter wird im babylonischen Weltschöpfungsepos Enuma elis
sumarisch mit 600 angegeben. Auf festeren Boden führen Prolog und Epilog des
Codex Hammurapi, worin 23 grosse Götter genannt werden. Man wird ihre Zahl
auf rund 30 aufrunden können, nicht gerechnet die kleineren Gottheiten. Aus
dem sumerischen Gottes-Glauben wurde die Überzeugung entlehnt, dass jeder
Mensch eines persönlichen Schutzgottes bedürfe, an den er sich mit seinen
Anliegen zunächst zu wenden habe. Das staatliche Eigenleben Babyloniens und
Assyriens brachte es mit sich, dass der ehemalige sumerische Reichs-Gott
Enlil in Babylon durch den Stadt- und Reichs-Gott Marduk, in Assyrien durch
den spezifisch assyrischen Gott Assur verdrängt wurde.
Die im Zweistromland in grosser Anzahl sesshaft gewordenen westsemitischen
Amurriter assimilierten sich rasch mit der ansässigen Bevölkerung, so dass
amurritische Gottheiten zu keiner Bedeutung gelangten. Das gleiche lässt
sich in etwa auch von dem nichtsemitischen Volk der Kassiten sagen, das im
16. Jh. durch die von ihm gestellte Dynastie die Macht in Babylon übernahm.
Die babylonisch-assyrischen wie auch die sumerischen Götter wurden als
menschengestaltig angesehen, nur Dämonen als Mischwesen. Die Götter hatten
demgemäss dem Menschen vergleichbare Bedürfnisse und Gefühlsregungen und
sind als Persönlichkeiten verstanden worden, deren Reaktionsweisen denen des
Menschen verwandt und daher bis zu einem gewissen Grad berechenbar waren.
Der Mensch näherte sich der Gottheit mit Gabe und Gebet in einer Form, die
er einer sehr hochgestellten Person gegenüber für angemessen halten konnte.
Diese Einstellung entsprach der Rolle, die den Menschen der Weltordnung
gemäss zugedacht war. Im Weltschöpfungsepos Enuma elis z. B. wurden die
Menschen durch den Gott Ea aus dem Blut eines getöteten Gottes erschaffen
und zum Dienst und zur Versorgung der Götter bestimmt. Die Abhängigkeit, in
welche die Götter durch diese Regelung scheinbar geraten waren, ist zuweilen
in babyl.-assyr. literarischen Texten ausgemalt worden. Diesem dichterischen
Bild gegenüber standen jedoch der Glaube der Menschen des Zweistromlandes an
die überirdische Macht der Gottheit und ihre alle Vorstellungen
übersteigende Einsicht und Weisheit, woraus die Bereitschaft erwuchs, sich
den göttlichen Ordnungen zu beugen.
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