|
Der geschilderte
monistische Systemtyp mit dualistischem Ergebnis wird wegen seiner
Verbreitung als syrisch-ägyptisch bezeichnet. Er wird besonders durch den
Valentianismus vertreten, der auf Valentin (um 150) zurückgeht und sich in
einen östlichen (Theodot, Markus) und einen westlichen Zweig (Ptolemäus, Herakleon)
teilt. Nag-Hammadi-Texte hierzu sind OrPl, Rheg, TracTrip, EvVer und 1
ApcJac.
Weiterhin gestatten die Nag-Hammadi-Texte ein Corpus sethianischer Schriften
zu umreissen (AJ, HA, EvAeg, ApcAd, StelSeth, Zostr, Nor, Mars, Allog, Melch
[nichtgnost.], mit Vorbehalt OrigMund, SJC; hinzu kommen Irenäus, Adv. Haer.
1,29, „Pistis Sophia" und das „unbekannte altgnost. Werk [UaW]), dessen
Spezifika (nicht durchgängig) sind: Seth als Erlöser und die Gnostiker als
Sethianer, Periodisierung der (Heils-)Geschichte mit Hilfe der himmlischen
Erleuchter und Ruheorte Harmozel, Oroiael, Daveithe, Eleleth, triadische
Konstruktion der Systemspitze. Wie die Drei-Prinzipien-Systeme bei Hippolyt,
Ref. 5 (dazu ParSem aus Nag Hammadi), stellt sich der Sethianismus als
Mischtyp dar, dem zwar ein präexistenter Dualismus von Gut und Böse zugrunde
liegt (iran. Typ), wie er in reiner Form nur im Manichäismus vertreten ist,
der aber durch Integration von Elementen des ersten Typs abgemildert ist.
Gnosis - Verbreitung
Als zu einschichtig hat sich das Bemühen erwiesen, nur Christentum und
Gnostizismus aufeinander zu beziehen und entweder den Gnostizismus,
verwurzelt im heidnisch vorchristlichen Synkretismus, als
Überfremdungsfaktor des Christentums von Beginn an zu begreifen oder den
Gnostizismus zur christlichen Sekte im engen Sinn zu erklären. Die gnostisch
antikosmische Daseinshaltung ist nicht ableitbar, spezifische Einzelmotive
und Begriffe existieren ebenso wenig wie ein vorchristlicher
Urmensch-Erlöser-Mythos. Von Bedeutung für den Gnostizismus sind folgende
Traditionen: Selbstspekulation mit Hilfe spiritualisierter
Makrokosmos-Mikrokosmos-Idee (z.B. Philo: der Kosmos ist ein grosser Mensch,
wie der Mensch ein kleiner Kosmos ist, gleichzeitig hängen Wesen des Kosmos
[Logos o. a.], Kosmos, Selbst des Menschen [Nous] und Mensch zusammen oder
sind identisch); frühjüdische Lehre über die Weisheit als Wesen neben Gott
(Schöpfungsmittler), das zugleich bei den Menschen sein will (Prov, SapSal);
platonische Nouslehre (iranisch Vohu mana) und Spekulationen über Einheit
und Zweiheit. Phänomene des NT (z. B. Joh, 4h, paulinische Adamlehre) oder
von ihm bekämpfter Lehren (z. B. 1 Kor) reflektieren kein gnostisches
System, sondern sind Voraussetzungen zur Entwicklung eines solchen. Für
gnostische Systembildung ist mit dem Anstoss zu rechnen, den historische
Prophetengestalten (Jesus, Simon Magus, Marsanes) darstellen (noch im Islam
von Bedeutung), wenn sie Träger von Offenbarung sind, ins
Abstiegs-Aufstiegs-Schema integriert und mit Geistbegriffen identifiziert
werden; dem vergleichbar sind aus jüdischen Vorgaben Adam und Seth als
Systemfiguren. Materialiter kommt im Gnostizismus eine Fülle von
Einzeltraditionen zum Tragen, deren wichtigste das Alte Testament (bes. Gen
1 - 6) ist. Rezipiert bzw. neuaktiviert werden z. B. das an ägyptischen,
vielleicht orphischen Schöpfungserzählungen gewonnene genealogische Denken,
Schicksalsglaube, Mythologeme wie Hesiods Theogonie oder Erzählungen wie das
"Perlenlied"; aus semijüdischen und/oder gräco-ägyptisch synkretistischen
Vorgaben, Dämonologie (Engellehre), Astrologie und Magie/Mantik, aus der
Mysterientradition Attis und Eleusinische Mysterien u. a. m.
|