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Gnosis/Gnostizismus - Inhalt |
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Idealtypisch liegt dem
gnostischen Kunstmythos folgender Aufbau zugrunde: Gott ist unerkennbar.
Sein transzendentes Residieren bedeutet zugleich sein antikosmisches Dasein.
Umgeben wird er von aus ihm emanierten Wesen (Äonen), die mit ihm das
Pleroma bilden. Eine Figur (meist Sophia) am Rand des Pleroma fällt einer
Krise anheim, die daran scheitert, Gott erkennen zu wollen oder seine
Schaffenskraft nachzuahmen. Als Folge entstehen der Weltschöpfer (Demiurg)
und seine Helfer (Archonten) Materie, Kosmos und Protoplast, in den ein
pleromatischer Funke gelangt. Genealogisch mit Adam verbunden, besitzt der
Mensch neben dem psychophysischen Aspekt einen Wesenskern, der nicht dem Tod
verfallen ist. Die „Selbst", nach seiner Funktion ein Organ von Erkennen,
befindet sich infolge anfänglichen göttlichen Katastrophen im Zustand der
„Selbstvergessenheit“. Zwänge wie astrologische Gesetze und Sexualität
erhalten den Weltmächten ihre Herrschaft. Es bedarf eines überweltlichen
Anstosses zur Freisetzung der Erkenntnis der geknechteten Lage des Selbst.
Gnosis meint dabei kein denkerisches oder emotionales Geschehen, sondern den
einmaligen Akt der Selbstgewisswerdung. Von gnostischer Erlösung ist nur
dann zu sprechen, wenn eine Geistkraft Selbst des Pleroma das menschliche
Selbst an sich selbst (in doppeltem Sinn) erinnert (Salvator-salvandus-Konzept).
Christlich ist dies der auf Erden doketisch im Leib oder Scheinleib
wandelnde Erlöser: Jesus oder Christus ist der, der aus dem Pleroma kommt,
unerkannte Sphären durchschreitet, einen Leib bloss äusserlich anlegt, die
Gnosis mitteilt und wiederaufsteigt. Die erlösende Offenbarung besteht in
der Kundgabe des archetypischen Mythos; sie kann Sakramentenvollzug fordern
oder die Mitteilung von Passformeln nach sich ziehen, die selbst nach dem
Tod den Aufstieg sichern. Das Drama findet sein Ende mit der Reintegration
allen Pneumas ins Pleroma; für den Kosmos bedeutet dies Untergang
(Weltenbrand). |
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