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Gnosis/Gnostizismus - Forschung

Historisch sachgemäss ist die Untersuchung des Verhältnisses der vier häufig ineinander übergehenden Typen von Gnostizismus zueinander, nämlich des heidnischen, des semijüdischen, des christlichen und des christianisierten. Sie muss gekoppelt werden mit der Aufarbeitung der Bedingungen, welche die nichtgnostischen Grundformen für die Entstehung des Gnostizismus vorgeben. Dass dies mehr die Forderung nach Einführung der transzendentalen Methode in die Historie als die Aufrichtung von Konfessionsgrenzen bedeutet, zeigt sich z. B. an der Frage, ob Bibelzitate schon die Christlichkeit eines Textes oder das Fehlen von Jesus seine Nichtchristlichkeit garantieren oder Doketismus und präsentische Eschatologie allein christlicher Herkunft sein müssen. Ein konfessionell indifferenter Standpunkt, der nicht dem Fehler verfällt, Gnostizismus als eigene Religion (dies ist erst der Manichäismus) zu begreifen, könnte über sozialpsychologische Kategorien erstellt werden. So lassen sich etwa gnostische Texte als Lesemysterien begreifen, die seelische Trancen erleichtern oder ekstatisch-visionär das Jenseits antizipieren. Konvergenzen zur jüdischen Hekhalotliteratur sind so gut wie unerforscht. Eine Formgeschichte solcher Texte fehlt, Apokalypse, Offenbarungsdialog und Visions-Aufstiegs-Bericht sind nur vorläufige Gattungsmerkmale. Thesen zu den urspr. Verfasser- und Benutzerkreisen gnostischer Schriften wie aramäische Schreiber, politisch entmachtete Intellektuelle oder sozio-religiös desintegrierte Weltverbesserer sind Hypothesen ohne historische Absicherung, die wohl nicht gelingen wird. Umstritten ist die sexuelle Komponente des Gnostizismus: Ist sie nur Polemik der Bestreiter oder dem Inhalt des Mythos konforme Handlungsweise? Askese wie Libertinismus sind nach den Kirchenvätern aus der gnostischen Grundhaltung deduziert worden. Vermutungen über Organisationsformen schwanken zwischen Mysterienverein und Philosophenschule; eine emanzipiertere Stellung der Frau als üblich lässt sich aus den Quellen kaum belegen. In der Kirche waren Gemeindechristen und Gnostiker äusserlich zunächst ununterscheidbar, der Schluss auf andere Gnostizismus-Formen legt sich nahe.
 


 

 

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