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Gnade - jüdisch

Alle Begriffe, in denen sich in der hebräischen Bibel der Sinngehalt von Gnade auslegt, kommen darin überein, dass sie eine personale Zuwendung Gottes zu seinem Volk ausdrücken. Die theologisch bedeutsamste Kategorie zur Beschreibung dieses Verhältnisses heisst „Bund".
Er bezeichnet die Lebens-Kommunikationsgemeinschaft Gottes (Jahwes) mit seinem Volk. Nach den Darstellungen der verschiedenen Bundesschlüsse (Noach-, Abrahams-, Sinai-, Davidsbund) ist dieser Bund nie ein Bündnis zwischen gleichrangigen Partnern; er entspringt vielmehr immer der alleinigen Initiative Gottes, ist freie, souveräne, ungeschuldete Erwählung Gottes und Gewährung der Gemeinschaft mit ihm aus reiner Gnade. So souverän die Stiftung des Bundes durch Gott ist, so charakteristisch ist auch sein Inhalt: die auf den Menschen, das Volk zielende Gnade und Liebe, in der Gott sich selbst mitteilt. Deshalb geht den zwei Hauptphasen der Bundesoffenbarung auch jeweils eine Namensoffenbarung voraus, durch die Gott selbst die Anrufbarkeit und damit die Zulassung zur Gemeinschaft herstellt: Gen 17, 1, wo Gott sich als der „allmächtige Gott" vorstellt, und bes. Ex 3,14 (Offenbarung des JHWH-Namens), wo Gott sich als der „Ich-bin-da", als der verlässliche Gott der gleichbleibenden Bundestreue offenbart. Dass die eigentliche Gabe und Gnade des Bundes Jahwe selbst ist, kommt in der häufig wiederkehrenden Bundesformel zum Ausdruck: „Ich bin euer Gott, und ihr seid mein Volk" (Ex 6, 6 f.; 29, 45 f.; Lev 26,12; Ez 36,28). Gottes Huld (bcesced) und Bundestreue erreichen ihren Höhepunkt im Erbarmen gegenüber der Sünde und Untreue des Volkes. Zwar kann Gott auf seine Gerechtigkeitsforderung nicht verzichten, doch steht sie ganz im Dienst der Wiederherstellung des gestörten Bundesverhältnisses. Diese Treue, die sich auch dem sündigen Volk und dem Sünder nicht verweigert, ist reine Gnade, in der sich die Göttlichkeit Gottes erweist (Hos 11,9). Sie wird, vor allem bei den Propheten, mit einem Begriff (rammim) zum Ausdruck gebracht, der sich vom Wort „Mutterschoss" herleitet und dieses Verhalten Jahwes sehr tiefgründig als umhüllendes, Sicherheit und Leben gewährendes Erbarmen kennzeichnet. Die Gnaden-Theologie Israels und des Judentums wird vollgültig zusammengefasst in Ex 34, 6; „Jahwe - ein Gott: barmherzig und gnädig, langmütig und reich an Huld und Treue".
 


 

 

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