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Glaube(n) - theologiegeschichtlich

Die glaubensgeschichtliche Explikation des biblischen Zeugnisses führt ebenso in das Dunkel der Konflikte wie auf die Höhe der Klärung. Dazu drängte schon die Verschiedenartigkeit der Ansätze. Einerseits gilt der Glaube den Vätern als „Führer nach oben" (Ignatius, Ad Eph 9,1), ja geradezu als „verständige Frömmigkeit" (Origenes, Contra Celsum 7,46). Andererseits betonen sie das Moment der Unterwerfung bis zur Entzweiung von Glaube und Vernunft: „der Glaube sei dir Führer in allem, was Gott betrifft, nicht die Vernunft" (Basilius, In Ps 115,1). Diese Polarisierung überwindet Augustinus durch den auf die Scholastik vorausweisenden Grundsatz: „Willst du zur Einsicht gelangen, so glaube! Die Einsicht ist der Lohn des Glaubens. Suche also nicht Einsicht, um zum Glaube zu gelangen, sondern glaube, damit dir Einsicht werde; denn ohne Glaube keine Einsicht". Dem hatte schon Tertullian durch den tiefsinnigen Gedanken vorgearbeitet, dass der Glaube ans Kreuz geschlagen, dadurch aber auch in die Kreuzesweisheit eingeweiht sei.
Das Mittelalter nimmt die Diskussion in der optimistischen Zuversicht auf, dem durchschaubaren Glaubens-Sinn (intellectus fidei) auf die Spur zu kommen, pendelt sich aber schon bald auf die programmatische Formel von dem nach Selbstverständigung verlangenden Glauben (fides quaerens intellectum) ein. In der Neuzeit zerbricht auch diese Synthese, da sich die autonome Vernunft zunehmend als Gegenpol zu dem auf Autorität und Tradition gegründeten Glauben begreift. Darauf reagiert die Theologie mit der Ausarbeitung einer förmlichen Glaubens-Analyse, während die Aufklärung die Möglichkeit einer Gottesoffenbarung grundsätzlich in Frage stellt. Frucht dieser Auseinandersetzung ist die Glaubens-Definition des I. Vatikanums, das den Glauben zwar als Unterwerfung des Menschengeistes unter die Autorität des Offenbarungsgottes deutet, gleichzeitig aber auch Wege eines relativen Glaubens-Verständnisses (durch Mysterienvergleich und durch gläubige Sinnfindung) aufweist.
Von unverminderter Aktualität ist die Glaubens-Kritik M. Bubers, der den christl. Glauben als formalisiertes Derivat des jüdischen Emuna-Glaubens zu erweisen sucht. Ihm ist nur durch die Rückfrage nach dem Glauben Jesu zu begegnen, den das Schlüsselwort des Hebräerbriefs den „Wegbereiter und Vollender des Glaubens" (12,2) nennt. Die einzig befriedigende Antwort darauf besagt, dass Jesus durch sein Gottesverhältnis die Bahn des Glaubens gebrochen und dadurch die christliche Glaubens-Möglichkeit eröffnet hat. Als Künder der Offenbarungswahrheit ist er (nach Joh 14,6) zugleich der „Weg" zu ihr; an ihm führt kein anderer Weg vorbei. Insofern sind der Anschluss an ihn und die Konzentration auf seine Verkündigung für den Christen-Glauben konstitutiv. Er ist seine Mitte und (nach 1 Kor 3, 11) sein unaustauschbarer Grund. Die Betonung der Inhalte liegt darum nicht nur im Interesse seiner Selbstunterscheidung, sondern ebenso sehr auf seiner Identität.
 


 

 

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