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Glaube(n) - neutestamentlich

Christlich gesehen, gründet der Glaube in der offenbarenden Gottestat in Jesus Christus, also in Gottes Selbstoffenbarung in Jesu Reden und Schweigen, Handeln und Leiden und zumal im abschliessenden Offenbarungsereignis seiner Auferstehung. So spiegelt es sich in der Doppelforderung: „Glaubt an Gott, und glaubt an mich!" (Joh 14,1). Grundlage des Glaubens ist somit die vertrauende Selbstübereignung an Gott (Hebr 11,1.6), seine Erfüllung die Akzeptanz der in der Lebensgeschichte Jesu ergangenen Gottesoffenbarung. Zu diesem Vollbegriff führen im Horizont der neutestamentlichen Gesamtaussage drei Wege: der synoptische, der paulinische und der johanneische.

a) Für die synoptischen Evangelien ist der Gegenbegriff zu Glaube nicht, wie allg. angenommen und auch von ihnen bisweilen nahegelegt wird, der Unglaube, sondern (nach Mk 4,40) die Angst. Deshalb hat die Glaubens-Erweckung durch Jesus, wie im Fall des bangenden Vaters (Mk 5,36), vielfach den Charakter einer Angstüberwindung. So entspricht es seiner rel.-gesch. Grosstat, durch die er den Schatten des Entsetzlichen aus dem Gottesbild tilgte, um darin das Antlitz des bedingungslos liebenden Vaters zum Vorschein zu bringen. Darum führen das Wachstum (Mt 17,20) und die Mehrung des Glaubens (Lk 17,5) über den Anschluss an Jesus und das Vertrauen auf seine rettende Heilsmacht. Umgekehrt stellt er diese unter Beweis, wenn er in den Herzen der Bittsteller den Glauben „sieht" (Mk 2, 5; Mt 8,10) und „stärkt" (Lk 17,5).

b) Für Paulus ist der Glaube ein Gottesgeschenk gleich dem seiner Damaskusstunde, in der ihm (nach Gal 1,15 f.) das Geheimnis des Gottessohnes ins Herz gesprochen wurde (Röm 10,9). Nur ist im Unterschied zu seinem Offenbarungsempfang der Glaube der Christen vermittelt: Er stammt aus dem Hören und dieses aus der Verkündigung des Wortes (Röm 10,17). In seinem Kern ist der Glaube deshalb die Selbstübereignung an den Gottessohn in seiner selbstaufopfernden Liebe (Gal 2,21). Umgekehrt besteht die „Tat" des Glaubens in der Liebe, in der er „wirksam wird" (Gal 5,6). Er schafft Gewissheit, Zuversicht und Hoffnung, und er erreicht seine Vollgestalt in der gemeinsamen Erkenntnis des Gottessohnes und im Heranreifen dieser Gemeinschaft zum „Vollalter Christi" (Eph 4,13).

c) Im johanneischen Sinn ist Glaube primär die Annahme der Wahrheit Christi und das unerschütterliche „Bleiben" in ihr. Weil Wahrheit Leben besagt, ist der Glaubende bereits vom Tod zum Leben hinübergeschritten (Joh 5, 24). Wer glaubt, kommt ans Licht; ihm werden die Augen für ein gottentstammtes Welt- und Heilsverständnis aufgetan. Wichtiger als diese Wirkung ist jedoch der Akt; denn: „Selig, die nicht sehen und doch glauben" (Joh 20,29). Da sich der Glaubende die ihm zum „Brot des Lebens" gewordene Gotteswahrheit einverleibt (Joh 6, 55 ff.), gewinnt er eine alle Anfechtungen überwindende Stärke; wird er doch gehalten von der Hand, der ihn keine Macht zu entreissen vermag (Joh 10,2). So ist der Glaube (nach 1 Joh 5,4) „der Sieg, der die Welt überwindet".

 


 

 

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