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Glaube(n) - alttestamentlich/jüdisch

Biblisch ist die allgemeine Verwendung des Begriffs Glaube zur umfassenden Bezeichnung der Gottesbeziehung (Religion) nicht zu finden. Ein inhaltlich fest zu umreissender biblischer – Altes Testament und Neues Testament umgreifender - Glaubens-Begriff ist auch nicht auszumachen, vielmehr zeigen Altes Testament und Neues Testament diesbezüglich gerade ihr Eigengewicht. Während pistis im Neuen Testament zum theologischen Zentralbegriff mit komplexer Semantik geworden ist, fehlt eine vergleichbare begriffliche Festlegung für das Alte Testament, eine Reihe von Begriffen umschreiben bei unterschiedlicher Nuancierung den Sachverhalt: Vor allem ist hier das Verb 'mn „fest, sicher" zu nennen, das im Hifil-Stamm eine feste zuversichtliche innere Haltung bezeichnet; sodann sind die Verben batah „vertrauen", jare „fürchten", jahal „harren", hakah „hoffen" sowie hasah und einige andere mehr als zum Wortfeld gehörig zu nennen. Paradigmatisch für das atl. Glaubens-Verständnis können Gen 15,6, Jes 7,9 und Hab 2,4, die auch eine überaus grosse Rezeption im jüd. und christl. Bereich aufzuweisen haben, behandelt werden.
Gen 15,6 ist nicht nur Grundstelle für Luthers Lehre von der Rechtfertigung allein aus Glaube, sondern vor allem Ausgangspunkt für den im Judentum, Christentum und Islam wichtigen Hinweis auf Abraham, den „Vater des Glaubens". Bedeutungsinhalt des Glaubens ist hier nicht die Reaktion auf die ergangene Verheissung (V. 5), sondern das sich in der Äusserung der Klage (V. 3 f.) artikulierende in Gott gegründete Vertrauen, das in V. 6 a nochmals als Voraussetzung für V. 6b betont wird, so dass Abraham in dieser Haltung die Nachkommenverheissung als Gerechtigkeit/Gnadentat Jahwes ansehen konnte.
In dem Wortspiel von Jes 7,9 ('mn Hifil -Glauben; 'mn Nifal - bleiben, Bestand haben) wurde häufig die Basisstelle des bei Jesaja erstmals anzutreffenden alttestamentlichen Glaubens-Verständnisses erkannt. Der Vers gehört aber zu einer späteren Bearbeitung des Kapitels, die durch kleinere Zusätze dem Text eine neue und bleibende Aktualität zu geben versucht. Dies gelingt hier vor allem durch Vers 9b, sie an die Nahtstelle des Textes setzt, den zwischen Vers 9 a und Vers 10 stillschweigend vorausgesetzten Unglauben König Ahas' zum Anlass zu nehmen. Späteren Ahas' Fehlverhalten als Paradigma vorzuführen. Für das atl. Glaubens-Verständnis ist die Stelle somit nur mittelbar heranzuziehen, weil es ihr recht unbestimmt um die Forderung nach Glaube bzw. trauen geht, die sie als aktualisierende Interpretation einer Situation des Un-Glaubens versteht. Aus dem Beispiel des Alias die Entscheidungsfrage abgeleitet „Wenn ihr nicht glaubt ..."
Hab 2,4 hat eine besondere Bedeutung durch die Zitation in Röm 1,17 und Gal 3,11 im Kontext der Rechtfertigung des Glaubenden erhalten. Trotz der divergierenden Bedeutung von 'aemunah – Glaube, Treue, Aufrichtigkeit usw. - muss vor allem die Differenz zu Gen 15,6 beachtet werden (s. o.); denn anders als dort es hier um das Leben des Menschen, dem, der an Jahwe festhält, aufgrund seiner Treue zugesprochen wird, da sein Glaube „ein in Gerechtigkeitstaten sich verleiblichender Glaube" (Realisierung des Dekalogs)" ist (A. Deissler, NEB z. St.). Diese Vielfalt atl. Glaubens-Verständnisses hat auch prägend auf das des Judentums gewirkt. Dies ist zumindest auch Grund dafür, dass das Judentum nie allgemein anerkannte und verbindliche Glaubenssätze (Dogmen) hervorgebracht hat. Trotz einiger beachtenswerter Versuche - bis hin zu Moses Maimonides (1135-1204) -, Glaubenssätze zu formulieren, hat sich allein das monotheistische Grundbekenntnis, wie es auch das sogenannte „Höre, Israel" (Dtn 6,4 ff) ist, durchsetzen können, nicht zuletzt deshalb, weil es in der gesch. Erfahrung Israels gründet. Es ist der Glaube an den sich in der Geschichte offenbarenden Gott, der Orthodoxie und Orthopraxie im Judentum bestimmt. imposant hat M. Buber versucht, die Vielfalt des bibl. Glaubens-Verständnisses einer Deutung näherzubringen, indem er zwei Glaubens-Weisen unterscheidet: zum einen Glaube als personales Vertrauensverhältnis (AT, Pharisäismus, Jesus) und zum anderen Glaube als Anerkennen von Sachverhalten (hellen. Judentum, Urchristentum, bes. Paulus).
 


 

 

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