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Glaube(n) - aktuell

Dem seit der Jahrhundert-Mitte durchlaufenen Weg wird nur der Begriff der „glaubensgeschichtlichen Wende" voll gerecht. Sie brachte eine dreifache Profilveränderung mit sich: den Übergang vom Satz- zum Vertrauens-Glauben, vom Wissen zum Erfahrungs-Glauben und vom Gehorsam zum Verstehens-Glauben

a) Der Vorwurf M. Bubers, dass die Betonung der Glaubens-Inhalte einen Schwung des Vertrauensmoments nach sich gezogen habe, lässt sich mit dem Hinweis auf den inzwischen eingetretenen Profilwandel entkräften. Tatsächlich brachte es die Einsicht in die Unerlässlichkeit von Erfahrungen des Urvertrauens für das Kleinkind mit sich, dass auch der Akt der Wiedergeburt durch Glaube und Taufe zunehmend in dieser Perspektive geschichtlich wurde: als Erweckung des religiösen Urvertrauens in dem zur Gotteskindschaft Wiedergeborenen. Doch darauf zielte schon Zuspruch Jesu an Geängstete und Kleinmütige: „Keine Angst, glaube nur" 5,36), „du Kleingläubiger, warum hast gezweifelt?" (Mt 14,31).

b) Die zweite Profiländerung hat mit der Frage der Glaubens-Vermittlung zu tun. Erschien diese mit der Stringenz der Argumente gegeben, die zum „Glaubwürdigkeitsurteil" führten, so gilt heute der unausgesprochene Grundsatz: Gebt mir Erfahrung, und ich glaube! Das hat nicht nur mit dem lange unbefriedigt gebliebenen Bedürfnis nach religiöser Erfahrung zu tun sondern mehr noch mit der Einsicht, dass nicht so sehr Argumente als vielmehr Impulse und Inspirationen zum Glauben verhelfen. Damit ist auch schon das Feld der Glaubens-Erfahrungen abgesteckt. Es ist die „Wolke von Zeugen" (Hebr 12,1), konkret gesprochen: der von gläubigen Modellgestalten ausgehende Eindruck, der zum Glaube bewegt. Die Glaubens-Erfahrung gehört somit zum Bereich der religiösen Insinuationen; doch ist die Grenze zur mystischen Erfahrung fliessend, da nicht selten auch innere Anregungen und Impulse den Glauben anbahnen.
Als schwerste Barriere steht die Autoritätskrise zwischen dem heutigen Menschen und dem traditionellen Glaubens-Konzept. Doch wurde sie durch die Einsicht der philosophischen Hermeneutik durchbrochen, dass Autorität ursprünglich nicht auf Gehorsam, sondern auf Verstehen angelegt ist und somit primär nicht dem Machthaber, sondern demjenigen zukommt, der etwas zu sagen hat. Auf die göttliche Selbstoffenbarung angewandt, führt das zu einem hermeneutischen Glaubens-Begriff, der die Gottesautorität als Erkenntnishilfe und den Glaube als Akzeptanz des Offenbarungswortes deutet. Danach ist Glaube ein „Gott-Verstehen", auch im operationalen (sich verstehen auf etwas) und existentialen (verstehen als Akt der Toleranz) des Ausdrucks.
Gerechtfertigt wird diese dreifache Profiländerung nicht nur durch die Bewältigung drängender Probleme (M. Bubers Christentumskritik, Autoritätskrise), sondern mehr noch durch die Neuentdeckung Jesu, die als die „Achse" der glaubensgeschichtlichen Wende zu gelten hat. Sie drängt auf ein umfassenderes Verständnis, auf ein innigeres Vertrauensverhältnis und zumal auf jene mystische Verinnerlichung, die den Quellgrund aller Glaubens-Erfahrung bildet.
 


 

 

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