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Gilgamesh(epos)

Gilgames (sum. Bilgames, altbabyl. Gis). sagenhafter König der im südlichen Zweistromland gelegenen sumerischen Stadt Uruk, nach der sumerischen Königsliste 5. Herrscher der I. Dynastie der Stadt; in die frühdynastische Zeit, etwa zwischen 2750 und 2600 zu setzen. Eine epische Erzählung in sumerischer Sprache berichtet über eine Auseinandersetzung zwischen Gilgamesh und dem König Akka von Kis, die einen historischen Kern haben dürfte. Auch wurde Gilgamesh der Bau der Stadtmauer von Uruk, die in ihrem Stand und Verlauf heute noch nachweisbar ist, zugeschrieben. Ausser der genannten Erzählung sind bisher vier sumerische Mythendichtungen über Gilgamesh bekannt worden: Gilgamesh und das Land der Lebenden, Gilgamesh und der Himmelsstier, Gilgamesh, Enkidu und die Unterwelt; Der Tod des Gilgamesh. Letztere Erzählung verbindet sich mit der auch dem akkadischen Schrifttum vertrauten Vorstellung über die Funktion des Gilgamesh Richter der Unterwelt. Zwei der oben genannten Dichtungen (Gilgamesh und das der Lebenden, Gilgamesh und der Himmelsstier) wurden in die akkadisch-epische Gilgamesh-Übelieferung aufgenommen. Diese erscheint vorerst in einer altbabylonischen Fassung, der zwei Tafeln erhalten und etwa ins Jahr 1700 zu setzen sind. Ihnen ging noch eine nicht gefundene Tafel voraus, mindestens eine weitere folgte. Ein anderer Textzeuge sind zwei Bruchstücke einer rund 100 Jahre älteren Tafel. Der volle Umfang des altbabylonischen Gilgamesh-Zyklus muss uns aus Mangel an inschriftlichem Material vorerst verborgen bleiben. Die Gestalt des Werkes, die uns als das „Gilgamesh-Epos" im eigentlichen Sinne bekannt ist, stellt das Elf-Tafel-Werk dar, das wahrscheinlich. im 12. Jh. v. Chr. durch den wohl in Uruk lebenden Sin-lege-unnini geschaffen wurde und vornehmlich in Kopien der Bibliothek des Assyrerkönigs Assur-banipal (669-631) in Ninive belegt ist. Der Dichter hat unter freier Verwendung des älteren babylonischen Überlieferungsstoffes, wobei er in die 11. Tafel die Sintflut-Geschichte des Atramhasis-Epos einarbeitete, das erste Grossepos der Weltliteratur geschaffen, das im Alten Orient ohne Beispiel ist. Allerdings ist auch das Elf-Tafel-Epos – eine 12. Tafel, der sumerischen Gilgamesh-Überlieferung entstammend, wurde erst später als keineswegs organische Fortsetzung hinzugefügt – bei weitem nicht vollständig erhalten, so dass sich die Bearbeiter zur Gewinnung einer fortlaufenden Übersetzung genötigt sahen, die Lücken mit Hilfe von Rückgriffen auf den gesamten Überlieferungskomplex behelfsmässig zu schliessen.
Die Dichtung geht über den Inhalt eines Heldenepos weit hinaus und berührt die zeitlosen Menschheitsfragen nach dem Sinn des Lebens und des Todesgeschicks. In der ersten Hälfte des Epos führen die Handlungsfäden zu der durch den Tod des Enkidu, des Genossen Gilgameshs, markierten Krisis. Gilgamesh und Enkidu verletzen, indem sie Huwawa, den dämonischen Wächter des Zederngebirges, erschlagen, göttliche Ordnung und gehen durch die Tötung des Himmelsstiers und die Beleidigungen der Göttin Istar noch weiter auf dem Wege der Hybris. Gilgamesh, der nach dem durch Beschluss der Götter verhängten Tod des Enkidu auf der Suche nach dem ewigen Leben durch die Welt irrt, erhält durch seinen Urahnen Utnapigtim, zu dem er schliesslich gelangt ist, den Rat, sich als Erfüllung seines Lebens den Aufgaben seines Königtums mehr als bisher zu widmen. Am Ende der 11. Tafel verweist Gilgamesh mit denselben Worten, die das Epos einleiteten, in berechtigtem Stolz auf sein grösstes, sein Leben weit überdauerndes Werk, die Mauer von Uruk.
 


 

 

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