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Geist/Heiliger Geist - alttestamentlich und jüdisch |
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Im Alten Testament steht
der Begriff ruah für Hauch, Atem, Luft, Wind, Lebenskraft, aber auch Gemüt,
Willenskraft und Geist. Die Bedeutung von Geist schwingt darüber hinaus in
den Termini leb (Herz) und nefesh (Seele) mit. Ruah ist ein
theo-anthropologischer Begriff, der auf Gott und den Menschen angewendet
wird, der Geistiges und Materielles umfassen kann. Der Geist Gottes und der
Geist des Menschen werden jedoch in der Regel nicht miteinander
identifiziert, sondern unterschieden. Der Geist des Menschen als
geschöpflicher, endlicher Geist verdankt sich ganz dem Wirken des Geistes
Gottes, der in der Schöpfung alles belebt und gegenwärtig ist. Der Geist des
Menschen vermag nur aus der Kommunikation mit bzw. der dynamischen Relation
zu Gott heraus verstanden zu werden. Im Gegensatz zum HI. Geist Gottes ist
der Geist des Menschen mit der Sünde belastet, die der Mensch zu
verantworten hat und die ihn erkennen lässt, dass er auf den Hl. Geist
angewiesen ist (Ps 51), den er erbittet, um aufgrund der Liebe und
Barmherzigkeit Gottes von Sünde und Schuld gereinigt und befreit zu werden.
Der Geist Gottes ist im Alten Testament und in der jüd. Theologie eine
Offenbarungsweise Gottes, in der Gott in der Geschichte wirkt und erfahrbar
wird. Der Geist Gottes steht somit für eine Wirkweise des ewigen Gottes in
der Zeitlichkeit der Welt, in seinem auserwählten Volk, dessen Zukunft Gott
selbst ist. Die Art, wie das Wirken des Geistes Gottes erfahren wird, zeigt,
dass er der dem Menschen gegenüber entzogene, unverfügbare Geist ist, der
bei aller Immanenz in der Schöpfung dennoch der transzendente bleibt. So
ergreift er Richter und Propheten, befähigt sie für eine begrenzte Zeit
dazu, im Auftrag Gottes zu reden und zu handeln (Inspiration), er wirkt im
Königtum, aber auch in der das Königtum kritisierenden Prophetie, um das
Heil des Volkes zu ermöglichen. Die exilisch-nachexilische Prophetie erkennt
die enge Beziehung zwischen dem ebenfalls wirkmächtigen Wort und dem Geist
Gottes, die darin besteht, dass der Geist Gottes das Verstehen des
Gotteswortes und der göttlichen Weisheit trägt. Der Geist Gottes, der in der
Schöpfung das Leben hervorbringt, wird im Eschaton, am Ende der Zeiten, das
Leben neu schaffen, die Toten mit Leib und Seele lebendig machen, aus Tod
und Schuldverfallenheit zu neuem Leben erwecken. Für diese Endzeit wird der
Messias, der mit dem Geist Gottes gesalbte Retter, erwartet, auf dem der
Geist Gottes bleibend ruhen und in dessen Gefolge der Geist Gottes auf alles
Fleisch, auf das ganze Volk Gottes ausgegossen werden wird (Jes; Ez). Die
rabb. Theologie versteht den Geist Gottes als nationales Charisma des Volkes
Israel. Er wird mit dem Wirken der Propheten und des Hohenpriesters in
Zusammenhang gebracht. Man findet aber auch die Lehre, dass der Hl. Geist
als Mittler der Offenbarung speziell im Heiligtum einwohnt (schekhinah) und
daher von einem Aufhören seiner Wirksamkeit nach der Zerstörung des Tempels
gesprochen werden muss, die erst in der Endzeit wiedergeschenkt wird. Ferner
wird jedoch auch gelehrt, dass der Hl. Geist in den Rabbinern weiterwirkt
oder als Lohn für persönliche Heiligkeit verliehen wird. Bei alledem wird
der HI. Geist nur als Offenbarungs-, nie als Seinsweise Gottes aufgefasst. |
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