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Freiheit im Christentum

Freiheit ist einer der vielen Begriffe, mittels deren im Neuen Testament die Wirkung des Heilshandelns Gottes am Menschen durch Jesus Christus ausgedrückt wird. Freisein ist daher wesentlich eine (hauptsächlich von Paulus explizierte) soteriologische Aussage zur Bezeichnung des Zustandes des gegenwärtigen Heilsbesitzes, so dass Freiheit sich auf das geschichtliche, faktisch heillose Gottesverhältnis des Menschen bezieht und folglich eine Freiheit meint, die nur Gott schenken kann. Jesu Verzicht auf seine Selbstbestimmung zugunsten des Vollzugs des göttlichen Willens ist Vorbild dieser Freiheit. Im Gegensatz zum Ideal der Weisen ist christliche Freiheit daher nicht Frucht einer abstrakten und zeitlosen Lehre, sondern sie ergibt sich aus dem historischen Ereignis des sieghaften Todes Jesu und in der Konsequenz aus der persönlichen Verbundenheit mit dem Jesus-Geschehen. Die Taufe bewirkt eine soteriologische Indifferenzierung aller soziologischen Gruppierungen, in ihr bringen die Universalität und die umgestaltende Kraft des eschatologischen Geschehens alle sozialen und nationalen Differenzen zum Verschwinden.

Bei Paulus zeigt sich eine dreifache Konzeption von christlicher Freiheit, die ihren Ursprung in der theologisierenden Rezeption griechischer Vorstellungen durch das Judentum hat:

Freiheit als die von Christus und der Gnade gewirkte, in der Taufe vollzogene und die alttestamentliche Verheissung erfüllende (Lk 1,68-75; Kol 1,13 f.) Befreiung von der Knechtschaft der allumfassenden Sünde (Röm 5,15.20; 6,6), die, trotz des prädestinatianischen Ansatzes in Röm 9-11, als persönliche Schuld und nicht als Verhängnis (Fatalismus) aufzufassen ist. Freiheit und Sünde sind daher nicht als naturhaft-statischer, sondern ethisch gesch. Dualismus zu kennzeichnen. Jedoch kann aus der tiefen Ohnmacht der Menschen, sich aus eigener Kraft aus den Verstrickungen der Sünde zu befreie einzig die allen Menschen gleich angebetene (Röm 2,12-16) Gnade befreien (Röm 7, 14-23).

Freiheit als Überwindung des Todes: Der Tod als unvermeidliche Begleiterscheinung der Sünde (Gen 2,1 Röm 5,12) hat seinen Stachel verloren - (1 Kor 15,56; Hebr 2,14f.). Erst bei der Auferstehung jedoch wird diese Befreiung zur Herrlichkeit der Vollendung finden (1 Kor 15, 26.54 f.), da der Leib noch der Erlösung bedarf (Röm 8,2). Dennoch hat die Endzeit in gewisser Hinsicht bereits begonnen, so dass der Christ bereits „vom Tod zum Leben übergegangen" (1 Joh 3,14; Joh 5,24) ist.

Die Freiheit des unter der Gnade stehenden und mystischerweise mit Christus gestorbenen Gläubigen vom mosaischen Gesetz als einer äusserlich bleibenden Vorschrift, die den Menschen notwendig zur Sünde führt (Röm 7, 1-6). Das Prinzip des Heils ist nicht die Observanz äusserer Gesetze (Gal 3,2.13; 4,3 ff.), sondern fordert eine neue Lebensordnung unter dem „Gesetz jenes Geistes, der das Leben verleiht" (Röm 8, 2). Denn „wo der Geist Herrn ist, ist Freiheit " (2 Kor 3, 17). Diese Berufung zur geistgewirkten Freiheit (Gal 5,1 zieht mutvolles Vertrauen und parrhesia (Freiheit, alles zu sagen) nach sich und darf weder als Leichtfertigkeit noch als libertinistischer Freibrief verstanden werden. Denn die durch den Geistbesitz erreichte Bindung ist die neue Knechtschaft, also gleichsam nicht Ideal, sondern Kehrseite des neuen Dienstes der Liebe aneinander und damit Verzicht auf Selbstbestimmung. Im Zuge der Ausbildung des kirchlich Lehramtes wurden vor allem das Problem der geschaffenen Freiheit, die Frage nach dem Verhältnis von göttlicher und menschlicher Freiheit, Gnade und Freiheit, Prädestination und Freiheit und die Freiheit als Voraussetzung der Verantwortung vor Gott erörtert und in vielfältigen Differenzierungen ausgearbeitet.
 


 

 

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