|
Die Lehre vom Fegfeuer (lat.
Purgatorium) als einem Reinigungsort bzw. -prozess der Toten auf dem Weg zu
ihrer endgültigen Vollendung hat eine Reihe religions-geschichtlicher
Anknüpfungspunkte, wobei Hinweise bei Plato und den Orphikern sowie bei
Vergil (Aen. VI 735 ff.), vor allem aber gnostische Anschauungen die
konkrete Ausgestaltung der Fegfeuer-Lehre nachdrücklich geprägt haben.
Biblisch wurden im Christentum wirksam
a) der spätjüdische Glaube an die Sinnhaftigkeit und Wirksamkeit des
Fürbittgebets für die Verstorbenen,
b) der jüdische Glaube an den Scheol, der freilich zunächst nicht als Ort
der Strafe, sondern als Aufenthaltsort der Toten gedacht wurde, in den Jesus
aber in seinem Tod „hinabstieg", um die „im Kerker" Lebenden zu erlösen,
c) die in 1 Kor 3,10 ff. angesprochene Rettung „so wie durch Feuer hindurch"
(V. 15; die nachträgliche Deutung des Textes im Sinn des Fegfeuer ist jedoch
heute umstritten). Für die konkrete Bildhaftigkeit des Fegfeuer-Glaubens
waren seit der Väterzeit vor allem die Spekulationen über den
Zwischenzustand, in dem sich die Toten („arme Seelen") zwischen ihrem
individuellen Tod und der allg. Auferstehung am Ende der Welt befinden,
bedeutsam. Dieser wurde dann seinerseits einmal mit Ortsvorstellungen,
sodann im Hinblick auf das ethische Verhalten des einzelnen, sofern dieses
nicht ein abschliessend von Gott trennendes war, mit dem Charakter der
Reinigung und Läuterung verbunden.
Das Konzil von Trient hat hinsichtlich des Fegfeuers bestätigend definiert,
a) dass es „Sündenstrafen" (lat. reatus poenae temporalis) gibt, die nicht
mit der Vergebung der Schuld einfach hingetilgt sind,
b) dass sinnvoll und wirksam für die Seelen im Fegfeuer gebetet wird.
Gleichzeitig erging die Mahnung, Unsicheres und Falsches sowie solches, was
„nur einer Art Neugierde dient oder dem Aberglauben oder nach schmählichem
Gewinn aussieht“.(DS 983), in der Verkündung zu vermeiden. Das dt. Wort für
Fegfeuer ist rel.-pädagogisch nicht sehr glücklich und sollte langsam
verdrängt werden“ (K. Rahner). Die Frage nach dem Fegfeuer findet aber heute
nicht selten dort neues Interesse, wo der Versuch gemacht wird, die
Reinkarnation weniger als zu überwindendes Geschick zu verstehen, sondern
sie im Zusammenhang mit der Idee des Fegfeuers als Weg des Aufstiegs und der
Läuterung auch christlich zugänglich zu machen.
|