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Ewigkeit

1. Ewigkeit ist ein zentraler Begriff der religiös, metaphysisch oder heilsgeschichtlich vorgestellten Seinsweise der transzendenten Mächte, des als Allnatur angesehenen Kosmos, der Götter oder des einen Gottes im Gegenüber zur Seinsweise des endlichen, sterblichen, der Zeit unterworfenen Menschen. Den Menschen betrifft Ewigkeit, insofern er in seiner geistig-willentlichen Daseinsdynamik auf Gott hin angelegt ist, bei dem er seine Vollendung findet in einer Teilnahme an Gottes Leben.

2. Im griechischen Mythos bezeichnet aion zunächst das Leben selbst. Seine Unverfügbarkeit erscheint in der Dichtung als bestimmende Macht über dem irdischen Dasein im fördernden oder im belastenden Sinne. Plato fasst die Zeit als bewegliches Abbild des ewigen unvergänglichen Kosmos. Das zyklische Zeitgefühl lenkt die Sehnsucht auf ein Entkommen aus der Vergänglichkeit. Aristoteles bestimmt teleologisch Ewigkeit als Ziel der Zeit und als sie übergreifende Gegenwart. Charakterisiert man die Zeit als die Zusammensetzung ihrer Momente in der Sukzession der Bewegung an der Materie, dann kommt der Ewigkeit die Unvergänglichkeit zu, weil sie reine sukzessionslose, immaterielle Einheit ist.
Das Andersartige des biblischen Verständnisses besteht nicht in einer anderen Denkform, sondern leitet sich aus der alle Sicht der Welt und des Menschen zentrierenden realgeschichtlichen Gotteserfahrung her. Sie hebt sich von der metaphysischen Spekulation der hellenischen Philosophie deutlich ab. Dennoch lassen sich hier metaphysische und anthropologische Strukturen aufhellen, die Verbindungslinien zu menschheitlichen Erkenntnissen in den grossen Religionen und Philosophien sichtbar machen.

3.) Der gebräuchlichste Begriff im Alten Testament 'olam drückt je nach Zusammenhang Verschiedenes aus, etwa eine endlose Dauer. Der Mensch hat trotz seiner Gottebenbildlichkeit kein ewiges Leben wie Gott (Gen 3,22; 6,3). Sein Sterben ist natürlich, aber wegen der Sünde zugleich auch Ausdruck der zerstörerischen Entfremdung von Gott als dem Lebensursprung und somit auch Strafe (Gen 3,3). Die nachexilisch sich entfaltende Unsterblichkeitshoffnung (Weish 3,1-12; 5,15) und der Auferstehungsglaube (Dan 12,2f.; 2 Makk 7,9) sowie die Hoffnung auf die universale eschatologische Königsherrschaft Jahwes mit der Erneuerung des Davidkönigtums und die Hoffnung auf einen neuen Himmel und eine neue Erde (Jes 65,17) bilden glaubensgeschichtliche Ausfaltungen und Adaptationen der ursprünglichen Gotteserfahrung. Der Glaube an Gottes Ewigkeit bringt so den Glauben an die Einzigartigkeit und Zuverlässigkeit zum Ausdruck. In diesem Sinn kann von einer Eigenschaft Gottes gesprochen werden (Jes 40,28). Die Erkenntnis, dass der ewige Gott in seinen Heilstaten unverrückbares, ewiges Heil stiftet, bricht im Neuen Testament endgültig durch, insofern in einer christologischen Konzentration der Idee der Ewigkeit Christus selbst in seinem Blut den neuen und ewigen Bund stiftet. Das Heil ist ewig, weil Gott in seinem Sohn selbst ewig ist und ein für allemal die Versöhnung gewirkt hat und Sünde und Tod für immer in ihrer von Gottes Ewigkeit trennenden Macht überwunden hat. Ewiges Leben meint darum mehr als ein Entkommen aus dem endlosen Zyklus von Geburt und Tod, sondern personale Erfüllung und Zusammenfassung der Lebensgeschichte auf Gott selbst hin, sei es in der Verborgenheit des irdisch-natürlichen Daseins oder in der Offenbarkeit der endgültigen Rettung nach dem Tod und am Jüngsten Tag.

4. Die theologische Durchdringung der spezifisch christlichen Ideen von Ewigkeit und Zeit, Geschichte und Transzendenz führte nach bedeutenden Ansätzen u. a. bei Augustinus zur klassisch gewordenen Definition von Ewigkeit durch Boethius: „indeterminabilis vitae tota simul atque perfecta possessio". Im Sinn einer Wesenseigenschaft Gottes spricht die Kirche Ewigkeit allein Gott zu. Ein Prädikat ist sie nicht so, dass wir die empirische Vorstellung einer endlosen Dauer auf Gott übertragen als weltliches Analogat ; somit würde ja Gott durch die Welt bestimmt. Insofern Gottes Sein sein Wesen ist, ist sein Wesen auch seine Ewigkeit. Und wie er uns in seinem Wesen im strikten Sinn Geheimnis ist, so ist er es auch in seiner Ewigkeit. Wenn Gott sich aber in Schöpfung und in der Menschwerdung seines Sohnes im Hl. Geist zum Ziel des Menschen gemacht hat, vermag er auch die zerstreuende und zerfallende Seinsweise des Menschen in der Zeit zu sammeln und darin die Lebens- und Weltgeschichte auf sich hin zu einigen und zur personalen Hingabe zu befähigen in einer Teilnahme der erfüllten Zeit an seiner Ewigkeit, ohne dass der Mensch seiner Natur nach ewig werden könnte. Seine erfüllte Zeit ist allenfalls Ewigkeit durch eine gewisse Ähnlichkeit.

5. Die Ewigkeit der Hölle bedeutet demnach nicht das Endlose in der physikalischen Zeit, sondern die entsetzliche Leere und Fruchtlosigkeit der personalen Existenz, die in ihrer Transzendenz auf Gott nicht in ihrem Ziel, nämlich der Liebe, anzukommen vermag, weil sie sich definitiv in einem Akt der Freiheit verweigert hat.
 


 

 

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