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(Grundbegriffe und
theoretische Ansätze)
Ethnologie oder Völkerkunde, früher als Studium der „primitiven",
„traditionellen" oder „schriftlosen" Kulturen bekannt, von manchen auch als
„Erforschung fremder Lebensformen" gesehen wird heute, besonders in der
franko- und anglophonen Welt, mehr und mehr unter dem Namen „Anthropologie"
im Sinn einer umfassenden (Sozial- und) Kulturwissenschaft betrachtet. W.
Schmied-Kowarzik umschreibt ihre Zielsetzung entsprechend allg. als
„wissenschaftliche Interpretation der Entfaltung und Gestaltung des
Kulturellen am Menschen und durch den Menschen". In kaum einer andern
Humanwissenschaft sind so unterschiedliche, aber sich auch wieder ergänzende
theoretische und methodologische Konzepte erarbeitet worden. Man ist heute
überzeugt, dass schon in der Datensammlung, in von Ethnologen besonders
praktizierten semidirektiven, auf die Gesamtkultur ausgerichteten
Beobachtungen und Befrage „im Feld", noch mehr aber in der analytischen
Induktion und Deduktion, Empirie und Theorie sich gegenseitig herausfordern,
steuern und befruchten. Allen theoretischen Ansätzen ist heute das Anliegen
einer authentischeren, strenger wissenschaftlichen Datenerhebung unter
Betonung der Selbstdarstellung und Eigenklassifizierungen der untersuchten
Gruppen („emic"-Situation) und des ökologischen und sozialen Kontextes
gemeinsam. Für alle stellt sich zudem nicht nur die kognitive Problematik im
allgemeinen und damit auch die Frage der „Übersetzung" in eine allgemein
verständliche Wissenschaftssprache, sondern auch jene des sinnvollen
Umganges mit den Daten und ihrer Integration in das Patrimonium der
Erkenntnisse und deren Dienstbarkeit für den Menschen.
Unter den verschiedenen „Schulen" mit ihren je eigenen theoretischen
Zielsetzungen und analytischen Modellen sind folgende bes. hervorgetreten:
1. Die kulturhistorische Ethnologie, Anfang dieses Jh. durch F. Graebner und
W. Schmidt begründet, mit dem Ziel, durch systematischen Kulturvergleich
mittels bestimmter Kriterien (Form- und Quantitätskriterium) auch bei
Völkern ohne Schriftzeugnisse genetisch-historische Beziehungen zu erfassen:
Mit entsprechender wissenschaftlicher Sorgfalt und in interdisziplinärer
Zusammenarbeit betrieben, hat sie als historische Beziehungsforschung auch
heute noch Bedeutung. Man steht aber ihren frühen weltweiten Ursprungs- und
Kulturkreistheorien zu Recht kritisch gegenüber.
2. Die strukturfunktionalistische Richtung der von B. Malinowski und A. R.
Radcliffe-Brown begründeten, von M. Fortes, R. Firth, E. E. Evans-Pritchard
modifizierten britischen Sozialanthropologie: In betont funktionaler
Arbeitsweise sucht sie auf induktivem Weg die sozialen Beziehungen und
Normen innerhalb konkreter Sozialstrukturen zu systematisieren und durch
Vergleich soziale Gesetzlichkeiten abzuleiten. Ihr wissenschaftlicher
Beitrag ist als solcher honoriert, aber ob des einseitig-synchronen
Konzeptes auch kritisiert worden.
3. Die amerikanische Kulturanthropologie (F. Boas, R. Benedict, R. Linton,
A. Kardiner u.a.) suchte das Verhältnis Person - Kultur und daraus sich
ergebende Theorien über die kulturelle Prägung des Menschen zu formulieren.
4. Die strukturale Anthropologie von C. Levi-Strauss mit dem Ziel der
Erfassung der tieferen logischen Strukturen im menschlich-kulturellen
Kontext arbeitet ihrerseits mittels formaler Analysen.
5. Neuere Akzente: neoevolutionistische und kulturökologische Ansätze -
prozessuale Richtungen - semantische und semiotische Kulturanalyse usw.
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