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Essener

Die Essener, nach Josephus (Bell II 8,4) die „3. Philosophenschule der Juden", sind eine der religiösen Gruppen im Frühjudentum, die - wie Pharisäer und Sadduzäer - aus der antihellenischen Chasidim-Bewegung der Makkabäerzeit hervorgegangen ist (1 Makk 2,42) und sich spätestens unter Jonatan wegen seiner Ämterkumulation verselbständigt hat. Ihr Name Essaioi oder Essenoi geht wahrscheinlich zurück auf aramäisch hasen/hassajja’ „die Heiligen, Frommen", obgleich die Wurzel nur im Ostaramäischen belegt ist. Daraus hat man für die Essener eine mögliche Herkunft aus dem babylonischen Judentum hergeleitet. Daneben hat man aufgrund phonetischer Nähe zu 'asen „die Heilenden" eine Verbindung zu den „Therapeuten", ägyptische Einsiedler, vermutet. Nach Philo waren die Essener Bauern und Handwerker, die sich durch besondere Tugendhaftigkeit auszeichneten. Plinius d. À. bezeugt ihren Hauptsitz in Qumran, in der Nähe von En-Gedi am Westufer des Toten Meeres, und eröffnet damit die Möglichkeit, die seit 1947 dort gefundenen Schriftrollen als Selbstzeugnisse der Essener auszuwerten. Die essenische Bewegung war - wie die der Sadduzäer - priesterlich-zadoqidisch geprägt und schloss sich anfänglich der makkabäischen Bewegung an, sonderte sich jedoch bald wegen deren rein politischer Zielrichtung ab und ging z. T. ins selbstgewählte Exil: Leontopolis, Qumran, „Damaskus", während der überwiegende Teil in den Städten und Dörfern des Landes verblieb und das essenische Ideal dort zu verwirklichen suchte. Die ideologische Ausrichtung wurde entscheidend präzisiert durch den „Lehrer der Gerechtigkeit", wahrscheinlich ein priesterlicher Gegenspieler der Hasmonäer aus der Zeit des sog. „Intersacerdotium" (159-152 v. Chr.), der die Qumrangruppe leitete. Im übrigen spielten die Essener wegen ihrer unpolitischen Haltung keine auffällige Rolle und konnten überall im Land, selbst in Jerusalem (1 QM 3,11), ihre Gemeinden bilden. Mit Johannes Hyrkan (134-104, der „Zorneslöwe") kam es zu heftigen Auseinandersetzungen wegen seiner Tempel- und Grabplünderungen. Von Herodes I. wurden sie offensichtlich geschätzt. Z.Z. der röm. Besatzung wurde die essenische Bewegung z.T. von Zeloten unterwandert und radikalisiert (Bell II 152f.). Im Jüd. Krieg wurde Qumran wie auch Masada (zur Besatzung dieser Bergfeste gehörten auch Essener) erobert und zerstört. Danach wurden die überlebenden Essener entweder vom orthodoxen Judentum aufgesogen, oder sie schlossen sich diversen gnostischen Sekten an. Ein gewisses Aufleben essenischer Ideen (Autorität der Schrift, Askese, Messianismus u. a.) ist noch im Karäertum des frühen MA zu beobachten.
Für die Essener bildete die Tora die Grundlage, doch erachteten sie darüber hinaus auch die Propheten und die Schriften für verbindlich. Die Qumranrollen bezeugen daneben die Wertschätzung apokrypher apokalyptischer Schriften. Hier scheint es sogar zur Ausformulierung einer Alternativ-Tora (Tempelrolle) gekommen zu sein, weil die Tora des Mose als lückenhaft und nicht streng genug empfunden wurde. Für die Ordnung des Gemeindelebens schufen sie eigene gesetzliche Grundlagen, die der Tora gleichwertig erachtet wurden.
Die essenische Theologie war fundamental geprägt durch die Offenbarung des Alten Testaments, die nahezu voll akzeptiert wurde; fühlte sich der traditionellen Weisheit und Kulttheologie verpflichtet, griff den Dualismus parsisch-gnostischer Herkunft auf, zentrierte sich jedoch auf eine ausgeprägte apokalyptische Naherwartung. Sie erwarteten (nach Josephus) die Auferstehung (in Qumran bisher nicht sicher nachgewiesen), die Unsterblichkeit der Seele und die Vergeltung nach dem Tod. Da sie sich als die eigentlichen Sadoqiden verstanden, widmeten sie grösste Aufmerksamkeit ständiger ritueller Reinheit. Um dies zu erreichen, forderten und praktizierten sie eine räumliche, wirtschaftliche und geistige Absonderung, in deren Konsequenz sie die Pharisäer übertrafen. Sie entzogen sich dem offiziellen Tempelkult, betrachteten das Leben in ihrer Gemeinde als ständigen Tempeldienst (weisse Gewänder) und gelangten entsprechend zu einer völligen Umdeutung des Kultes (z. B. Spiritualisierung des Opferkultes) mit eigenem Kalender; zugleich verstanden sie sich als eschatologisches Heerlager im Heiligen Krieg, das seit alters rituelle Reinheit erfordert. Entsprechend übten sie (zumindest in Qumran) Zölibat und sexuelle Enthaltsamkeit und prägten das tägliche Leben durch intensive Reinigungs- und Waschungsriten mit strengsten sanitären Massnahmen. Ihre Tora-Observanz war kompromisslos und wurde durch eine umfangreiche Zusatzhalakha erheblich verschärft. Prägend für die Essener war als nächstes das Erwählungsbewusstsein. Sie verstanden sich als der Rest Israels, als die Gemeinde der vollkommenen Heiligkeit in Gemeinschaft mit den Engeln, zur Sühne für Israel berufen. Entsprechend ihrer chasidischen Herkunft war die „Umkehr" (als Eintritt in die Gemeinde, Bekenntnis zur Tora und als ethisch-religiöser Habitus) prägend für ihre ganze Lebensführung, was häufig zur Hypothese einer Identifizierung Johannes' des Täufers als Qumran-Essener führte. Erst nach langer Probezeit konnte man Aufnahme bei ihnen finden, deren Lebensweise als vita communis mit Verzicht auf Privatbesitz und einer straffen hierarchischen Rangordnung bei den zeitgenössischen Schriftstellern Aufsehen erregte. Im Neuen Testament werden die Essener namentlich nicht erwähnt; Anspielungen könnten vorliegen in Mt 19,12; Lk 16,8.
 


 

 

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