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Erfahrung lässt sich hier
- unter Absehen etwa vom neuzeitlich-wissenschaftlichen Verständnis - als „unmittelbar
hinnehmender Realbezug" bestimmen; religiös dann: als erlebter „Kontakt" mit
Göttlichem, dem Heiligen. Die räumliche Metapher meint indes einen
Bewusstseinsvollzug. Als solcher geschieht Erfahrung
a)
stets deutend (man erfährt etwas immer als dies oder jenes): als
Glaubens-Erfahrung - Glaube hier (bewusst formal) als Gesamtdeutung
vorliegender Fakten verstanden, in welche unumgänglich eigene Entscheidung
eingeht (keine Interpretation kann aus den Fakten sich als einzig mögliche
beweisen).
Sie ist
b)
„Symbol-Vollzug" (im „als" geht die Differenz von Erscheinung und
Erscheinendem auf, z. B. im Körper als Leib, im Hautkontakt als Zuwendung).
Sie ist
c)
als geistiges Geschehen Wahrheits- und Wesenserkenntnis. (In einer Begegnung
erfährt man, was Mensch, Zukehr, Verrat ... überhaupt sind.)
Sie ist schliesslich
d) sprach- und damit traditionsbestimmt (bezogen auf vorangegangene
Erfahrungen, die - schon im Niederschlag der Sprache - ihren Horizont, den
Kontext ihrer „Lesart" bilden).
- Am Beispiel der Mose-Vision: der „brennende Dornbusch" wird als solcher
erfahren, als Erscheinung (Zeichen), als Sakralereignis als Begegnung mit
dem Gott der Väter. Gehört also zur Erfahrung die Unmittelbarkeit (von etwas
zu erfahren genügt nicht für einen lebensbestimmenden Grundbezug), so gehört
ebenso zu ihr Vermittlung. Droht jene in Buch- und „Kirchen"-Religionen zu
kurz zu kommen (bis zu theol. „Verkopfung"), so diese in Programm
„natürlicher" wie chemischer oder gruppendynamischer Religiosität. Kommt
einerseits der Glaube nie bloss „vom Höheren" (dem muss das innere
Einleuchten korrespondieren, durch die „Augen des Herzens"), so gibt es
andererseits kein unbelehrtes „Sehen dessen, was sie zeigt".
- Diese Vermittlung ist zuerst jene von Reflexion und Selbstverständigung im
Glauben: erst hinterher wissen die Emmaus-Jünger ihre Herzen brennen. (Dem
Heiligen begegnet man nur so, dass man ihm je begegnet ist; K. Hemmerle).
Die „Ekstase" als nur erste Phase konstituiert erst mit der folgenden
Einkehr Gesamtphänomen religiöser Erfahrung. Zudem gibt es Abstufungen bis
zu minimalen „Spuren" (E. Bloch). Und volle nur reflektiert ist zwischen
Nicht- und Abwesenheits-Erfahrung des Göttlichen zu unterscheiden. - Die
Vermittlung spielt dann zwischen persönlicher Erfahrung und Tradition.
Ähnlich wie es zweier Augen Raumwahrnehmung bedarf, verlangt
Wirklichkeitszugang ein stereoskopisches Zusammenwirken von Erfahrungen.
(Noch für das Selbstverhältnis ist man auf Urteil anderer verwiesen, erst
recht Weltbezug und im Verhältnis zum Welt-Urgrund.)
Da Erfahrung nicht rein passiv geschieht, sondern vielfach aktiv, besser
medial: als ergriffenes Ergreifen und ergreifendes Sich-ergreifen-Lassen,
kann sie auch nicht zwingend bewiesen und neutral verallgemeinert werden.
Der Ruf nach purer Objektivität geht fehl, wo das Subjekt derart dazugehört.
Dies als nur „subjektiv" abzuwerten verriete ein seinerseits unausgewiesenes
objektivistisches Vorteil. Die urspr. Reflektiertheit (im „als") der
Erfahrung erlaubt andererseits und fordert weitere Stufen der Reflexion:
symbolisch, mythisch, „dogmatisch"; sie ermöglicht damit auch Kommunikation
- und zwar über die Grenzen konkreter Erfahrungs-Traditionen hinweg (Dialog
der Religionen).
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