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Erde

Die Erde gehört religions-wissenschaftlich zu den - in der bekanntesten Aufzählung 4 - tragenden Elementen: Feuer, Wasser, Luft (Geist), Erde. Als das alles Lebendige gebärende Element trägt die Erde mütterliche Züge und wird die „Mutter Erde" in den verschiedensten Religionen als Muttergottheit verehrt (eine Ausnahme: in Ägypten ist in dem Götterpaar Geb (Erde) und Nut (Himmel) die Erdgottheit männlich). Als das schlechthin Vorhandene, die Natur, der „Muttergrund" (Materie), als das Chaotisch-Verschlingende und das Kosmisch-Bewahrende und Rettende bildet die Erde für den Menschen immer neu den Ansatzpunkt, sich der Erde sowohl in Furcht und Verehrung wie auch in Frage und Zugriff zuzuwenden. In der griechischen Mythologie ist es Gaia, die Erde, die in Parthenogenese Ouranos, den Himmel, gebiert, aus denen dann in heiliger Hochzeit die Götter, die Zyklopen und die Urungeheuer hervorgehen. In vielen Kosmogonien, etwa auch dem biblischen Schöpfungsbericht ist auch der Mensch von der Erde genommen, zu der er dann im Tode zurückkehrt. Immer wieder taucht die Erde als Quellgrund des Lebens in den kosmogonischen Mythen auf, wobei die Erde im Werdeprozess in 5 Varianten eine Rolle spielt:

a) In Androgynie, männlich-weiblich, doppelgeschlechtlich oder auch geschlechtslos, repräsentiert die Erde im Ursprung die Fülle des Seins, die „Urtotalität" (M. Eliade).

b) In Parthenogenese gebiert die Erde als Allgebärerin alles Lebendige.

c) Im Hieros gamos entsteht die Erde zusammen mit dem Himmel bzw. bringt sie mit ihm alles übrige hervor.

d) Wo die Erde selbst als Opfer der Zerstörung durch Naturgewalten (Erdbeben, Unwetter, Überflutungen, Dürre u. a.) erlebt wurde, so dass sie ihren wohltuenden Einfluss, z. B. in der Ernte der Früchte, nicht mehr ausüben konnte, wurden ihr selbst Opfer dargebracht.

e) Schliesslich wird vor allem in den Mythen der Traditionellen Religionen die Bedeutung der Erde beim Hervorgang des Menschen betont.

Geschichtlich tritt die Verehrung der Mutter Erde vor allem in den Ackerbaukulturen in Erscheinung. Das Werden des menschlichen Kindes wurde entsprechend mit dem Geheimnis des Werdens in der Natur zusammengesehen. An der menschlichen Mutter ereignet sich im Kleinen, was sich geheimnisvoll im Schosse der Mutter Erde im Grossen vollzieht (Mikrokosmos - Makrokosmos). Leben und Tod behalten aber dann ihren engen Bezug zur Erde. Einerseits ereignet sich das Geborenwerden in der Loslösung vom Mutterschoss. Andererseits erscheint der Tod, wo der tote Leib erneut in den Schoss der Erde gebettet und damit gleichsam in der Erde geborgen wird, als die Heimkehr „nach Hause". „Der so häufig geäusserte Wunsch, in heimatlicher Erde begraben zu werden, stellt lediglich eine säkularisierte Form des mystischen Gefühls der Autochthonie dar, des Bedürfnisses, ,nach Hause zurückzukehren" - ein Verlangen, das auch seinen deutlichen Ausdruck findet, wo Menschen, fest auf der Erde sitzend, meditativ den Zugang zum Ursprung wiederzugewinnen bzw. diesen wiederzuerkennen suchen. Aus der Sicht des Christentums darf freilich nicht übersehen werden, dass die Erde im bibl. Schöpfungsbericht eindeutig entdivinisiert worden ist und zusammen mit dem Himmel dem Schöpfergott als Geschöpf gegenübersteht, so dass jüd.-christl. der Zugang zum Ursprung erst dort gegeben ist, wo die Immanenz des Geschöpflichen sich der Transzendenz Gottes öffnet.
 


 

 

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