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Emanation

Zahlreiche Mythen, wie z. B. die japanische von Izanagi und Izanami (Himmel und Erde), beschreiben die Schöpfung als eine Zeugung durch Gottheiten. In der Lehre der Emanation (griech. aporrhoia; lat. emanatio; dt. Ausfluss) lebt die Idee der Weltzeugung, wenn auch in vergeistigter Form, bis auf den heutigen Tag fort.
Für die Gnosis, deren Grundvoraussetzung die Ferne und Unerkennbarkeit Gottes ist, ist Emanation das geeignete Denkmittel, um zur Erkenntnis dieses ausser- und unweltlichen Gottes zu gelangen. Dennoch ist Emanation kein ursprünglich gnostischer Begriff, vielmehr finden sich bewusst und unbewusst Emanations-Vorstellungen bereits zu allen Zeiten im griechischen Denken, wobei sie hier insbesondere dem Phänomen der Wahrnehmung zugeordnet sind (z. B. bei Empedokles, Demokrit). Der im griechischen Denken noch unscharfe Terminus wird dann jedoch erst in der Gnosis fest umrissen und erlangt zentrale Bedeutung; denn geht man von einer Emanation Gottes aus, dann ist die scheinbar unüberwindbare Kluft zwischen Gott und Welt überwunden. In den einzelnen gnostischen Systemen erfährt die Emanations-Lehre aber verschiedene Ausprägungen. So leitet die syrisch-ägyptische Gnosis, die im Grunde monistisch ist, alles Sein einschliesslich der Materie aus einer einzigen Quelle ab und erklärt das Böse aus der im Abstieg der Emanation allmählich eintretenden Verfinsterung des Guten. Nach der dualistisch geprägten iranischen Gnosis in der Gestalt des Manichäismus steht dem uranfänglichen Licht eine ebenso uranfängliche Finsternis selbständig gegenüber.
Eine eingeschränkte Emanations-Vorstellung findet sich bei Plotin (200-275 n.Chr.) wie im Neuplatonismus überhaupt; in der neuplatonischen Metaphysik geht aus dem Unreinen der Nous hervor, aus diesem die Psyche (Weltseele) und aus ihr schliesslich die Hyle (Materie). Der Hervorgang ist aber kein blindautomatischer, sondern gewollt. Das Hervorgegangene ist auch nicht einfach hin mit dem Ursprung identisch, sondern hat Anteil an ihm und ist ihm ähnlich.
Die christliche Schöpfungslehre mit der Idee der „creatio ex nihilo" (Schöpfung aus dem Nichts), die ein zweites selbständiges Prinzip neben Gott ausschliesst, verband sich bereits früh mit der plotinischen Lehre, da in Grund und Wesen das Plotinische „emanare" nichts anderes besagt als das christliche „creare ex nihilo". Entscheidend auch für die Adaptation der plotinischen Emanations-Lehre in die christl. Schöpfungslehre sind die darin keimhaft angelegte frei gewollte Schöpfung und der personale Gottesgedanke. Aufgrund der Nähe der plotinischen Emanations- zur christl. Schöpfungslehre griffen zahlreiche christliche Denker, so z.B. Thomas v. Aquin, auf den Emanations-Begriff zurück, um den Schöpfungsakt, der sich ja dem menschlichen Erfahrungsbereich entzieht, interpretieren zu können. Zuletzt hat sich lehramtlich das I. Vatikanische Konzil zur Emanation geäussert. Jede Form von Emanation, bei der die Dinge nicht „aus nichts", sondern aus der göttlichen Substanz werden, sind zu verwerfen, da sonst die wesentliche Differenz zwischen Gott und Welt verloren geht.
Einen entscheidenden Einfluss hat die Emanations-Lehre noch heute in der Theosophie. Danach besteht die Welt aus einer Reihe von Emanationen (Ausflüssen), die verschiedene Stufen zwischen Geist und Materie einnehmen, ohne dass zwischen beiden ein wesentlicher Unterschied aufgezeigt wird.
 


 

 

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