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Eid

Der Eid bzw. der Eidesschwur gilt im religiösen Verständnis als die feierliche, öffentliche Anrufung Gottes zum Zeugnis der Wahrheit einer Aussage (assertorischer Eid) oder zur Verbürgung der Wahrhaftigkeit eines Versprechens (promissorischer Eid). Ein religiöser Eid darf nur geleistet werden, wenn man sich selbst mit dem Eidesinhalt identifiziert (Wahrheit), wenn ein hinreichend gewichtiger Grund gegeben ist (Umsicht und Überlegung) und wenn der Eid nicht zur Durchführung von Unrecht missbraucht wird (Gerechtigkeit). Die Gewichtigkeit der Eidesleistung begründet sich darin, dass der Eidesleistende seinen Glauben an Gott gewissermassen als sein höchstes Pfand einbringt und damit im Falle des Eidbruchs oder Meineids seine innerste persönliche Integrität aufs Spiel setzt.
Im Alten Testament ist daher der Eid zugleich feierliches Bekenntnis zu Jahwe, seine Kraft wird unter Umständen durch eine Eventualverfluchung erhöht. Über den forensischen Bereich hinaus, kommt dem Eid im Alten Testament eine besondere Bedeutung bei politischen Verträgen zu. In diesem Zusammenhang nämlich tritt auch Jahwe selbst als Eidesleistender auf, der mit seinem Volk einen Bund schliesst und das Land verheisst. Freilich kennt das Alten Testament ebenso bereits den Verfall der Eidespraxis, sei es durch Unwahrhaftigkeit, sei es durch gewohnheitsmässigen, allzu häufigen Gebrauch; schliesslich war es die pharisäische Kasuistik, die den Eid dadurch entwertete, „dass sie Abstufungen vornahm und manchen Eidesformeln die verbindliche Kraft absprach". Von daher ist Jesu Schwurverbot in der Bergpredigt nicht als Verschärfung des Meineidverbots mit anderen Mitteln zu verstehen, sondern als Antithese zum Versuch, mittels der Zeugen- und Bürgschaft Gottes sich der Person seiner selbst oder der eines anderen zu vergewissern. Wenngleich das neutestamentliche Eidesverbot von einzelnen religiösen Gemeinschaften im strikten Sinn ausgelegt und zur Verweigerung jeglicher Eidesleistung legitimierend herangezogen wird (vgl. die Zeugen Jehovas), ist im allg. der Eid unter den Bedingungen von Wahrheit, Überlegung und Gerechtigkeit im Christentum akzeptiert.
Je weniger freilich mit der neuzeitlichen Säkularisierung der transzendente Sinnbezug der Eidesleistung im Bewusstsein lebendig ist, desto mehr droht die Bedeutung des Eids sich in seiner praktischen Unentbehrlichkeit für das rechtlich-politische Leben zu verlieren. Nicht nur Eidesinflation und Eidesmissbrauch in der Geschichte des 20. Jh., sondern auch die Frage, inwieweit ein völlig säkularisierter Staat eine religiöse Handlung entgegenzunehmen berechtigt ist, lassen die Eidesfrage heute wieder neu zur Gewissensfrage werden.
 


 

 

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