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Ehe/Familie - in Ostasien (in anderen asiatischen Religionen)

Die zentrale Bedeutung der Ehe und Familie ist das spezifische Merkmal der ostasiatischen Gesellschaften (China, Japan, Korea). Sie ergibt sich vornehmlich aus dem Ahnenkult. Ehe und Familie waren die wichtigsten Voraussetzungen für den Unterhalt der älteren Generation (und der bereits dahingegangenen Generationen. Die Ehe bzw. Familie war eine „durch die Ahnenverehrung ins Jenseitige erhobene Gemeinschaft. Im ostasiatischen Raum, wo die Begriffe Individuum und Freiheit weitgehend unbekannt waren, war die Ehe nicht an erster Stelle eine Vereinigung von Mann und Frau, sondern eine Familienangelegenheit. Der Mensch war entweder Mitglied einer Familie, oder er war hauslos und ausgestossen. Die chinesische Familie war patrilinear, patrilokal und patriarchalisch. Ihr Wesen findet auch eine mythologische Begründung. „Nachdem Himmel und Erde entstanden waren, gab es die Zehntausend Wesenheiten. Nachdem die Zehntausend Wesenheiten ins Dasein getreten waren, gab es die beiden Geschlechter: männlich und weiblich. Nachdem die beiden Geschlechter Männlich und Weiblich ins Dasein getreten waren, gab es Ehemann und Ehefrau. Nachdem Ehemann und Ehefrau entstanden waren, gab es Vater und Sohn. Die mythologische Stifterin der Ehe ist Nü-kua bzw. Fu-hsi Nü-kua.
Die traditionelle Heirat wurde von den Eltern der Brautleute, unter Einschaltung eines Vermittlers, auf einen kalendarisch „guten" Tag festgelegt und ein Vertrag zwischen den beiden Familien geschlossen. Die Scheidungsregelungen - obwohl für beide Seiten angelegt - waren nur von seiten des Mannes anwendbar. Eine grundlegende Reform des traditionellen Eherechtes in China gehörte zu den ersten Aufgaben der Kommunistischen Partei Chinas nach der Machtergreifung 1949. Das Ehegesetz vom 1. Mai 1950 sichert die Freiheit bei der Wahl des Ehepartners zu. Voraussetzungen der Ehe sind Freiwilligkeit, Ehefähigkeit, Nichtvorliegen von bestimmten Ehehindernissen. Inhaltlich ist die Ehe in der Volksrepublik China wie in anderen ostasiat. Ländern - einmonogame, dauernde, gleichberechtigte Lebensgemeinschaft zwischen Mann und Frau (nicht unbedingt eine Gemeinschaft des Namens).
Die Familie stellte in traditionellen Kulturen Ostasiens die grundsätzliche Einheit und das zentrale Organisationsmuster der patrilinearisch und patriarchalisch orientierten Gesellschaft dar. Die Ehe war seit der Chou-Zeit das Abbild des Universums und hat eine Schlüsselrolle in der Geschichte z. B. des chinesischen Volkes: gespielt. Genauso wie der Staat, wurde sie durch die fünf Beziehungen (wu-lun) geregelt und war ein stabilisierendes Element. Diese konfuzianische Familie-Struktur war aber auch einer der Hauptgründe des Konservativismus der chinesischen Gesellschaft. Die wichtigste Aufgabe von Ehe und Familie bestand darin, männliche Nachkommen zu zeugen, um die Fortsetzung des patrilinear orientierten Ahnenkultes zu garantieren. So wird die Familie über die Gegenwart hinausgeführt als eine Zeit und Generationswechsel überdauernde Kontinuität. Diese wird mit dem Ahnenkult, der eines der vitalsten religiösen Elemente der Familie ist, und besonders mit Hilfe der Pietät erreicht. Von der Familie wird die Gesinnung der Ehrfurcht auf alles andere übertragen. In der Familie, die eine Kultgemeinschaft war, wurden der Ahnenkult vollzogen, Erziehung vermittelt, Gesetze festgelegt, Rechtsfälle entschieden und Strafen verhängt. Die Familie manifestierte also das ganze Spektrum des religiösen und gesellschaftlichen Lebens der Chinesen (Trauer- und Totenriten, Opfer im Familien-Tempel, Ehe- und Geburtsriten u. a. Familien-Riten). So aber „wie die Organisation der Familie in den Ritualbüchern beschrieben wird, erscheint sie eher als ein Rechtsideal denn als Realität".
Den Taoismus - im Gegensatz zum Konfuzianismus - hat die Familie als solche und ihr Funktionieren nie interessiert. Auch Mo-tzu lehnte das konfuzianische Familien-System ab.
Eine ähnliche Rolle wie in China spielte die Familie in Korea, das im Laufe der Zeit die konfuzianische Sittenordnung übernahm. In Japan kann man auch einen ausgeprägten Familiensinn feststellen. Auch hier ist die Familie eine Gross-Familie Die Familien-Organisation war aber variabler als in China und hat sich in der japanischen Neuzeit bewährt.
Seit dem Ende des vergangenen Jahrhunderts befindet sich die Familie in Ostasien in einem Umwandlungsprozess, der aus dem Zerfall der traditionellen Familien-Strukturen besteht. Heutzutage ist die Familie in Ostasien nicht mehr ein indiskutables Phänomen. Das heutige Ideal in der Volksrepublik China und in anderen sozialistisch regierten Ländern Ostasiens ist eine demokratische, harmonische, auf die wirtschaftliche Produktion konzentrierte Familie, für die Monogamie gilt. Die strenge Geburtenkontrolle (die Politik der „Ein-Kind-Familie" wird auch von den Religionen unterstützt) in der Volksrepublik China verursacht u. a. auch spätere Verheiratung. Trotz allem haben Ehe und Familie eine grosse Bedeutung, so dass es als unnatürlich empfunden wird, wenn jemand keine Ehe eingeht.
 


 

 

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