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Familienstrukturen:
„Familie" erscheint heute im transkulturellen Rahmen eher als vage,
eurozentrische Bezeichnung. G.P. Murdock unterschied drei Typen von
Familienorganisationen:
die gewöhnliche aus Vater, Mutter und deren Kindern bestehende
Nuklear-Familie;
die auf Pluralheirat gründende Verbindung mehrerer Kernfamilien in der
polygamen Familie;
3. die konsanguin-erweiterte Gross-Familie.
Die britischen Sozialanthropologen sahen, von ihren struktural-funktionalen
Analysen konkreter Sozialsysteme ausgehend, die Familie weniger als
selbständige soziale Einheit denn als Teil der grösseren Sozialstruktur. Sie
betrachteten zwar die Nuklear- Familie als Basiseinheit innerhalb der
unlinearen oder bilateralen Abstammungsgruppen, konstatierten aber wie
andere Forscher vor ihnen, dass die kleinsten Kohabitationsgruppen sehr oft
eine Drei-Generationen-Linie mit zusätzlichen lateralen Blutsverwandten und
eingeheirateten Ehepartnern umfassen. Neuere Autoren (R.T. Smith, R.M.
Keesing u.a.) heben zu Recht das Matrisegment (die Mutter-Kind/er-Basisgruppe)
als noch elementarere Einheit vor allem in matrilinearen Gesellschaften mit
Polyandrie, aber auch in patrilinearen Gruppen mit Polygynie hervor. Diese
kleinsten matrifokalen Einheiten, durch eigene Schlafhütte, eigenes
Herdfeuer und eigenen Speicher als solche markiert, repräsentieren den
Moment der Differenzierung innerhalb der Gehöftgemeinschaft gegenüber der
die Einheit vertretenden Autorität des Familien-Hauptes. Die im Inzestverbot
begründete Aussenherkunft der Frau(en) führte C. Levi-Strauss zur Definition
des „Verwandtschaftsatoms", welches neben der Kern-Familie den Mutterbruder
als Brautgeber einbezieht und welches neben Matrisegment und Kern-Familie,
von den transkulturellen empirischen Daten her gesehen, als Basiseinheit
angesehen werden kann.
Funktionen und Tiefendimension:
Die ethnographischen Zeugnisse weisen auf die Prokreation, die Weitergabe
des Lebens zur Sicherung der Kontinuität von Sippe und Klan als grundlegende
Funktion und Tiefendimension der Familie hin. Sie erscheint somit viel
weniger als statische Einheit denn als Bindeglied in der von den Ahnen
ausgehenden und mit ihnen in Verbindung bleibenden Linie der Generationen,
als Rahmen für die verantwortliche Übermittlung der kulturellen Tradition,
als primärer „Ort" der Lebenssorge und Sozialisation der Kinder. Als
„Schule" der Solidarität übernimmt sie weitere Grundfunktionen der
Gesellschaft.
Frage der Frühformen:
Frühe Vertreter der kulturhist. Ethnologie (W. Schmidt, W. Koppers u. a.)
postulierten aufgrund der ethnographischen Zeugnisse bei rezenten
Wildbeutervölkern gegenüber den unilinearen evolutionistischen
Stufentheorien von L. H. Morgen u. a. die hist. Priorität der monogamen
Familie Beiden Theorien kann nur hypothetischer Charakter zugesprochen
werden.
Heirat:
Sie wird von den Sozialanthropologen wesentlich als Neuordnung
(rearrangement) der Sozialstruktur gesehen. Vier Aspekte stehen im
Vordergrund: partieller Bruch der Braut mit der eigenen Gruppe - Übertragung
von definierten Rechten bezüglich Frau und Kindern an den Mann - Allianz der
Partnergruppen - symbolische Riten. „Brautpreis" ist primär Kompensation für
die gegebene Tochter als Arbeitskraft und Gebärerin. Polygynie ist weithin
anerkannte Institution; Polyandrie ist selten. C. Levi Strauss analysierte
die Regeln der Tauschheirat und Allianzen.
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