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Ehe- und Familienleben in
Schwarzafrika sind nicht uniform, sondern nach Stamm patrilinear oder
matrilinear. Beide Formen aber weisen gemeinsame Züge auf.
Eines der Hauptmerkmale von Ehe und Familie in Schwarzafrika ist ihre
Einbettung in die Gemeinschaft der Lebenden und Toten. Die Ehe darf niemals
eine Angelegenheit zweier Personen allein sein, sondern sie interessiert
sowohl den engeren Familien-Kreis beider Partner als auch ihre jeweiligen
Sippengemeinschaften. Jede Heirat sorgt nämlich für die Ausweitung der
Solidarität auf eine neue Familie und Sippe. Für beide Heiratswilligen
kommen neue Mitglieder zur Familie hinzu, so dass die Ehe immer ein neues
Bündnis bedeutet. Die sozialen Vorteile dieses Bündnisses sind u. a.
friedliches Zusammenleben und gegenseitige Unterstützung in allen Bereichen
(Abwehr gemeinsamer Feinde, v. Hungersnot u. a. m.).
Da das Gemeinschaftsleben des Negro-Afrikaners zugleich die Lebenden und die
Toten impliziert, bekunden auch die Ahnen grosses Interesse an Vermählung
und Heirat ihrer Nachkommen. Darum müssen die beiden Familien- und
Sippengemeinschaften der Heiratswilligen den Willen der Ahnen erkunden. Man
gewinnt damit den Segen der Vorfahren und die zukünftigen Partner werden
ihnen geweiht. So erhält jede negro-afrikanische Ehe nicht nur einen
gemeinschaftlichen, sondern mehr noch einen religiösen Charakter. Betrachtet
man etwa die so verschriene Mitgift in Schwarzafrika unter diesem
gemeinschaftlich-religiösen Gesichtspunkt, dann ist zu bedenken, dass sie
keineswegs den Brautpreis darstellt. Vielmehr symbolisiert sie das Band
zweier Gemeinschaften und hat eine sakramentale Bedeutung. Ein weiteres
Merkmal der negro-afrik. sind die Mutterschaft und die Vaterschaft. Die
Fruchtbarkeitsidee spielt eine grundsätzliche Rolle. Abgesehen von
sozio-ökonomischen Motiven, die ein unfruchtbares Ehebündnis als untauglich
erscheinen lassen müssen, sind die tiefergehenden Gründe rel. Natur. Der
Negro Afrikaner überlebt nämlich in seiner Nachkommenschaft, die sein
Gedächtnis lebendig bewahrt und der kommenden Generation weitertradiert. Sie
pflegt Gemeinschaft mit ihm über das Grab hinaus und sorgt durch Gebete und
Opfer für das jenseitige Glück.
Aus all den genannten Gründen will der Negro-Afrikaner Ernst mit der Ehe
machen. Letztere ist nie punktuell und statisch, sondern verläuft dynamisch.
Auch hier gibt es mannigfaltige Überlieferungen. Die bekannteste ist die
sog. Probe-Ehe (bzw. Etappen-Ehe), in der vor allem die Fruchtbarkeit der
Frau festgestellt werden soll, bevor das Bündnis endgültig besiegelt wird.
Auch die simultane Polygamie muss im Zusammenhang mit den aufgezählten
Gründen gesehen werden. Sie ist weder eine Art Prostitution noch Folge
unbeherrschter sexueller Begierde. Um eine polygame Ehe eingehen zu dürfen,
braucht der Mann meistens die Erlaubnis der ersten Frau; er muss
materiell-wirtschaftlich in der Lage sein, die vielen Frauen zu unterhalten;
er muss ferner eine solch starke Persönlichkeit besitzen, dass er Eintracht
und Frieden zwischen seinen Frauen zu stiften weiss; er hat schliesslich die
Aufgabe, die Kinder nicht nur materiell-wirtschaftlich zu versorgen, sondern
sie auch nach den bewährten Grundsätzen der Vorfahren zu erziehen.
Es empfiehlt sich, alle positiven Elemente der negro-afrikanischen Ehe und
Familie ernst zu nehmen, damit das Christentum sich in die Kultur des
schwarzen Menschen einwurzelt.
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