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1. Für das Alten
Testament ist der Bund eine bedeutsame Kategorie der Deutung des
Verhältnisses zwischen Jahwe und seinem Volk. Die literarkritische
Differenzierung führt zu der Erkenntnis, dass der Begriff in bestimmten
Textbereichen besonders konzentriert auftritt, während er in anderen (z. B. vorexilische Prophetie) fast fehlt. Daraus ergibt sich, dass nicht
pauschalierend von „der" alttestamentlichen Bundes-Theologie gesprochen werden kann,
sondern die Geschichte des Begriffes sowie seine unterschiedlichen
Verwendungsweisen und Bedeutungs-wandlungen berücksichtigt werden müssen.
Dabei ist neben dem Terminus b'rit (=Bund) selbst auch die sogenannte
Bundes-Formel (Jahwe ist der Gott Israels, und Israel ist das Volk Jahwes)
in die Untersuchung miteinzubeziehen, da sie an mehreren Textstellen
ausdrücklich miteinander verknüpft werden.
2. Das Wort berit, dessen Etymologie bislang nicht befriedigend geklärt
werden konnte, bezeichnet urspr. im profanen Sprachgebrauch ein
Rechtsverhältnis zwischen zwei Parteien. Dieses Rechtsverhältnis kann vom
symmetrischen Vertrag zwischen zwei gleichberechtigten Partnern bis hin zur
äusserst asymmetrischen Bindung mit einseitiger Verpflichtung eines
Abhängigen reichen. Der genaue Charakter einer Berit muss folglich aus dem
Kontext erschlossen werden. Im profanen Bereich können mit b'rit
aussenpolitische Verträge unter gleich starken Partnern, aber ebenso das von
einer politisch mächtigeren Partei aufoktroyierte Abkommen benannt werden.
Daneben sind in Israel innenpolitische Verträge zwischen König und Volk
bekannt. Der Akt des Bundes-Schlusses selbst kann von entsprechenden Riten
begleitet werden; sie betonen die Unauflöslichkeit des Bund sowie die
Intensität der Bindung. Die Bundes-Verpflichtung wird beeidigt oder durch
Handschlag bekräftigt; da hierbei auch die Götter zu Zeugen angerufen
werden, besteht im monolatrischen Israel ein Verbot, mit fremden Völkern
einen Bund zu schliessen.
Der Bund kann schriftlich beurkundet durch Mahn- und Erinnerungszeichen
„veröffentlicht" werden. Symbolische Selbstverfluchungen und Tieropfer
zeigen die Folgen einer Bundes-Verletzung sollen von ihr abschrecken. Durch
BIutriten wird die neue Gemeinschaft eine Verwandtschaftsverhältnis
(Blutsbrüderschaft) angenähert. Als weitere Bestärkung können gemeinsames
Mahl, oder der Austausch von Geschenken erfolgen. Neben dem juristischen
Aspekt der Verpflichtung enthält also der Bund auch einen Aspekt der
Freundschaft.
3. Dieser Begriff, mit dem im profanen Bereich eine Vielzahl menschlicher
Bindungen beschrieben werden können, fuhr in Israel eine Übertragung in den
Bereich. Der Bund ist nicht mehr ein Bund Gott, sondern mit Gott. Dabei
tritt der Aspekt der Exklusivität hinzu: die Bindung zwischen Jahwe und
seinem Volk lässt keine anderen Götter zu (Monolatrie) - Die älteste
Bezeugung eines theol. Bundes-Begriffs liegt in Ex 34,1 vor. Hier endet in
der jahwistischen Erzählung die Sinaitheophanie mit einem Bund, in dem Jahwe
sich selbst verpflichtet, den Israeliten mit grossen, nie dagewesenen
Wundern auf ihrem zukünftigen nach dem Sinai beizustehen. - Diese theol.
Chiffre der Fürsorge Gottes von dem um 700 v.Chr. anzusetzen. Jehowisten
(JE) aufgegriffen und in sein Geschichtswerk systematisch eingearbeitet. So
formt er die jahwistische Landverheissung von Gen 12,7 um zu einem Vertrag
in Gen 15,7-18. In diesem Abraham-Bund übereignet Jahwe das Land dem Abraham
und seinen Nachkommen die dadurch einen Rechtsanspruch das Land erhalten. In
der Sinaitheophanie Ex 34,10 b-27 ändert der JE den einseitigen
Verheissungs-Bund des Jahwisten zum Vertrag auf Gegenseitigkeit: Der
Bundes-Partner Mose (stellvertretend für das ganze Volk) wird zur Einhaltung
des Ex 34,12-26 promulgierten Privilegrechts verpflichtet; dem entspricht
auf der Seite Jahwes die Landgabe. Damit werden zu ersten Mal Gesetz und
Geschichte verbunden. Konsequenterweise nimmt JE die Kategorie des Bund am
Ende seines Geschichtswerks im Sichem-Bund Jos 24 wieder auf: Mit der
erfolgreichen Landnahme hat Jahwe seine Bund-Verpflichtung erfüllt. Damit
die Israeliten dann wirklich im Genuss dieser Landgabe bleiben können, gibt
Josua dem Volk Recht und Gesetz in Sichern. Wie in vielem, so ist auch in
der Bund-Theologie die deuteronomisch/deuteronomistische Schule Erbe des
Jehowisten. Möglicherweise unter dem Eindruck assyr. Vasallenverträge wird
der Bund zu der entscheidenden theol. Chiffre. Während für die Grundschicht
des Dtn der Bund noch nicht der Zentralbegriff ist, wird er für die
deuteronomistischen Rahmentexte unersetzbar. Frühe Deuteronomisten rahmen
das Kerngesetz durch den Horeb-Bund mit der Verpflichtung auf den /Dekalog
als universales Grundgesetz und Dtn 26,17f.19 mit dem deuteronomischen
Kerngesetz als Bedingung für das Leben im gelobten Land. Der Gebrauch der
Bundes-Formel legt Gegenseitigkeit nahe. Sie ist jedoch nur eine scheinbare:
Jahwe erwählt Israel zu seinem Volk, und Israel entspricht dieser
(einseitigen) Erwählung, indem es die auferlegten Verpflichtungen übernimmt.
Die Fortschreibung des Dtn durch späte Deuteronomisten lässt neue Akzente
erkennbar werden. In Verarbeitung der Katastrophe von 587 (Exil) wird die
Heilsbedeutung der Gesetze erkannt und die Bund-Erneuerung eingeschärft. Die
Paränesen von Dtn 4 sowie 29-32 (Moab-B.) reflektieren das im
deuteronomischen Kerngesetz und Dekalog Gebotene aus der Perspektive des
Exils. Indem die Geschichte von der Schöpfung her über die Vätergeschichte
bis hin zur Exoduserfahrung als Heilsgeschichte verstanden wird (Dtn 7,8
f.), erwächst das Vertrauen auf die anhaltende Barmherzigkeit Jahwes und die
Hoffnung auf die Möglichkeit der Umkehr. Auf der Grundlage dieser
spätexilischen Bundes-Theologie erfolgt nun auch eine Bearbeitung der
Sinaitheophanie. Als Urkunde eines „Vertrags-Bund" wird das Bundes-Buch Ex
20-23, ein rechts-hist. Vorgänger des Dtn, eingeschoben. Der Vertragspartner
Jahwe sichert sein Heilshandeln zu unter der Bedingung des vertragsgemässen
Handelns Israels. Der Ablauf der B.es-Schlusszeremonie Ex 24,3-8 (Verlesung,
Bundes-Schluss, Zustimmung) könnte nach dem Vorbild des ebenfalls
deuteronomistisch bearbeiteten und für die gesamte
deuteronomisch/deuteronomistische Bewegung entscheidenden joschijanischen
Bundes-Schlusses 2 Kön 23,2 f. gestaltet sein. Der deuteronomistische
Sinai-Bund zeigt im Dreischritt von Bundes-Schluss, Bundes-Bruch und
Bundes-Erneuerung paradigmatisch die Bedingungen und Möglichkeiten neuen
Heils für das exilierte Israel. Voraussetzung ist die von Jahwe gewährte
Sündenvergebung.
Ihren Niederschlag hat die deuteronomisch/deuteronomistische
Bundes-Theologie dann auch bei den Propheten der Exilszeit gefunden. Bei Jer
und Ez wird die Bundes-Treue Jahwes auch angesichts der Untreue Israels zum
Schimmer der Hoffnung auf einen neuen Anfang. Der Ruf zur Umkehr nach dem
Bundes-Bruch zielt auf die Erneuerung des Alten-Bundes-Verhältnisses des hl.
Restes Israels mit Jahwe. Zunehmend gewinnt jedoch der „Neue Bund " eine
ganz andere Qualität. Es soll ein „ewiger Bund " sein, der nicht mehr auf
den Gehorsamsleistungen Israels, sondern nur noch allein auf Gottes Gnade
beruht. Der Heilswille Gottes und die Bindung Israels an Jahwe übersteigen
alle rechtlichen Kategorien. In ähnlicher Weise wird in den späten
Redaktionsschichten des Ez-Buches die Konstituierung des neuen Israel
beschrieben: die geläuterten Heimkehrer treten in einen Friedens-Bund ein
und leben in einem restaurierten Staat mit König und Heiligtum in ihrer
Mitte.
Die priesterschriftliche Literatur erhofft einen neuen Anfang und betont
daher die zuvorkommende Gnade Gottes. Bundestheologisch schlägt sich dies in
der Konzeption des unbedingten Verheissungs-Bund nieder. Angesichts des
Scheiterns des Sinai-Bund wird dieser den zeitlich vorangehenden
Bundes-Schlüssen der Ur- und Patriarchengeschichte untergeordnet. Im
Noach-Bund wird der universale Heilswille Gottes der Menschheit gegenüber
festgeschrieben. Die spezifische Erwählung des Volkes Israel und die
Ankündigung von Mehrung des Volkes, Landgabe mit Staatswerdung und Gegenwart
Gottes erfolgt im Abraham-Bund. Jahwe bekräftigt den Bund durch die Stiftung
der Bundes-Zeichen Regenbogen und Beschneidung.
Die Rede vom „Gottes-Bund " dient in den späten Texten des Alten Testaments
vor allem als „Gefäss" der verschiedensten Verheissungen. So wird die
Hoffnung auf die Wiederherstellung des davidischen Königtums durch Berufung
auf den Davids-Bund artikuliert oder die Bedeutung der aaronitischen
Priesterschaft an der Erwählung im Levi-Bund festgemacht.
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