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Buddhismus - Grundlehre

Die Grundlehre des „ursprünglichen" Buddhismus lässt sich in der Formel der „dreifachen Zufluchtnahme" zusammenfassen; sie findet sich in den frühesten Schichten des Kanons und hat einen prominenten Platz in allen buddhistischen Liturgien; durch ihre Rezitation tritt man ein in die Gemeinschaft der Jünger des Buddha. Sie lautet: „Ich nehme den Buddha als meine Zuflucht. Ich nehme den dharma als meine Zuflucht. Ich nehme den samgha als meine Zuflucht" (Buddham, dharmam, sangham saranam gacchami).

1. „Buddha"
Theoretisch sollte die Zuflucht beim dharma die erste Stelle einnehmen. So hatte der Buddha wiederholt die Jünger gemahnt: „Nehmt den dharma als eure Insel ... Nehmt den dharma als eure Zuflucht, und sucht keine andere Hilfe" (Dhammapada II). Dem Mönch Vatkali verbot er dessen übertriebene Verehrung seines Körpers mit den Worten: „Was bedeutet dir dieser Körper aus Schmutz? Wer den dharma sieht, sieht mich." Vor seinem Tod gibt er dem Lieblingsjünger Ananda die strikte Anweisung: „Verschwendet eure Zeit nicht damit, meinem Leichnam zu huldigen, sondern arbeitet mit aller Sorgfalt und allem Fleiss an euerem eigenen geistigen Wohl." Mit diesen mehr abwertenden Worten wird jedoch die tatsächliche Stellung des Buddha in der buddhistischen Gemeinde, auch für die Frühzeit, nicht beschrieben. Aus den Pali-Schriften des Buddhismus, der ältesten uns erhaltenen Sammlung des Kanons, geht hervor, dass dem Buddha eine einmalige Position und Funktion zugeschrieben wird. Es sind mythologische und legendäre Züge, als solche aber zum Buddhabild des orthodoxen Buddhismus gehörend. L. de la Vallee-Poussin schreibt: „Nachdem Sakyamuni einmal ein Buddha geworden ist, kann man nicht mehr sagen, er sei ein Mensch. Indem er die Erleuchtung erlangte, verwandet er sich selbst. In der Welt geboren, ist er aus der Welt herausgetreten. „Was bist du, Mensch oder ein Gott (yaksa)?“ – „Ich bin weder ein Mensch“, antwortet „noch ein Gott. Wisse, o Brahmane, ich ein Buddha bin“, d. h. ein Wesen, allen Göttern, wo immer sie sein mögen, unendlich überlegen ist, und nicht das Erste der Wesen, sondern darüber hinaus das einzige Wesen seiner in der Unermesslichkeit der Welten" (Le dogme et la philosophie du Bouddhisme). Dem entsprechen die Hoheitstitel des Buddha. Es existieren davon unterschiedliche Listen. Das „Mahavyut-patti" I bringt eine Reihe von 80 Titeln, darunter an erster Stelle: Buddha, Bhagavan (der Erhabene), Tathagata (der Ebenso Gekommene), Arhan (der Verehrungswürdige), Samyak-sambuddha (der die höchste vollkommene Erleuchtung erlangt hat), Vidya-carana-sampanna (vollkommen in Wissen und Tat), Sugata (der wohl Dahingeschiedene), Loka-vit (der Kenner der Welten), Anuttara (der Unübertroffene), Sasta devamanusyanam (Lehrer der Götter und Menschen), Loka-jyesthah (der Welt-Erhabene), Devati-deva (der Gott über allen Göttern). Die Selbstaussagen des Buddha über seine Hoheitstitel besagen mehr als einen einfachen Lehrer, der hinter der Weisheit zurücktritt und den man beliebig anbeten oder vernachlässigen könnte. Die Buddhisten, die die ursprüngliche Lehre am reinsten bewahrt haben wollen, verehren den historischen Buddha denn auch als jemanden, der weder Gott noch Mensch, sondern einfach Buddha ist. Ein Rationalismus, der im Buddha nur einen grossen Menschen der Vergangenheit sehen will, wird den Tatsachen - den schriftlichen Quellen und der Haltung der gläubiger Buddhisten - nicht gerecht.

2. „Dharma"
Die Grundlehre des wesentlich eine Entfaltung des Erleuchtungserlebnisses des Buddha ist. Übereinstimmend berichtet die Tradition, dass Begegnung mit der existentiellen Unheilssituation des Menschen und der Wesen allgemein den Gautama auf die geistige Suche geschickt hat.
Die Absicht bei seiner Weltentsagung war es, einen Ausweg aus dem leidvollen Dasein, den Weg der Todlosigkeit zu finden. Inhalt des Erleuchtungserlebnisses sind die Vier Edlen Wahrheiten. Sie bilden den Gegenstand des Dharmacakrapravartana-sutra („Sutra, mit dem das Rad der Lehre in Bewegung gesetzt wird").
Es sind dies:
die Wahrheit vom Leiden,
Die Wahrheit vom Ursprung des Leidens,
die Wahrheit von der Überwindung des Leidens und
die Wahrheit vom Weg, der zur Überwindung führt.

a) Leiden. „Dies, o Mönch, ist die Edle Wahrheit vom Leiden: Geborenwerden ist Leiden, Altwerden ist Leiden, Sterben ist Leiden, Verbindung mit Unliebsamem ist Leiden, Trennung vom Geliebten ist Leiden, nicht erlangen, was man begehrt, ist Leiden, kurz die fünf Gruppen des Anhaftens sind Leiden".
Mit dieser Aussage wird nicht die empirische Wirklichkeit von Glück und Freude geleugnet. Gesagt wird, dass diese Erfahrung wie alle psycho-physischen Phänomene in letzter Analyse nicht den Bedingungen für wirkliches Glück - Unbedingtheit und Wandellosigkeit - entsprechen.
Der Mensch stellt sich in der Analyse des Buddha dar als ein vorübergehendes Aggregat von fünf Daseinsgruppen (skandha) psycho-physischer Natur, der keine bleibende Substanz, kein bleibender Ich-Kern zugrunde liegt.

Die fünf Daseinsgruppen sind im einzelnen:

Gestalt oder Körperlichkeit (rupa), bestehend aus den vier Grundelementen (maharupa) von Erde, Wasser, Feuer und Wind und aus den daraus abgeleiteten Elementen (upadayarupa);
Empfindung (vedana), die angenehm, unangenehm oder indifferent sein kann und aus dem Kontakt der sechs inneren Sinnesorgane mit den entsprechenden sechs äusseren Sinnesobjekten entsteht. Die sechs Sinnesorgane zusammen mit den sechs Sinnesobjekten bilden die zwölf Grundlagen des Bewusstseins;
Wahrnehmung (samjna) von Farben, Lauten, Gerüchen, Geschmäcken, Greifbarem und geistigen Bildern;
Willensregung (samskara) in bezug auf die sechs Sinnesobjekte;
Bewusstsein (vijnana), das die Eigenschaften der Sinnesobjekte wahrnimmt.


Entsprechend den 6 Sinnesorganen und den 6 Sinnesobjekten besitzt der Mensch 6 Arten von Bewusstsein, die alle zusammen als die 18 Elemente (dhatu) bezeichnet werden.
Der Mensch nun kann beschrieben werden in der Begrifflichkeit der 5 Daseinsgruppen, der 12 Grundlagen des Bewusstseins oder der 18 Elemente. In jedem Falle wird festgestellt, dass es sich dabei um vergängliche Phänomene handelt, keine bleibende Substanz, kein Ich zugrunde liegt. Sie entstehen immer gleichzeitig in Abhängigkeit von verschiedensten bedingenden Faktoren und lösen sich ebenso wieder in Abhängigkeit auf. Was nun aber nicht aus sich selbst geworden ist und von Grund aus bedingt ist, was in sich keinen bleibenden Kern hat, was wesentlich dem Wandel und der Vergänglichkeit unterliegt, entspricht nicht den Bedingungen von Glück und wird darum in Buddhas Analyse als Leid (duhkha) bezeichnet.
Diese Charakterisierung des psychophysischen Daseins des Menschen gilt auch für alle möglichen Formen der Existenz, welche die Lebewesen im Lauf der Wiedergeburt annehmen können. Sie sind unbeständig, entstehen und vergehen in unaufhaltsamem Wandel; sie sind durch ihre Unbeständigkeit und Vergänglichkeit leidvoll; sie haben keinen bleibenden Kern, kein Selbst, das allem Wandel zugrunde liegt. Bei dieser dreifachen Kennzeichnung der Daseinsphänomene als unbeständig, leidvoll und unpersönlich ist das Merkmal der Unpersönlichkeit das für den Buddhismus charakteristischste.
Die Wiedergeburt kennt keinen Anfang und vollzieht sich auf den fünf Wegen in der Hölle, im Tierreich, im Gespensterreich (preta, „hungrige Geister"), in der Menschenwelt und in der Götterwelt. Das Universum, in dem sich die Daseinswanderung bewegt, ist die alles umfassende dreifache Welt (traidhatuka), nämlich die Sinnenwelt (kamadhatu), die Welt der fünf Sinnesorgane und ihrer Objekte, in der sich Höllenwesen, Tiere, Gespenster, Menschen und die 6 Klassen der niederen Götter bewegen; die feinkörperliche Welt (rupadhatu), in der die 17 Klassen der Brahmagötter sich frei von Sinnenlust an ihren Versenkungen (samadhi) erfreuen; die unkörperliche Welt (arapyadhatu) der höheren, körperlosen Gottheiten.

b) Ursprung des Leidens
„Dies, o Mönch, ist die Edle Wahrheit vom Ursprung des Leidens: es ist der Durst, der von Wiedergeburt zu Wiedergeburt führt, zusammen mit der Lust und der Gier, die hier und dort ihre Befriedigung findet: der Durst nach Lust, der Durst nach Dasein, der Durst nach Unbeständigkeit". Bei der Wahrheit vom Ursprung des Leidens geht es nicht um die Frage eines allerersten Anfangs. Für die jetzige Existenz und alle weiteren gilt, dass an ihrem Anfang verschuldete Unwissenheit und Leidenschaft bzw. „Durst" stehen, dass der Werdeprozess des Entstehens durch die Tat des früheren Daseins verursacht ist und diese wiederum durch Leidenschaft, die in Verblendung und Begehren besteht, zur folgenschweren Tat wird. Der Durst, der die Tat schwer belastet, ist Durst nach sinnlichem Genuss, nach Existenz (bhava) und nach Vernichtung (vibhava). Gier (raga), Hass (dvesa) und Verblendung (moha) wirken auf die Tat wie ein dreifaches Gift.
Nach einem ehernen Gesetz der Verursachung führt die Leidenschaft zur Tat, und diese bringt unbedingt ihr Ergebnis bzw. ihre Frucht hervor. In einem weiteren Schritt entwickelte der Buddha dieses Grundprinzip der Verursachung zum Gesetz der Entstehung in Abhängigkeit. Die 12 Glieder dieses Gesetzes beziehen sich auf drei aufeinanderfolgende Existenzen, deren gegenwärtige Existenz der Mensch ist. Diese Theorie gilt als das Herzstück des Buddhismus „Wer sie versteht, versteht das Gesetz, und wer das Gesetz versteht, versteht sie. Sie versucht, den strikten Determinismus der Daseinsphänomene, wo sich keine bleibende Entität finden lässt, zu erklären bzw. zu erklären wieso „das Leiden existiert, aber niemand da ist, der leidet, wieso es keinen gibt, der handelt, die Handlung aber Wirklichkeit ist".

c) Die Wahrheit von der Überwindung des Leidens
„Dies, o Mönch, ist die Wahrheit von der Überwindung des Leidens: die Auslöschung dieses Durstes durch die vollständige Vernichtung des Verlangens, in dem man das Verlangen verbannt, ihm entsagt, sich davon befreit, ihm keinen Platz einräumt".
Die Wahrheit vom Ende des Leidens ist die Frohe Botschaft des Buddhismus. Das Ende des Leidens, der Stand der Befreiung, das Nirvana ist grundsätzlich erreicht, wenn die Wurzeln des ganzen Daseinsprozesses oder der Wiedergeburt – Durst, Leidenschaft, Unwissenheit mit Gier, Hass und Verblendung – vernichtet sind. Taten, die nicht mehr bedingt sind durch diese Faktoren, haben keine weitere Wiedergeburt zur Folge. Die 5 Daseinsgruppen, die infolge der Taten sich zusammengefügt hatten, haben ihr Fundament verloren und werden in Zukunft nicht mehr entstehen. Mit dem grundsätzlichen Entzug des Fundamentes ist auch das Leiden vernichtet und die Befreiung vom Werden und Vergehen erlangt. Der so Befreite findet sich in einem Zustand höchster Seligkeit, die jedoch jenseits des Empfindens liegt und darum auch negativ als Nicht-Seligkeit bezeichnet wird. Über die Natur des Nirvana können keine positiven Aussagen gemacht werden. Es ist ein ungeschaffener Zustand, unabhängig von allen Bedingtheiten, ein absoluter Zustand, jenseits des menschlichen Erfassens und Aussagens. Das Nirvana kennt, ähnlich der christlichen Erlösung, ein „Bereits im Noch-nicht". Mit der Vernichtung der Ursachen des Leidens ist die Erleuchtung und damit das Nirvana grundsätzlich erreicht. Es bleiben die Früchte, d.h. das Aggregat der 5 Daseinsgruppen, vorläufig bestehen. Damit ist auch, wie die Lebensgeschichte des Buddha selber und besonders seine letzten Tage zeigen, die menschliche Leidensfähigkeit weiterhin gegeben. Dieses Nirvana wird folglich „Nirvana mit einem Rest von Bedingtheit"genannt. Erst mit dem Tod wird das Aggregat der Daseinsgruppen endgültig aufgelöst, das „Grosse Nirvana", das „Nirvana ohne einen Rest von Bedingtheit" erreicht. Der in das Nirvana Eingetretene kann nicht mehr gefunden werden, und alle Verbindung mit ihm ist abgeschnitten.

d) Weg zur Überwindung des Leidens
„Dies, o Mönch, ist die Edle Wahrheit , vom Weg, der zur Überwindung des Leidens führt: es ist dieser heilige Weg, der acht Glieder hat und heisst reiner Glaube, reines Wollen, reines Reden, reines Handeln, reiner Lebenserwerb, reine Anstrengung, reine Achtsamkeit, reine Sammlung".

Die acht Glieder der Wahrheit vom Weg sind:
rechte Erkenntnis,
rechte Gesinnung,
rechte Rede,
rechte Tat,
rechter Lebenserwerb,
rechte Anstrengung,
rechte Achtsamkeit,
rechte Sammlung.

Die traditionelle Reihenfolge bedeutet kein zeitliches Nacheinander in der Verwirklichung dieser Haltungen; sie lassen sich nur gleichzeitig und in gegenseitiger Abhängigkeit verwirklichen. Eine der spirituellen Erfahrung entsprechendere Reihenfolge teilt traditionellerweise den Weg in drei Abschnitte ein:
I. Sittlichkeit (sila) mit den Gliedern 3, 4 und 5 des Pfades,
II. Sammlung (samadhi) mit den Gliedern 6, 7 und 8,
III. Weisheit (Prajna) mit den Gliedern 1 und 2. Sittlichkeit und Disziplin sind Bedingungen für Sammlung und geistige Erkenntnis, die schliesslich zur Weisheit führen. Die Erleuchtung ist in bezug auf die ersten beiden der Vier Edlen Wahrheiten Voraussetzung zum Genuss der dritten der Wahrheiten, des Nirvana. Während die Regeln der Sittlichkeit aufs Ganze mit den Vorstellungen anderer Religionen übereinstimmen, ist die Entwicklung der zur Weisheit führenden Methoden der Sammlung für den Buddhismus besonders kennzeichnend. Das entspricht dem Ansatzpunkt des Buddhismus, wonach der leidvolle Daseinsprozess durch anfanglose Unwissenheit und Begierde in Gang gehalten und erst durch die Erlangung der Erleuchtung zum endgültigen Stillstand gebracht wird. In späteren Formen des Buddhismus wurde auch auf andere Heilsmethoden Gewicht gelegt, auf die Notwendigkeit der befreienden Erleuchtung wurde aber nie verzichtet.

3. „Samgha"
Im weiteren Sinn umfasst der Begriff alle, die den Buddha zur Zuflucht nehmen, Mönche und Nonnen (bhiksu und bhiksuni), Männer und Frauen im Laienstand (upasaka und upasika); im engeren und eigentlichen Sinn meint er die Gemeinde der Mönche und Nonnen. Beziehen sich die ersten beiden Artikel auf den Buddha, der die Wahrheit gefunden hat, und auf seine Lehre, die den Pfad zur befreienden Wahrheit gehen lehrt, so richtet sich der Blick hier auf die Gemeinschaft derer, die die Verwirklichung der Lehre des Buddha zum ausschliesslichen Lebensinhalt machen und durch ihr Leben der völligen Entsagung und des Strebens nach Erleuchtung die Lehre des Buddha existentiell lebendig halten.
Die Institution des Mönchtums brauchte der Buddha nicht zu erfinden. Er übernahm damit eine Institution, die auf eine lange Geschichte zurückblicken konnte. Er selber hatte bei seiner Weltentsagung das Leben des heimatlosen Bettelmönchs angenommen. Nach seiner Erleuchtung schlossen sich ihm in Benares seine fünf ehemaligen Mönchsgefährten an. Ebenfalls in Benares nahm er Yasa, seine vier Brüder und seine 50 Freunde als Mönche und Brüder im heimatlosen Leben auf. Bei dieser Gelegenheit schon wird von der Aussendung der Jünger gesprochen. Sie sollten allein, nicht zu zweien, gehen. Ihr Wandern sollte „zum Segen für die Menge, zur Freude für die Menge, zum Wohl, zum Segen, zur Freude von Göttern und Menschen sein". Sie sollten den dharma predigen, der wohltuend ist am Anfang, in der Mitte und am Ende.
Für den offenbar rasch wachsenden Orden wurden Verhaltensregeln erlassen, je wie sich die Gelegenheit dazu ergab. Die Zusammenfassung der Ordensregeln in Vinaya setzt wohl in manchen Fällen eine spätere Situation voraus. Die einleitenden Erzählungen berichten von den verschiedenen Situationen, die Anlass gaben, eine Entscheidung des Buddha anzurufen. Seine Autorität gibt den Regeln verpflichtenden Charakter.
Die Aufnahme in den Orden wurde zunächst vom Buddha selber vollzogen, oft mit der einfachen Einladung „Komm, o Mönch!" Später übertrug er dem Samgha selber das Recht, Männer als Novizen aufzunehmen und sie zu gegebener Zeit zu Mönchen zu weihen. Fest umrissene Bedingungen und eine demokratische Verfahrensweise der Brüdergemeinde regeln bis heute die Aufnahme. Der Novize, der noch keine 10 Jahre zu sein braucht, dazu aber die Erlaubnis seiner Eltern braucht, wird einem oder zwei Mönchen, die als Novizenmeister (upadhyaya) und Lehrer (acarya) fungieren, übergeben. Die volle Mönchsweihe kann erst mit Vollendung des 20. Lebensjahres erteilt werden. Konstanten im Leben der Brüder sind, abgesehen vom streng geregelten Alltag, die 14tägige Bussfeier (uposatha), an der alle teilnehmen müssen und bei der die Mönche an Hand der 227 Ordensregeln (pratimoksa) ihr Leben überprüfen, ferner die Zeit der Zurückgezogenheit während der Regenzeit (vasa), der feierliche Abschluss dieser „Jahresexerzitien" mit dem Kathina-Fest, an dem die Laienanhänger den Mönchen Stoff für neue Gewänder schenken. Das Ideal des Ordens ist der Nachvollzug der Erleuchtung des Buddha. Der Mönch, der dieses Ziel erreicht hat, ist ein Arhat, ein Heiliger, dem der Eintritt ins Nirvana gelungen ist.
Schon früh bemühten sich auch die Frauen um die Bildung eines Frauenordens. Der Widerstand des Buddha gegen diese Absicht wahr wohl, abgesehen von der zeitgenössischen Einschätzung der Frau in der indischen Gesellschaft, durch praktische Überlegungen motiviert, etwa, ob und wie Frauen das heimatlose Leben der Mönche mitleben könnten. Frauenfeindliche Aussagen der Überlieferung widersprechen der im übrigen freundlichen Haltung des Buddha den Frauen gegenüber und dürften die Haltung späterer Frauenfeinde im Orden wiedergeben. Auf Drängen des Lieblingsjüngers Ananda erlaubte der Buddha schliesslich die Gründung des Frauenordens. Allerdings wurden für sie viel mehr und striktere Verordnungen erlassen; so wurden sie in allem dem Mönch so untergeordnet. Ihr Lebensstil folgte dem der Brüder. Obwohl nach gängiger Auffassung allein Männer zur Erlangung der Erleuchtung fähig sein sollten – im späteren Mahayana-Kanon noch finden Invokationen, die den Frauen die Wiedergeburt als Männer garantieren –, es in der Sammlung „Therigatha" begeisterte Verse von Nonnen, die diese nach ihrer Erleuchtung gesprochen haben.
Die Laien, die sich dem Buddha, anschlossen, aber nicht das heimatlose Leben auf sich nehmen wollten, bilden den äusseren den Ring der buddhistischen Gemeinde. Sie verzichteten zwar nicht auf die Güter und das Leben der Welt, sollten sich aber bemühen, sich innerlich davon zu distanzieren. Dazu unterzogen sie sich bestimmten Verpflichtungen, der Enthaltung vom Töten eines Lebewesens, von Diebstahl, Unkeuschheit, Lüge, vom Genuss von Rauschmitteln. An bestimmten Festtagen kamen dazu Enthaltung von jeder sexuellen Tätigkeit, Essen nach dem Mittag, Benutzung von Salben, Parfums und Schmuck, von Teilnahme an öffentlichen Belustigungen und Benutzung von bequemen Betten. Zu den negativen Verpflichtungen kam materielle Unterstützung des Ordens: die tägliche Speisung der Bettelmönche und die Besorgung aller materiellen Lebensbedingungen. Die Mönche boten durch die Annahme dieser Unterstützung den Laien die Möglichkeit, Verdienste, gutes Karma, zu sammeln, das den Laien ermöglichte, zur besseren Wiedergeburt in der Welt der Menschen oder Götter zu gelangen. Die Mönche waren so die vordergründigen Nutzniesser der guten Taten der Laien, während die eigentlich Beschenkten die Laien selber sein sollten.
 


 

 

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