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Buddhismus und Christentum - geschichtlich

Erste Berührungen sehen Christen und Buddhisten sind für die Zeit des Klemens v. Alexandrien (ca.150-217) nachgewiesen. Einflüsse auf das entstehende Mönchtum sowie auf die Ausbildung der negativen Theologie werden vermutet, sind jedoch nicht bewiesen. Ähnliches gilt für Parallelen und Motivanalogien in den kanonischen und apokryphen Evangelien. Zu den Kuriositäten gehört die Tatsache, dass eine christianisierte Buddha-Vita der Legende der Heiligen Barlaam (wahrscheinlich über Bilahaur von Bhagavan = der Erhabene, einem Buddhatitel, abzuleiten) und Josaphat Eingang in das „Martyrologium Romanum" und damit lange Zeit in den offiziellen Heiligenkalender der Kirche gefunden hat. Sicher hat es Kontakte des Buddhismus mit dem nestorianischen Christentum gegeben, das seit der 1. Hälfte des 7. bis ins 14. Jh. in China existiert hat. Diskutiert wird nach wie vor, in welchem Umfang diese Begegnung den chin. Amida-Buddhismus zwar nicht begründet, aber evtl. intensiviert hat und ob sich nicht ein Einfluss auf die Ausbildung des esoterisch-tantrischen Buddhismus in China und dessen Fortführung im jap. Shingon-Buddhismus (Buddhismus des „wahren Wortes") ausmachen lässt. Bezeugt ist auch, dass die Franziskaner, die im 13./14. Jh. China aufsuchten, vom buddh. Mönchtum beeindruckt waren. Die dritte Phase einer buddh.-christl. Begegnung war nach den Nestorianem und Franziskanern die Begegnung der Jesuitenmissionare vor allem mit dem Buddhismus in Japan seit Beginn der Ostasienmission in der Zeit des Franz Xaver. Die geschilderten Phasen sind freilich, verglichen mit dem letzten Jh., eher ein Vorspiel zu nennen im Hinblick auf die seit der Mitte des 19. Jh. einsetzende, aber vor allem nach dem 2. Weltkrieg in Gang gekommene, von wiss. Forschung gestützte interrel. Dialogsituation, die vom Bemühen um ein immer besseres gegenseitiges Verstehen und um pragmatische Kooperation (Friedenspolitik, Einsatz in Fragen der Entwicklung, der Menschenrechte und der Gerechtigkeit) bis zu spiritueller Begegnung bzw. Begegnung im Bereich der Meditation reicht. Erstmals hat das II. Vatikanische Konzil in „Nostra aetate" (2) ausdrücklich auch den Buddhismus zur Sprache gebracht und die Verhältnisbestimmung des Christentums zu den nichtchristl. Religionen als eine wichtige Aufgabe unserer Zeit bezeichnet.

2. Systematisch
Obwohl der Buddhismus von seinen Ursprüngen her sich der Gottesfrage nicht stellt, wird er von seiten des Christentums mit grosser Selbstverständlichkeit zu den Religionen gezählt. Als solche gehört der Buddhismus - neben dem Islam - zu den entscheidenden Herausforderungen des heutigen Christentums. Wie im Christentum steht am Anfang eine hist. Persönlichkeit, die ihre Bewegung aus der Herkunftsreligion in eine Weltbewegung bzw. Weltreligion überführt. Entsprechend sind die beiden Gründergestalten, Jesus und der Buddha, immer wieder verglichen worden. Für den neuzeitlichen Menschen besteht der auffallendste Unterschied zwischen beiden darin, dass sie zwar beide das Heil aller Menschen zu vermitteln suchen, Jesus das Heil aber im Hinblick auf den Heil schenkenden Gott und das Gottesreich verkündet, während der Buddha ohne Berufung auf einen Gott den Weg der Befreiung geht und somit den Menschen in der Verfolgung seines Heils letzten Endes an sich selbst zurückzuverweisen scheint. Freilich übersieht diese dem neuzeitl. Menschenbild konforme Deutung des Buddhismus, dass die buddh. Anthropologie nicht ohne die zentrale Anatta-Lehre zu verstehen ist, m. a. W., die neuzeitlich betonte Selbstverwirklichung nicht ohne die Vermittlung durch das Nicht-Selbst bzw. die Verwirklichung radikaler Selbstlosigkeit zu erlangen ist. Hier ergeben sich für das buddh.-christl. Gespräch eher Berührungspunkte mit der kenotischen Christologie. Die Frage der Selbstverwirklichung stellt sich verschärft, wo nach der Sinnspitze der Meditation gefragt wird und die Schweigemeditation, zumal das Zen, zu einer Herausforderung des christl. Sprechens wird und umgekehrt dieses zu einer Provokation der buddh. Sprache. Im spirituellen Austausch ist die inzwischen durch buddh. Meister vorgenommene Anerkennung des Erleuchtungserlebnisses von Christen in ihrer vollen Bedeutung für beide Religionen noch nicht adäquat ausgelotet worden. Zweifellos sind der meditativ-„mystische" Grundzug des Buddhismus, seine Betonung der Erfahrungskomponente und sein mystagogischer Charakter der wichtigste Impuls dieser Religion, mit dem Christen und das offizielle Christentum sich in gleicher Weise auseinander zusetzen haben. Demgegenüber markieren die Versuche einer buddh. Apologetik, die Überlegenheit des Buddhismus im Umgang mit den modernen Naturwissenschaften herauszustellen, eher jene Fragen und Aufgaben, die Christen und Buddhisten wie den Vertretern anderer Religionen gemeinsam in unserer Zeit gestellt sind. In diesem Kontext ist der Beitrag der im Anschluss an A. N. Whitehead entstandenen amerik. Prozesstheologie (J. B. Cobb jr.) zu beachten.
 


 

 

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