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Buddhismus - China

Während der Han-Dynastie (202 v. Chr. - 220 n. Chr.) wurde der Buddhismus im 1. Jh. n. Chr. in China eingeführt. In Zeiten politischer Wirren und Fremdherrschaft, vor allem aber während der grossen Kultursynthese der T’ang-Zeit (618-906), gewann er an Einfluss, in nationalistisch und von han-chin. Herrschern geprägten Epochen (Sung 960-1279, Ming 1368-1644) wurde er vom Konfuzianismus zurückgedrängt. In der Begegnung mit China hat sich der Buddhismus erheblich gewandelt, aber auch die chin. Geistesgeschichte entschieden beeinflusst. Zunächst etablierten sich HInayana wie Mahayana, aber nur letzteres dauerhaft. China war bereits von einer konfuzianischen Hochkultur geprägt, die sozialethische Werte, Ahnenkult, Diesseitigkeit und Familie betonte. Eine Tendenz zur Weltverneinung, die Idee der Wiedergeburt und auch das monastische Ideal des Buddhismus stiessen in China auf erheblichen Widerstand. Erst als sich der Buddhismus anpasste, indem er konfuzianische Werte (Familienbande) wie taoistische Ideen übernahm, war ihm Erfolg beschieden, zumal er in einer Zeit politischen und ökonomischen Niedergangs (Ende der Han-Dynastie) mit seiner Lehre von der Vergänglichkeit Sinn stiften konnte. Durch eine beispiellose und mehr als 1000 Jahre währende Übersetzungsarbeit des gewaltigen ind. buddh. Schrifttums (3053 Titel in der jap. Taisho-Ausgabe des chin. Tripitaka [1922-33]) wurde eine völlig neue Lit. geschaffen, die auch auf die chin. Kunst nachhaltig Einfluss ausübte. Die frühen Übersetzer bedienten sich taoistischer Konzepte (ko-yi, Verbindung von Ideen), so dass eine Synthese ind. und chin. Denkens entstand. Man war sich dabei nicht der langen Tradition der Schulunterschiede und verschiedenen Wertung der Sütras bewusst, so dass der chin. Buddhismus dieselben verband. Bes. einflussreich waren die Prajnaparamita-Sutras (4mal übersetzt), das Vimalakirti-Sutra (9mal), das Lotos-Sutra (3mal) und das Surangamasamadhi-Sutra (9mal). Schon in dieser Bevorzugung zeichnet sich eine Betonung der strikten Meditationspraxis auf der einen und des Laien-Buddhismus auf der anderen Seite ab. Wichtigste Übersetzer waren Dharmaraksa v. Dun-huang (232-309), der über einhundert Texte auswendig diktierte und übersetzte, darunter das Lotos-Sutra, und Kumarajiva (344-413), der geniale Sohn eines brahmanischen Vaters und einer buddh. Prinzessin aus dem zentralasiat. Kucha, der am Hof der Hauptstadt Ch'ang-an seit 402 im kaiserlichen Auftrag mit Hilfe von Tausenden von Mönchen unzählige Schriften übersetzte, dabei die ko-yi-Methode vermied und somit genauere Übertragungen erzielte, schliesslich noch Hsüan-tsang (596-664). Die Chinesen fügten eigene Sutras hinzu (Plattform-Sutra des 6. Patriarchen der Ch’an-Schule, Hui-neng, 638-713), obwohl die übersetzten Sutras als Wo Buddha galten.
Die unterschiedliche Interpretation der Schriften sowie soziologische Faktoren und von bedeutenden Mönchen ausgehende Traditionskette führte zur Entstehung der zahlreichen Schulen, von denen vier bedeutend wurden: T’ien-t’ai, Hua-yen, Ch’an und Ch’ing-t’u (Reines Land). T’ien-t’ai (begründet von Chih-i, 538-597, auf dem Berg T’ien-t’ai) erstrebt Harmonisierung der Sutras durch Zuordnung zu jeweils verschiedenen Lebensperioden des Buddha und elektrische Historisierung der Lehren, wobei dem Lotos-Sutra letzgültige Autorität zukommt. Hua-yen (begründet von Tu-shun, 557-640, philos. Systematik durch Fa-tsangm 643-712) basiert auf dem Avatamsaka-Sutra und unterscheidet die phänomenale (shih) von der noumentalen (li) Welt, die einander vollkommen durchdringen, wobei alle Erscheinungen der Wirklichkeit sowohl das Transzendente manifestieren als auch einander spiegeln: alles in allem enthalten und durchdrungen vom personal-transpersonal vorgestelltem Buddha und seinen Emanationen.
Diese Lehre der universalen Ganzheit beeinflusste vor allem Ch’an (chin. Aussprache von Skt. Dhyana Meditation, begründet von dem ind. Mönch Bodhidharma, der um 520 in China angelangt sein soll), das gegenstandlose Meditation auf der Grundlage der Philosophie der Leere (sunyata) praktizierte, um die nicht-duale Erfahrung direkt zu ermöglichen, während Schriftstudium und Buddha-Kult demgegenüber bedeutungslos waren. Die „südliche Schule" betonte die plötzliche Erleuchtung und ist ikonoklastisch in bezug auf Kult und Schrifttum, die „nördliche Schule" strebte die allmähliche Erleuchtung an. Aufgrund der Einheit von Nirvana und samsara konnte das Absolute im Alltäglichen gefunden werden, wodurch einfach Arbeit hoch bewertet sowie eine Ästhetik des Konkreten gepflegt wurden. Bereits gegen Ende der T’ang-Zeit hatten sich 5 Sukzessionslinien herausgebildet, die wichtigsten waren Lin-chi, gest. 866/867, und Ts'ao-tsung, die sich beide auf Hui-neng zurückführen. Die für Ch'an charakteristische Spontaneität und Liebe zur Natur ist wohl taoistischen Ursprungs. Die Schule des Reinen Landes existiert in China seit dem 5. Jh.n. Chr. und repräsentiert den volkstümlichen B. des Vertrauens aedas Gelübde Amitabhas, das jedem Gläubigen, der den Namen des Buddha Amitabha unablässig anruft (nien-fo), Wiedergeburt in sukhavati, einem reinen Himmel, von dem aus der Eintritt ins Nirvana viel leichter möglich ist als unter den Bedingungen irdischer Existenz, verspricht. Eine grosse Rolle spielt dabei der Bodhisattva der Barmherzigkeit Avalokiteshvara, der in China weiblich vorgestellt wird (/Kuan-yin); Kuan-yin erfreut sich grösster Verehrung, zumal sie auch als Spenderin von Kindersegen angerufen wird. Unter dem Einfluss von Ch'an wurde sukhavati als Bewusstseinszustand vorgestellt, der durch Meditation und Anrufung des Amitabha erreichbar war; eine Synthese entstand, die vor allem im Volk weit verbreitet war. Auch der Kult des zukünftigen Buddha Maitreya kam nach China, oft verbunden mit chiliastischen Vorstellungen (evtl. persischen Ursprungs), die im 13.-15. Jh. politische Revolten (Weisse-Lotos-Sekte, gegründet im 12. Jh.) auslösten und zur Gründung der Ming-Dynastie (1368-1644) führten. Nach der Blüte des Buddhismus während der Tang-Zeit kam es am Ende dieser Epoche aufgrund der ökonomischen Macht der Klöster auf Betreiben konfuzianischer Kreise und taoistischer Meister am Hof im Jahr 845 zu einer Verfolgung (4600 Tempel zerstört, mehr als 250 000 Mönche und Nonnen zwangsweise laisiert), von der sich der Buddhismus nie wieder erholte, er wurde nach 100jähriger Fremdherrschaft zur Zeit des nationalen Erwachens unter der Sung-Dynastie (960-1279 n.Chr.) teilweise in den Neo-Konfuzianismus integriert. Nur Ch'an und Reines Land bestanden weiter. Während der Herrschaft der Mongolen in China (1280-1368) wurde der tantrische Buddhismus tibet. Form vornehmlich aus politischen Gründen gefördert Der Abt T'ai-hsü (1899-1947) versuchte in den 20er Jahren dieses Jh. eine Neuinterpretation der buddhistischen Ideale im Lichte westlicher Rationalität und Demokratie, ohne nachhaltige Wirkung zu erzielen. Wie alle anderen Religionen auch wurde der B. während der Kulturrevolution (1966-1976) verfolgt, Mönche laisiert und Tempel zerstört.
 


 

 

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