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Buddha

Buddha ist Partizip Perfekt Passiv: „erwacht", „der Erwachte" (Wortwurzel budh). Das „Erwachen" (die bodhi) nehmen sich alle Buddhisten zum Ziel. Mithin gab, gibt und wird es unzählig viele Buddhas geben. Man unterscheidet einen Erwachten, der eines Buddha Lehre gefolgt ist, von einem „Vollkommen Erwachten“ (sammasambuddha), der aus sich heraus erwachte, die erlösende Erkenntnis allein fand. Er predigte sie anderen im Gegensatz zu einem „Privat-Buddha", der sie ebenfalls entdeckt, aber nicht verkündet hat.

Einen „So-dahingelangten" nannte der Stifter des Buddhismus sich selbst und andere Buddha. Man überliefert, seine Eltern hätten ihn Siddharta genannt, „der seine Aufgabe vollendet hat". Gotama (Skt. Gautama) ist der Name seines Clan. Sakyamuni bedeutet „Weiser (vom Volke) der Sakya". Wann er gelebt hat, bleibt umstritten. Die Jahre 560-480 v. Chr. gelten annähernd. Er lebte in Nordostindien.
Das heilige Land der Buddhisten markieren Wallfahrtsorte: Lumbini, wo er geboren wurde; Bodh-Gaya, wo erwachte; Sarnath, wo er die erste Predigt hielt; Kasia bei Gorakhpur, wo er starb. Buddhisten zeigen sich an der Scheidung von Historie und Legende in Gotamas Lebensgeschichte nicht interessiert. Sie nehmen sie als Lehre. Schilderungen von märchenhaftem Luxus hier und äusserster Kasteiung dort illustrieren die Extreme, zwischen denen der „mittlere Weg" läuft. Der Bericht von vier Ausfahrten, bei denen der ahnungslose Prinz dem gegenwärtigen Leid in Gestalt von Alter, Krankheit und Tod begegnet, dient der Missionspredigt als Muster für buddhistische Bekehrungserlebnisse. Andere Motive unterstreichen die Grossartigkeit des Wesens, das zur Rettung der Menschheit in die Welt kommt: seine wunderbare Empfängnis und Geburt; ein Weiser von weit her betet das Neugeborene an; beim ersten Besuch im Tempel erscheinen die dargestellten Götter selber und huldigen dem Kind; Gelehrte staunen über die Weisheit des Knaben usw. Vor seinem Erwachen versuchte ihn „der Töter" (mara) und wurde abgewiesen. Ein Verräter unter seinen Jüngern, Devadatta, liess gedungene Mörder ihm auflauern und versuchte, ebenfalls erfolglos, den Samgha zu spalten. Auch einen Lieblingsjünger hatte Gotama. Er hiess Ananda, war stets in Buddhas Nähe und darum nach dessen Tod als bester Kenner seiner Lehrreden. Als der verzweifelte Ananda dem Sterbenden klagte, sie wüssten nicht, was sie ohne ihn tun sollten, sagte der Buddha, dass an seine Stelle die Lehre treten werde. Doch hatte er längst gewarnt, seine Lehre werde mit der Zeit mehr und mehr verderben. Nach 5000 Jahren wird sie nicht wiederzuerkennen sein. Dann erwartet man Metteyya (Skt. Maitreya), einen neuen Buddha, der die Erkenntnis wiederum rein und klar verkünden wird. Den toten Buddha hat man, wie in Indien üblich, eingeäschert. Asche, ein paar Knochen und Zähne blieben übrig. Sie wurden, nebst dem persönlichen Nachlass des Bettelmönchs, zum Anfang buddhistischer Reliquienverehrung. Zugleich entwickelte sich zum typischen Sakralbau der Stupa, in den eine Reliquie oder ein Lehrtext eingeschlossen wird, der aber auch leer bleiben kann, da es genügt, wenn seine Form an den Buddha erinnert. An ihn erinnern zudem Buddha-Bilder und in Südostasien die Bodhi-Bäume, gezogen aus Ablegern, die auf den Baum des Erwachens in Bodh-Gaya zurückgehen. Des Lehrers gedenken, ihn ehren und zum Vorbild nehmen, solche Gedanken bewegen Fromme in Gebetshaltung vor einem Buddha-Bild. Zu ihm beten können sie nicht, da er ins Nirvana einging. Als man Gotama nach dem Zustand eines gestorbenen Buddha fragte, ob er lebe oder nicht lebe, stimmte er keiner Denkbarkeit zu, da nichts im Nirvana irdischen Vorstellungen entspricht. Für den Alltag bitten manche Buddhisten einen Gott um Hilfe. Ein Gott weilt in einem Himmel, dem besten Teil der Wandelwelt; Buddha gelangte „ans andere Ufer" jenseits der Wandelwelt. Ein Gott hilft in weltlichen Nöten, zum Heil verhilft allein Buddha. Aber nicht wie ein Gott hilft er, sondern als Lehrer.

Im Mahayana unterscheidet man drei Leiber des Buddha: Historische Buddhas erscheinen, kurzlebig, in einem irdischen Leib. In einem überirdischen oder verklärten Leib erscheinen zu vielen Zeiten an vielen Orten viele Buddhas. Dennoch, die vielen Buddhas, irdische wie überirdische, sind nur scheinbar verschieden. In Wahrheit existiert einzig und allein der unendliche Buddha, sein ewiger Leib (Skt. dharmakaya). Dieser hat weder Anfang noch Ende, weder Gestalt noch Eigenschaften. Der ewige Buddha ist das Erwachen. Mithin erkennt man den dharmakaya, wer bodhi erlangt. Tatsächlich trägt jedermann den Samen in sich, seine „Buddha-Natur", sein „Buddha-Wesen" bzw. seinen „Buddha-Geist" zu verwirklichen. Solange indessen der menschliche Geist falsche Vorstellungen für wirklich hält, bleibt der Buddha-Geist verborgen wie der Mond hinter Wolken. Indem er die Wirklichkeit erkennt, erwacht der Mensch. Umgekehrt kann niemand erwachen, ohne dass ihm zuvor falsche Vorstellungen den Blick getrübt hätten. Doch nur selten geschieht es, dass jemand allein von sich heraus erwacht. Zum Glück treibt Liebe die Erwachten, allen Wesen zum Erwachen zu verhelfen. Mithin erscheint der ewige Buddha, den sie barmherzig wie einen Vater und liebend wie eine Mutter nennen, immer wieder unter den verwirrten Menschen. Selbstsüchtige lehrt er Ichlosigkeit erkennen, Vergnügungssüchtige Leidhaftigkeit und Vergänglichkeit jene, die sich an die Hoffnung auf Unvergänglichkeit klammern. Theravada- wie Mahayana-Buddhisten ehren Sakyamuni, der die Lehre in diesem Weltalter gepredigt hat, und sie erwarten den kommenden Buddha, der die Lehre neu predigen wird.

Die Zeit zwischen beiden sehen Mahayana-Buddhisten erfüllt von erlösendem Wirken verklärter Buddhas. Diese und verklärte Bodhisattvas verzichten freiwillig darauf, ins Nirvana einzugehen, bis alle leidenden Wesen erlöst, d. h. erwacht sind. Sie tun, was sie tun, aus Mitleid. Darum sind manche Buddhas sogar zu göttergleichen Helfern in irdischer Not geworden. Kranke Japaner z. B. bitten den Buddha Yakushi, den Herrn des „Östlichen Paradieses", um Heilung. Das Mitleid der Buddhas zielt jedoch auf endgültige Erlösung der Verblendeten. Zum Erlöser in gegenwärtiger Weltzeit wurde der Buddha „Unendliches Licht" (Skt. Amitabha). Zu Zeiten des Gautama konnten Buddhisten noch, der Lehre folgend, bodhi erlangen. Jetzt ist Endzeit und die religiöse Kraft der Menschen zu gering. Deshalb hat Amitabha, der Herr des „Westlichen Paradieses", ein Reines Land geschaffen. Dort werden auch Säufer und Diebe, Huren und Mörder gerettet. Sie müssen nur glauben und den Namen des Buddha selbstvergessen anrufen. Der Name „Unendliches Licht" weist hin auf den unendlichen Buddha. Auch dieser Heiland ist also niemand anderer als der ewige Buddha, der alle Wesen aus Verblendung und Leid erlösen will. Niemals bewegt ihn strafender Zorn, immer nur reine Liebe.
 


 

 

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