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Bon-Religion

Die vorbuddhistische Bon-Religion in Tibet ist nicht die ursprüngliche Religion des Landes, sondern bereits ein synkretistisches Gebilde aus einheimischen, schamanischen und indischen, iranischen sowie manichäischen Elementen. Die Geschichte des frühen Bon liegt im Dunkeln, da nur zwei späte Quellenkomplexe vorliegen:

Die Tun-huang-Manuskripte (9. Jh. n. Chr.), die nur Fragmente sind und deren Chroniken eine Religion beschreiben, die bereits synkretistisch und von buddhistischen Einflüssen geprägt ist, und

die späteren buddh. Und Bonpo-Werke (12. Jh. und später).

Bon ist auch Name für Tibet. Der Konsonantenwandel deckt sich mit Lautgesetzen, so dass diese Identifikation kein nationalistischer Bonpo-Zusatz sein muss. Seit dem 18. Jh. unterscheiden die tibetischen Historiker drei Phasen des Bon:

brdol bon (offenbartes Bon), das keine Literatur hervorgebracht hat und vor allem um die Bannung schädlicher Mächte kreist. Die Tun-huang-Manuskripte übersetzen Bonpo deshalb häufig einfach mit „Zauberer". Im ältesten Bon spielt das sakrale Königtum eine zentrale Rolle. Die Könige sind als Repräsentanten der Götter unsterblich und hinterlassen nach dem Tod keinen Leichnam. Erst als die Verbindung von Gott und König gelockert wurde, kamen die Königsgräber auf, in denen die Toten wie Lebende bedient wurden. Die Macht des Königs hing von kultischer Reinheit ab, weshalb er im Fall schwerer Krankheit lebendig begraben wurde. Im Alter von 13 Jahren übernahmen wohl die Nachfolger die Macht, damit diese, gereinigt und erneuert, dem Land Fruchtbarkeit und Reinheit spende.

2. 'khyar bon (abweichendes Bon), das den Menschen in das kosmische Geschehen einbindet und mit organisatorischem theoretischem Ausbau des Bon beginnt. Durch unterschiedliche Lehrmeister bilden sich verschiedene Schulen. Schon das Königsgrab des Songtsen Gampo, (620-648 n. Chr.) könnte diese Entwicklung repräsentieren.

bsgyur bon (transformiertes Bon), das sich in Ritus und Lehre an den Buddhismus anpasst, parallele Strukturen und einen eigene Schriftenkanon (Kangyur und Tengyur) entwickelt, um der Ausbreitung des Buddhismus seit Trisong Detsen (755-797) zu begegnen. Wahrscheinlich hat der „Grossmeister" Shenrab (gshen gab) dabei eine herausragende Rolle gespielt. Das späte Bon hat ihm eine Geburts- und Lebensgeschichte gegeben, die bis in Einzelheiten den Erzählungen um Buddha Sakyamuni und Padma-sambhava nachgebildet ist.

Bon beinhaltet Theogonien, Kosmogonien, Genealogien und Beschwörungen ambivalenter Mächte, Grabriten zum Schutz der Lebenden und der Toten und vor allem ein lokal (durch verschiedene schamanische Substrate wie Luftritte, magische Trommel, Zurückrufen der Seelen Sterbender und Toter) unterschiedlich gefärbtes Divinationswesen.

Drei archetypische Kosmogonien stehen einander gegenüber:
1. Schöpfung aus dem ursprünglichen Weltenei,
2. Schöpfung aus der Zerstückelung eines personalen Urwesens,
3. Schöpfung als Werk eines deus otiosus, der die Welt der Dualität (schwarze und weisse Lichtstrahlen) sukzessive hervorbringt.

Die beiden ersten Mythen zeigen indischen, der dritte Mythos hingegen zurvanischen und evtl. manichäischen Einfluss. Berge gelten als Sitze numinoser Mächte, und vor allem der Berg Kailasa ist Nabel der Welt, der wie ein Lotos mit acht Blütenblättern als Sitz der Götter über die Erde hinausragt. Als Bonpo gilt einerseits jeder Anhänger des Bon, andererseits dessen Priester, Zauberer und Exorzist. Analog zur buddhistischen Nyingma-Schule haben sich neun Bon-Untergruppen gebildet, die mit verschiedenen numinosen Kräften umgehen. Bon entwickelt ein subtil-materielles Gefüge einer Vielzahl von Seelen. Milarepas Biographie zeigt, dass Bonpos Tote beim Namen rufen und sie auf dem Weg durch den Zwischenzustand (bardo) geleiten. Bon hat eine eigene Literatur über die Begegnung mit schreckenerregenden Gottheiten im Bardo entwickelt. In die Bonpo-Gemeinschaft gelangt man durch Riten, die körperliche und geistige Reinheit (Gelübde) erzeugen sollen; es gibt Asketen, die reinen Lebenswandel üben. Symbole aus Hinduismus und Buddhismus wie Svastika und Stupa werden auch im Bon benutzt, Svastika und auch Zirkumambulationen verlaufen aber in gegenläufiger Richtung.
 


 

 

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