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Böses - in China

Das transzendente Böse ist dem chinesischen Denken fremd, es existiert nicht unabhängig; es ist kein konstituierendes Element der chinesischen Moralvorstellungen („Das, was man Böse nennt, ist nicht ursprünglich böse"). Im Zusammenhang mit der Konzeption des Menschen spricht man jedoch von der guten bzw. bösen menschlichen Natur. Das Böse und das Leid sind dann entsprechend Ergebnis der Nicht-Kultivation der (guten) menschlichen Natur, sie sind das Fehlen der Vollkommenheit. Obwohl die Polarität von Yin und Yang im chinesischen Denken nicht als Gegensatz von Sein/Nichtsein, Gut/Böse verstanden wird, könnte man das yin (das Negative, Feminine, Dunkle, Kalte) mit dem Bösen, dem Unglücklichen und dem Tod assoziieren. Da der Mensch für die Harmonie des Universums, d.i. die Balance von yin und yang, verantwortlich ist, entsteht Disharmonie, wenn er dieser Verantwortung nicht nachkommt. Auch der philosophische Begriff shih - fei (wahr - falsch) besitzt im Chinesischen gewisse moralische Konnotation (gut - böse).
In der chinesischen Mythologie, im Taoismus und in der Volksreligion gibt es Vorstellungen, die den Dämonen (kuei) einen feindseligen Einfluss auf die Menschen zuerkennen (Dämonologie). Die Dämonen verursachen z. B. Krankheiten und das Leid. Man glaubt an Geister und Dämonen, die aus dem yin bzw. aus p'o-Elementen der verstorbenen, von den Nachkommen vernachlässigten Menschen entstanden sind.
Im späteren Taoismus und im Buddhismus sind die Vorstellungen von Böse/Leid etwas deutlicher. Ein unmoralisches Leben führt zum vorzeitigen Tod und Leid in der Hölle. Krankheit ist ein Zeichen der moralischen Unvollkommenheit des Leidenden. Grundsätzlich entsteht das Böse/Leid aus der Ignoranz und den Begierden. Der chinesische Buddhismus hat natürlich auch die Vier Edlen Wahrheiten angenommen, wonach alles Leid ist. Der Taoismus und der Buddhismus verneinen auf einer höheren Ebene zu einem gewissen Grad die Unterschiede zwischen Gut und Böse.
Zur Deutung des Bösen und des Leids im Konfuzianismus sucht man nicht so sehr nach persönlicher Schuld als vielmehr nach objektiven Bedingungen, die die Disharmonie, d. i. Abweichung von der goldenen Mitte, herbeigeführt haben könnten. Im Staatskultwesen kann eher von Schuld durch Übertreten der Vorschriften (Tabus) die Rede sein. Hier ist es der Himmel, der Lohn und Strafen für Verdienst und Schuld ausschüttet (z. B. Katastrophen). Meng-tzu (um 372-289 v. Chr.) verstand das Böse/Leid. als ein Erziehungsmittel: „Wenn der Himmel beabsichtigt, einem Mann ein grosses Amt zu übertragen, übt er den Geist mit Leiden und die Sehnen und Knochen mit Mühe." Der konfuzianische Moralismus kannte das überwiegend an den Details einer Sache interessierte, zeitlich begrenzte Böse/Leid in Form der Inhumanität; dennoch heisst es im „Buch der Dokumente": „Gutes und Böses widerfahren dem Menschen nicht ungerechter-weise, denn der Himmel sendet Elend oder Glück gemäss menschlichem Betragen." Im Neo-Konfuzianismus gehört das Leid zum Menschsein. Durch das Leid wird man an die menschliche Natur erinnert und der Prozess der Selbst-Kultivation beginnt hier mit dem Bewusstsein, dass zum vollen Menschsein Leid und Schmerz gehören. Beseitigung des Bösen/Leids erreicht man durch Selbst-Kultivation und Rückkehr zu der urspr. guten menschlichen Natur zum Heil/Heilsweg

 


 

 

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