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Böses - im Hinduismus |
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Der Hinduismus
unterscheidet zwar logisch zwischen dem moralisch Bösen (verursacht von
Menschen: Grausamkeit, ungerechte, verwerfliche und perverse Gedanken und
Handlungen) und dem natürlich Bösen (unabhängig vom Menschen entstanden:
Erdbeben, Dürre, Überschwemmungen etc.), aber beides wird jeweils als ein
Aspekt eines Phänomens angesehen, für das eine Erklärung gefunden werden
muss. Der Hinduismus hat ein weitgefächertes Spektrum der religiösen
Erfahrungen, die eine nahezu vollkommene Theodizee bieten. Charakteristisch
für den Hindu ist die Fähigkeit, gleichzeitig oder von Fall zu Fall
mehreren, oft scheinbar widersprüchlichen Glaubensvorstellungen anzuhängen.
In den religiös-philosophischen Strömungen wird Wissen, das zur Erlösung
führt, höher eingestuft als moralisches Verhalten. Das Böse bedeutet hier
eher avidya (Unwissenheit), die aufgrund von gottbewirkter Verblendung und
Täuschung entstehen kann. So ist es nicht unbedingt die Sünde und die Schuld
des Menschen, wenn er irrt. Andererseits steht dies in gewissem Widerspruch
zur Karma-Lehre, nach der die gegenwärtige Erfahrung des Menschen das
äussere Zeichen und direkte Ergebnis guten oder schlechten Handelns ist, das
in verschiedenen vergangenen Leben sich angesammelt hat und der wandernden
Seele anhaftet. Karma kann durch gutes Handeln im jetzigen Leben verringert,
aber nie ganz zerstört werden. Das Böse wird so durch Böses in der
Vergangenheit gerechtfertigt und wird durch Belohnung in künftigen Geburten
ausgewogen. Das Böse ist hier weder durch Gott noch Mensch oder Dämon (der
oft als konsubstantiell mit Gott aufgefasst wird) verschuldet. Im allg.
strebt man nicht nach Erlösung aus dem Kreislauf des Wiedertods bzw. der
Wiedergeburt, sondern man wünscht sich eine bessere Wiedergeburt, die gutes
Handeln nach den objektiven Pflichten der Kaste bzw. heute immer noch nach
den für alle gültigen Dharmas voraussetzt (z. B. Gewaltlosigkeit, Wahrheit,
Abstand von Diebstahl, Selbstbeherrschung etc.). Die Frage, ob Gott dem
Karma untergeordnet ist und somit nicht allmächtig sei, oder ob er das Karma
kontrolliert, womit ihn die Schuld am Bösen träfe, wird flexibel
beantwortet. In den theistischen Strömungen (spätestens seit der
Bhagavad-Gita) wird Karma relativ unwichtig und durch Hingabe an einen
persönlichen Gott überwunden. Verantwortung für den Ursprung des Bösen wird
selten dem Menschen allein zugewiesen. In den Mythen des „Sünden"-Falles ist
es vor allem die Zeit (später oft vergöttlicht), die die Menschen von der
Ewigkeit abfallen lässt und sie verdirbt. Zeit ist zyklisch, und am Ende des
derzeitigen Kali-Zeitalters wird das Böse zurückgeführt in das Gute, wo Gott
willentlich oder unwillentlich das notwendige Übel in der Welt wieder
erschafft (das Gute in einem Menschen kann nur von Wert sein, wenn seine
Kraft am Bösen gemessen wird). Die Vorstellung, dass Gott überhaupt nicht
für den Ursprung des Bösen verantwortlich ist, kommt seltener vor. Obwohl
der kosmische Prozess automatisch ist (wie das Karma), kann Gott, aber auch
ein idealer Herrscher oder ein Weiser, die Macht besitzen, den Fluss des
Kali-Zeitalters umzukehren. |
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