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Im biblischen Judentum
wird oft ein Zusammenhang zwischen physischem Übel (Leid) und moralischem
Übel (dem Bösen) behauptet. Vor dem Hintergrund einer ursächlichen
Verknüpfung von Tun und Ergehen werden Krankheit, Unglück, Leiden weithin
als Sündenfolge und göttliche Strafe für böse Taten gedeutet.
Im Alten Testament wird Leid zumeist auf das gestörte Verhältnis des
Menschen zu Gott zurückgeführt, als Strafe für die Ursünde oder durch
persönliche Schuld verursachter Zorn Gottes dargestellt. Neben dem
schuldhaften Leid kennt das Alte Testament (bes. Psalmen, Klagelied, Ijob,
Kohelet) auch die Leiden des Unschuldigen als Heimsuchungen des
unbegreiflichen Gottes oder als Anfechtungen zur Prüfung von Gottesglauben
und Gottvertrauen. Vor allem die Propheten berichten von Gottes Leid und
Mitleid im Bund mit seinem auserwählten Volk. In der Leid-Theologie der
nachexilischen Literatur entfaltet sich Auferstehungshoffnung.
Im Neuen Testament ist Leid heilsgeschichtlich ausgerichtet: auf Christi
Kreuz, Tod und Auferstehung. Das Leid gehört zum Wesen christlicher
Existenz, doch werden die irdischen Leiden angesichts der eschatologischen
Herrlichkeit gelindert. Leid kann konkrete Sündenfolge sein. Jesus spricht
jedoch selten und nur andeutungsweise von schuldhaften Leid-Ursachen.
Christi Liebe transzendiert die Leid-Frage. In Jesu helfender und heilender
Zuwendung zu kranken und leidenden Menschen zeigt sich weniger theoretische
Leid-Begründung als praktische Bekämpfung und Überwindung von Leid und von
Bösem. Christi Kreuzestod und Auferstehung besitzen stellvertretende Sühne-
und Erlösungskraft und bezeugen die soteriologische Solidarität des
gekreuzigten Menschen- und Gottessohnes und des leidenden Gottes mit den
Leiden der Menschheit. In der Kreuzestheologie offenbart sich die vom Bösen
erlösende und aussöhnende Bedeutung des Leids. Leid kann auch vor Sünde
schützen, zur Hoffnung und Vollendung führen, den Glauben prüfen, aber es
kann auch zur Verzweiflung, zum Unglauben, zum Bösen versuchen.
In der Schöpfungslehre der christlichen Theologie stellt sich Leid als Folge
der Erbsünde dar. Durch den Sündenfall der ersten Menschen gingen die
aussernatürlichen Gnadengaben der Leid-Freiheit und der leiblichen
Unsterblichkeit verloren, so dass menschliche Existenz notwendig leidvoll
wurde. Doch neben verschuldeten, schuldbeladenen Leiden anerkennt das
Christentum auch unschuldige Leiden, fruchtbare und unfruchtbare Leiden,
gottgefälliges und gottloses Leid
Die Frage nach dem Bösen stellt sich im christlichen Abendland als
Seinsfrage, als ontologisches Problem: Ist das endliche Sein an sich gut,
oder wohnt dem endlichen Sein ein Hang zum Bösen inne? Die Frage nach Sinn
und Wesen des Seins wird theologisch zur Frage nach Sinn und Güte der
Schöpfung, des Schöpfers und des Geschöpfs. Die theologische Lehre vom Bösen
entfaltet sich mit der Leid-Theologie in der Schöpfungslehre - die auf das
eschatologische und universale Heilshandeln in Jesus Christus gerichtet ist.
In Abgrenzung zum dualistischen des Bösen in Gnosis, Priscillianismus
Manichäismus einerseits, die das Böse ein von Gott unabhängiges,
eigenständiges Prinzip deutet, und zur monistischen Rückführung des Bösen
auf ein allein ursächliches Prinzip andererseits, die Schöpfung keinerlei
Eigenständigkeit zuerkennt und daher gezwungen ist, „das Böse in irgendeiner
Weise auf Gott selbst zurückzuführen und damit Gott zu dämonisieren", wird
der christlichen Schöpfungslehre eine geschichtliche und personale
Wesensbestimmung des Bösen zugrunde gelegt. Das Böse in seinem strukturellen
Vorgegebensein und seiner Vorfindlichkeit in der Welt, wie es sich
theologisch in den traditionellen Begriffen der Erbsünde oder Ursünde
dichtet, ereignet sich faktisch erst in der geschichtlichen, in Freiheit und
verantwortlicher Zurechnung vollzogenen Entscheidungen des Menschen. Als
mitmenschlich situierte Freiheit umschliesst die menschliche Freiheit mit
der inhärenten Möglichkeit des Bösen und des Leids auch der Moment des
Tragischen und Schicksalhaften. So ist jeder Mensch in die von Sünde, Bösem
und Leid bereits geprägte universale Unheilssituation hineingestellt. Böses
tut der Mensch jedoch erst dann, wenn er der Versuchung jener strukturellen
Vorfindlichkeit des Bösen in der Welt nachgibt. Indem der Mensch Böses
geschehen lässt, verursacht er Leid.
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