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Bild - christlich

Die Behandlung des christlichen Bildes umfasst im folgenden sowohl Illustrationen biblischer oder kirchengeschichtlicher Ereignisse als auch Darstellungen Gottes, Christi, Heiliger, Engel usw.
Von den drei grossen monotheistischen Weltreligionen (Judentum, Christentum, Islam), die alle auf je eigene Weise das Erbe des alttestamentlichen Bilderverbotes angetreten haben, hat das Christentum diesbezüglich die wechselvollste Geschichte erlebt, weil es sich der Möglichkeit, religiöse Gegebenheiten bildlich zum Ausdruck bringen zu können, geöffnet hat. Die Kirchengeschichte ist unter diesen Bedingungen in gewissem Sinne auch zu einer „Bild-Geschichte" geworden, wenngleich eine ausgesprochene Theologie des Bildes im Westen niemals zum Tragen kam. Eine solche hat vielmehr aufgrund der Besonderheiten der Ikone die östliche Theologie mit grösserem Interesse betrieben. Der Westen blieb demgegenüber durch alle Zeiten hindurch den von Anfang an gegebenen praxisorientierten Fragen der Bild-Verehrung verhaftet. Insgesamt aber hat das Christentum in seiner Geschichte alle Möglichkeiten im Für und Wider der Bilder-Herstellung und -Verehrung durchlebt und durchlitten. Ganz auf der Linie des alttestamentlichen Bilder-Verbotes liegt es, wenn die Kirche an ihrem Anfang das Gottes-Bild ganz ablehnt; denn einerseits mangelte es sowohl an einer Jahwe- als auch an einer Jesusikonographie, andererseits forderte der heidnische Bilder-Kult, der unterschiedliche Zusammenhänge und Verbindungen zwischen Gottheit und Bild sah, das Christentum bei seinem Kampf gegen jeden Götzendienst zur Ablehnung der Bilder heraus. Eine spezifisch christliche Bild-Kunst konnte sich erst langsam herausbilden, ohne dass ihre Wurzeln heute sicher geortet werden könnten. Sie stiess auch auf die Kritik einiger Kirchenväter, die die Ablehnung des Götter- Bildes als Basis einer theologischen Auseinandersetzung um die Möglichkeiten des christlichen Bildes überhaupt ansahen. Im Verlauf der langen Geschichte der Bilder-Frage im Christentum sind von Anfang an immer wieder in bestimmten Modifikationen durchgehende Argumentationsstrukturen im Für und Wider ins Feld geführt worden, deren wichtigste im folgenden thematisch dargestellt werden sollen.
Hatte die Differenz zwischen dem geschaffenen Gottes-Bild und Gott dem Schöpfer der frühchristlichen Apologetik als Argument für die Ablehnung des Gottes-Bildes gedient, scheinen die ersten Rechtfertigungen des Christus-Bildes gerade hier einzusetzen, wenn sie die Besonderheit der Inkarnation als Differenzierungsgrund zwischen dem unmöglichen Gottes-Bild und dem möglichen Christus-Bild hervorheben. Die erste konsequente Auseinandersetzung mit dieser Argumentation findet sich bei Eusebius von Cäsarea in seinem Brief an Kaiserin Konstantia, die ihn um ein Christus- Bild bat. Die Unmöglichkeit des Gottes-Bildes bezieht er auf den erhöhten Christus und begründet die Ablehnung von Darstellung „Knechtsgestalt" mit dem Bilder-Verbot des Dekalogs. Das wahre Bild Gottes wird für ihn im frommen und tugendhaften Menschen verwirklicht: eine Vorstellung, die in der Folgezeit noch häufiger im Zusammenhang mit der Ablehnung christlicher Bilder begegnet. Am ausgeprägtesten findet sich diese Form der christologischen Diskussion um Bilder im byzantinischen Bilder-Streit. Hinter den dort zu findenden christologischen und trinitarischen Disputationen um die Bilder-Verehrung ist aber schon die Besonderheit der für den Osten diesbezüglich bestimmenden Ikone zu nennen, da es in vielen Punkten auch schon um die Vergegenwärtigungsform geht, wenn die Gegner der Bild-Verehrung die Eucharistie als einzig legitimes Christi ansehen, die Befürworter hingegen betonen, dass die Ikone Christi nicht die göttliche „Natur", sondern die Fülle seiner angenommenen Menschlichkeit repräsentiere. Grundgedanke der lkone ist, dass die Verbindung zwischen Bild und Dargestelltem so eng ist, dass das Bild eine repräsentierende Mittlerstelle einnimmt und damit der Reliquie sehr nahe kommt. Daraus hat sich in der Ostkirche konsequent ein Verständnis des Bildes entwickelt, das derart stark vom Gedanken der Repräsentation bestimmt ist, dass jedwede typologische Darstellung verworfen wurde. Die vor allem von Johannes Damaszenus in seiner Bild-Theologie ausgeführte Verteidigung des christlichen Bildes unter Hinweis auf die Inkarnation wird als katholische Antwort auf den reformatorischen Bilder-Sturm von Johannes Eck wiederaufgegriffen. Er greift dabei auch die seit dem 2. Konzil von Nizäa (787) wichtig gewordene Unterscheidung von „Anbetung" und „Verehrung", die in der Beziehung zwischen Bild und Ur-Bild gründet, auf; ein Gedanke, der auch zur Basis des späteren Bild-Dekrets des Tridentinums wurde. Eine erstmalige Ablehnung findet die Bild-Verehrung auf der Basis der genannten Unterscheidung durch die Franken in den aus den Kreisen Karls des Grossen (791) stammenden Libri Carolini, wenn auch anstelle einer Auseinandersetzung um diese Differenzierung ein neues, grundlegendes Argument gegen die Bild-Verehrung ins Feld geführt wird, dass nämlich der Wert der Heiligen Schrift durch die Verehrung der Werke gemindert würde. Interessant ist, dass diese Polarisierung christlicher Bilder contra Heiliger Schrift in späteren Auseinandersetzungen keine grössere Rolle mehr gespielt hat, selbst bei Calvin nicht, der sich bei seiner Ablehnung der Bild-Verehrung auf die Libri Carolini bezieht. Calvin gesteht aber den christlichen Bildern sehr wohl einen didaktischen Wert zu, möchte derartiges aber - wie die Synode von Elvira (306) - aus dem Kirchenraum verbannen. Insgesamt lassen sich bei den Reformatoren kleinere und grössere Unterschiede in bezug auf die Beurteilung der Bilder feststellen, was vor allem mit unterschiedlicher Auffassung des Dekalogs zusammenhängt. Man stösst hier, wie schon in der Alten Kirche, zum einen auf die Frage der Gültigkeit alttestamentlicher Gesetze für den Christen, zum anderen auf das vom Text selbst nahegelegte Problem der Zählung, nach der das Bilder-Verbot entweder Teil des ersten Gebotes oder selbständiges zweites Gebotes ist. Für Luther sind die Bilder adidphora, und ihre Ablehnung begründet er in der damit verbundenen Werkgerechtigkeit. Positiv betont er aber vor allem den pädagogisch-didaktischen Wert der Bilder und greift damit eines der ältesten und beliebtesten Argumente für die Beibehaltung der Bilder auf. Der Gedanke, dass die Bilder die Ungebildeten unterweisen, begegnet schon bei Paulinus v. Nola (4./5. Jh.), findet dann seinen markantesten Ausdruck in dem Gedanken Gregors des Grossen (6./7. Jh.), dass die Bilder die Bibel der Analphabeten seien. Es muss jedoch erwogen werden, ob hinter diesen Äusserungen nicht schon der Gedanke steht, dass aus dem Lernen die Anbetung und Verehrung konsequent folgt, denn antikem Verständnis gemäss ist das Bild in erster Linie Repräsentanz des Dargestellten. Pointiert wird der Gedanke vom didaktischen Wert der Bilder erst im Bild-Dekret des Tridentinums entfaltet, wenn dort positiv und negativ die Übereinstimmung von Bild-Inhalt und kirchlicher Lehre erörtert wird.
Der Blick auf die theologische Argumentation in der wechselvollen Geschichte des christlichen Bildes macht für uns heute deutlich, dass es weder eine spezifisch christliche Position für oder gegen das Bild gibt oder geben kann noch eine Priorität bestimmter Bild-Typen. Bild und Bilder-Verbot sind die Eckpunkte, zwischen denen christliche Theologie und Religiosität ausgespannt sind. Ihre Verhältnisbestimmung gibt den Ort jeweiliger Theologie an, auch ohne dass eine Theologie des Bildes expressis verbis entworfen wird, weil durch sie Spezifika christlichen Selbstverständnisses (Verhältnis AT/ NT; Heilsgeschichte usw.) tangiert werden. Theologie, die diese Art „historischer Dimension" unter Hinweis auf mythische Bilder vernachlässigt (E. Drewermann), büsst ihren christlichen Standpunkt ein und muss die Ablehnung des frühen Christentums gegen die Maler auf sich beziehen lassen, die darin gründete, dass diese vor allem Themen der Mythologie darstellen.
 


 

 

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