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Der Buddhismus schliesst
ikonographisch an den Hinduismus an, doch kommt es zu charakteristischen
Umformungen. Wenngleich die Lehre des Buddha in ihrem Kern auf die
Überwindung des Sehens (wie des Denkens) zielt, werden Bilder bald in den
Dienst der religiösen Botschaft genommen.
1. Die kosmologische Funktion des Tempelberges wird durch den Stupa
wahrgenommen, ein Grabmal, welches ursprünglich einfach die Form eines
umfriedeten Bestattungshügels hatte, aber zunehmend an
Orientierungsdimensionen gewann. Im Zentrum des Stupa, befindet sich eine
Reliquie des Buddha und damit ist die Weltachse markiert. Das Gewölbe des
Gebäudes, eine Halbkugel, wird als Firmament gedeutet, die darauf sich
erhebende Konstruktion von sieben Schirmen als Darstellung der sieben
Himmel; weitere Elemente der Zeit- und Raumsymbolik prägen das Gebäude
dessen Bautyp sich in der ganzen buddhistischen Welt unter mannigfachen
Variation verbreitet.
2. Die Reliefs und vollplastischen Figuren an Stupas und anderen Bauwerken
sind an der buddhistischen Tradition orientiert. Nach anfänglichen Bedenken,
den Buddha darzustellen, kam es bald zu Abbildungen Buddhas und der
Bodhisattvas, welche den Gesetzmässigkeiten allgemein-indischer Art folgen.
Viele Darstellungen sind „uneigentlicher" Natur, sie sind als Ausfluss der
„Leere" lediglich als Meditationshilfen gedacht, wenngleich sie im
Volksglauben einen höheren Stellenwert einnehmen. Die szenischen
Darstellungen beziehen sich auf die Buddha-Legende (z. B. Verlassen der
Familie, Abschneiden des Haarschopfes, Versuchungen entgegenwirken durch
Mantras)
3. Auch bis zum Diagramm hin abstrahierende Meditationsfiguren kehren im
Buddhismus wieder. Das Zentrum des Yantras ist jetzt mit einem Buddha-Symbol
besetzt, die erläuternden Figuren entstammen dem buddhistischen
Traditionskreis. Ein wichtiges Bild-Element wird der Diamant, der die
Unwiderstehlichkeit des Buddha-Weges zum Ausdruck bringt, auf einer weniger
elitären Ebene der Religionspraxis aber ein alltägliches Instrument der
Magie und des Exorzismus darstellt.
4. Während die buddhistische Ikonographie im Bereich des indischen
Kultureinflusses diesen Wurzeln stark verpflichtet bleibt, entfernt sie sich
in China, Korea und Japan zunehmend davon und wird inhaltlich und formal von
bereits angesiedelten Typen von Religion und Ikonographie geprägt (in China
besonders vom Taoismus). Dabei treten auch neue Figuren in den Vordergrund,
so etwa in China der Bodhisattva Avalokiteshvara, der zur weiblichen
Gottheit der Barmherzigkeit umgeformt wird, oder der japanische Amida-Buddha.
Noch stärkere Verschiebungen ergeben sich im Ch'an-(Zen-)Buddhismus, der
Landschafts- und Natur-Bilder, mit neuer Pinseltechnik gemalt, für einen
neuen Typ von Meditation verwendet.
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