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1. Der Begriff
Bewusstsein ist ein zentraler Begriff der Anthropologie, nicht nur im
philosophischen und theologischen, sondern auch im naturwissenschaftlichen
Kontext (hier nicht nur im Bereich der Psychologie oder Tiefenpsychologie,
sondern ebenso in der Evolutionsforschung, biologischen Anthropologie,
Gehirnforschung usw.).
Der katholische Theologe und Naturwissenschaftler P. Teilhard de Chardin hat
in seiner Anthropologie und Evolutionstheorie immer wieder auf die Bedeutung
der Entwicklung des Bewusstseins des Menschen verwiesen und bemerkt, „dass
das Bewusstsein, das wir empirisch als die spezifische Wirkung organischer
Komplexität deuten, weit über den lächerlich kleinen Ausschnitt
hinausreicht, in dem es unserem Blick gelingt, es direkt zu erfassen". Die
Frage nach dem Bewusstsein ist damit heute so aktuell wie etwa im 19. Jh.
und fordert immer wieder zur Auseinandersetzung heraus.
2. Der Begriff Bewusstsein findet sich als Substantiv zuerst in der
Metaphysik Chr. Wolff (18. Jh.) und wird allgemein als Übertragung des lat.
Begriffes „conscientia" verstanden, wie ihn R. Descartes im 17. Jh.
entwickelt hat, der als der Begründer der neuzeitlichen
Bewusstseins-Philosophie angesehen werden darf. Bewusstsein bezeichnet eine
wesentliche Qualität, Dimension bzw. Instanz des menschlichen Geistes bzw.
der menschlichen Seele, insofern sich der Mensch durch das Bewusstsein auf
sich selbst, auf die Welt, auf den anderen und auf Gott beziehen kann. Das
Bewusstsein ist der Raum des Wissens, der Reflexion und Erfahrung, die sich
auch auf das Subjekt selbst richten aber lehren, dass das Subjekt und sein
Bewusstsein sich nicht selbst verdanken. Auf das Bewusstsein und sein
Material (Sinnesempfindungen, Vorstellungen, Erfahren von Raum Zeit,
Erfahrungen der Wirklichkeit) bauen Denken (Verstand, Vernunft) Wollen und
Handeln auf, und auch Emotionalität wirkt über das Bewusstsein. Ist das
Bewusstsein auf der einen Seite Einfallstor und Raum der Erfahrung als
Grundlage geistiger freier Tätigkeit, so bezeichnet es andererseits - neben
dieser synthetischen Leistung - die Fähigkeit des menschlichen Geistes, je
aktuell, begleitend um entscheidende Vollzüge zu wissen, zu kontrollieren
und zu beherrschen, sich ihrer im wesentlichen bewusst zu werden bzw. zu
sein. Trotz der entscheidenden Bedeutung des Bewusstseins für den Menschen
wäre es fatal, das Wesen des Menschen bzw. des menschlichen Geistes auf
Bewusstsein reduzieren zu wollen und andere Bereiche (Unbewusstes, Gefühl,
Leiblichkeit usw.) auszublenden, die nur in ihrer Gesamtheit den Menschen
ausmachen. Die Gefahr der Verabsolutierung des Bewusstseins war bei
Descartes bereits gegeben und blieb auch in der idealistischen
Bewusstseins-Philosophie bestehen, und in Hegel ihren faszinierenden, aber
auch problematischen Höhepunkt fand. Eine weitere mögliche Gefahr
subjektivistischer Bewusstseins-Philosophie liegt darin, das als
wirklichkeitskonstituierend misszuverstehen.
3. Da der heutige Begriff Bewusstsein erst in der Neuzeit entwickelt wurde,
ist es nicht unproblematisch, ihn geistesgeschichtlich zurückzuprojizieren
und allzu schnell mit den Begriffen „conscientia" bzw. „syneidisis" (griech.),
die auch die Bedeutung von „Gewissen" umfasst, gleichzusetzen, wiewohl die
gemeinte Sache schon gegeben war und daher der Rückbezug legitim erscheint.
Die gleiche Übersetzungsproblematik muss für den religiös-wissenschaftlichen
Kontext konstatiert werden. Hier ist von Bewusstsein vielfach in Verbindung
mit religiöser Gotteserfahrung die Rede. So werden vor allem die indischen
Begriffe vijnana, citta, manas, aber auch Brahman und Atman (die meist auch
mit „Geist" übersetzt werden) häufig als „Bewusstsein" wiedergegeben, so
dass (unter Hinweis auf die unterschiedlichen Schulbildungen in Buddhismus
und Hinduismus) ein entscheidendes Element asiatischer Religiosität als
Prozess der Bewusstwerdung bzw. Bewusstseinserweiterung verstanden werden
kann, in deren Verlauf die Identität von individuellem Atman/ Bewusstsein
und universalem Brahman/Bewusstsein gewusst bzw. bewusst wird. Dies
geschieht durch asketische und meditative Übungen und Techniken, mit deren
Hilfe die Trennung des Menschen von seinem Ursprung und eigentlichen Wesen
überwunden und die Einheit mit dem Urgrund bzw. der Gottheit erkannt und
erfahren wird, was zur Erlösung führt. Das Bewusstsein wird dabei als
Voraussetzung jeglichen Erkennens, Wollens und Erschaffens verstanden; das
individuelle Bewusstsein des Menschen stellt die Verbindung mit dem
universalen Bewusstsein bzw. der Gottheit dar. Für den Dialog mit dem
Christentum ergeben sich hier gewisse Anknüpfungspunkte, insofern
christliche Askese, Mystik, Spiritualität und Meditation auch auf die
bewusste Erfahrung Gottes hin ausgerichtet sind. Diese darf freilich nur als
eine durch Jesus Christus im Heiligen Geist ermöglichte Erfahrung verstanden
werden, die keine Identität, sondern die Gemeinschaft mit Gott voraussetzt
und erfahren lässt. Das christliche Bewusstsein vermag aufgrund der Gabe des
Heiligen Geistes in den Vollzügen des Glaubens (Gottesbegegnung in Wort,
Sakrament, Gebet), der Hoffnung und der Liebe Gott zu erfahren und zu
erkennen . Das Verhältnis des Bewusstsein zu Gott wird vor allem in der von
K. Rahner vertretenen Form der Transzendentaltheologie reflektiert, die den
transzendentalphilosophischen Ansatz I. Kants theologisch durchdringt und
aufzeigt, dass Gott in der Tiefe des menschlichen Bewusstseins anwesend ist
und durch seine Gnade die Gotteserfahrung des Menschen ermöglicht.
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